Lemgo. Seit einem Vierteljahrhundert veröffentlicht die freie Theatergruppe „Stattgespräch“ im Juli/August stets ihren aktuellen Spielplan, darunter auch immer wieder Neuproduktionen. „Die Nachfrage nach Karten in den Vorverkaufsstellen ist auch momentan wieder sehr groß“, betont Theaterleiter Frank Wiemann.
Doch in diesem Jahr ist alles anders. Verschiedene Schicksalsschläge, die einzelne Ensemblemitglieder in den vergangenen Monaten ereilten, und die immer noch andauernden Baumaßnahmen machen der neuen Theater-Spielzeit in Lemgo einen Strich durch die Rechnung.
„Die Planungen für unsere 27. Spielzeit, die den Titel ‚Zeitlos‘ trägt, und dessen Spielplan seit April stand, sind durcheinandergeraten und müssen neu gedacht werden“, gesteht Wiemann. Dies betreffe insbesondere die bereits abgeschlossenen Verträge mit den Verlagen und die Aufführungsrechte. Derzeit stehe der Betrieb aufgrund der genannten Probleme aber komplett still.
Die Verwirklichung einer komplett neuen Theaterproduktion sei immer sehr zeitaufwändig, manchmal auch sehr nervenaufreibend, finanziell immer risikoreich, aber auch sehr spannend und die freie Theatergruppe tue es gerne, sagt Wiemann.
Belohnt wird sie dafür stets mit ausverkauften Vorstellungen und langanhaltendem Applaus. „Aktuell können die Ensemblemitglieder leider überhaupt nicht proben. Für ein neues Stück wird aber eine Probezeit von mindestens sechs Wochen im dortigen Bühnenbild benötigt“, benennt auch Lemgos Bürgermeister Markus Baier die vorhandenen Probleme.
Die Proben, sagt Frank Wiemann, könnten auch nur vor Ort stattfinden, da vor allem die Bühne und die Laufwege eine wichtige Rolle spielten. Deshalb sei ein anderer Probenort nicht machbar.
„Das Hauptproblem liegt darin“, erklärt Bürgermeister Baier, „dass sich die Stadt Lemgo zusammen mit der Theatergruppe entschlossen hat, eine Klimaanlage im Theater zu installieren. Diese kommt, wenn sie einmal fertig ist, dem Ensemble und den Zuschauern zugute. Bei der Installation gibt es aber einige Lieferengpässe. Daher kann leider niemand genau sagen, wann sie letztendlich in Betrieb gehen wird.“
Aufgrund dieser Schwierigkeiten herrscht große Unsicherheit im Ensemble, da unter anderem die gesamten Pläne (Technik und Service) neu erstellt werden müssen. Zudem steht die Frage im Raum, wann das Theater wieder einsatzfähig ist und auch die langfristigen Planungen der einzelnen Mitglieder wie Urlaub, Familienfeiern oder Wochenenden müssen erst einmal geklärt werden.
Die Verantwortlichen hoffen nun darauf, die Proben Ende Oktober wieder aufnehmen zu können. „Erst dann können wir sagen, wann es mit dem Kartenvorverkauf losgeht“, sagt Wiemann. Mit dem Beginn der 27. Spielzeit rechnet der Theaterleiter für Mitte November. Da es keine Neuproduktion geben wird, präsentiert das Ensemble noch einmal die größten Erfolge der vergangenen Spielzeit.
Darunter sind die Stücke „Illusionen einer Ehe – Komödie von Eric Assous“, „Besuch bei Mr. Green – Tragikomödie von Jeff Baron“ und „Dinge, die ich sicher weiß – Schauspiel von Andrew Bovell“, die allesamt hervorragend beim Publikum ankamen und somit in die Verlängerung gehen.
„Ich bedanke mich bereits jetzt bei allen Interessierten, die gerne Karten erwerben möchten, bitte aber noch um etwas Geduld, da dem ganzen Team die Hände gebunden sind“, erläutert Wiemann.
Bürgermeister Markus Baier sprach zudem die Probleme an, mit denen das „Stattgespräch“ schon während der Corona-Zeit zu kämpfen hatte. „Ich kann daher nur ein großes Lob an das gesamte Team aussprechen und hoffe, dass es so schnell wie möglich weitergeht“, sagt Baier. Frank Wiemann stellte darüber hinaus eine Spielzeitverlängerung bis Ende Mai 2024 in Aussicht. Doch zunächst müsse die Klimaanlage funktionieren. (al)