Kreis Lippe/Bad Salzuflen. Mit „Rockstars“ gewann Sänger, Rapper und Songwriter Malik Harris 2022 den Vorentscheid für den Eurovision Song Contest (ESC) und vertrat Deutschland bei dem Großevent im selben Jahr. Am 22. März, um 20 Uhr, macht der Musiker mit seiner Tour „Dreamer – Part II“ im Glashaus in Bad Salzuflen halt.
Im Interview mit der LWZ erzählt der 26-Jährige von seiner Liebe zur Musik, seinen bisherigen schönsten Erlebnissen sowie seiner anstehenden Tour. Zudem verlost die LWZ 3×2 Karten für das Konzert in der Salzestadt.
LIPPISCHE WOCHENZEITUNG (LWZ): Vielen Dank, dass Sie sich die Zeit nehmen und einen kleinen Einblick in Ihr Leben als Musiker gewähren. Wie sind Sie überhaupt zur Musik gekommen?
Malik Harris: Das habe ich vor allem meiner super musikalischen Familie zu verdanken. Mein Opa war Opernsänger in den USA, meine Oma Pianistin und auch mein Vater hat viele Instrumente gespielt. Musik war somit schon immer Teil meines Lebens und meine große Leidenschaft – in kaum einer Kindheitserinnerung hat Musik gefehlt. Mit 13 habe ich mir von meinem Taschengeld eine Akustikgitarre gekauft, da ich mich selbst begleiten wollte. Schnell habe ich gemerkt, wie viel Spaß es mir bereitet, selbst Songs zu schreiben. Zusätzlich habe ich mir das Spielen von Klavier, Bass und Schlagzeug beigebracht.
LWZ: War es schon immer Ihr Ziel, auch beruflich Musik zu machen?
Harris: Das war schon immer mein Traum, ich war jedoch sehr weit weg davon zu wissen, wie ich das erreichen soll. Meine andere Leidenschaft war der Fußball, somit wollte ich eine Zeit lang Profifußballer werden, da ich dachte, das sei einfacher umzusetzen (lacht). Dafür hat mein Talent aber nicht gereicht, weshalb ich es doch mit meiner größten Leidenschaft versuchen wollte. Mein angefangenes Studium in Französisch und Spanisch konnte ich recht schnell abbrechen, da es mit der Musik doch funktioniert hat. Meine ersten professionellen Schritte waren meine Supporttouren. Ein Meilenstein war es, für James Blunt Support spielen zu dürfen, noch bevor mein erster Song veröffentlicht wurde. Im Sommer 2018 ging dann plötzlich alles auf einmal los.
LWZ: Gibt es Highlights in Ihrer bisherigen Karriere, auf die Sie besonders gerne zurückblicken?
Harris: Einige. Besondere Momente waren zum Beispiel meine erste ausverkaufte Tour und das Spielen von großen Festivals wie dem Southside Festival, wo mehrere Tausend Menschen eine Zugabe gefordert haben. Oder als ich Support für James Blunt und Calum Scott spielen durfte, mit dem ich heute noch sehr eng bin. Natürlich war auch der ESC eine mega tolle Erfahrung. Aber es sind auch die kleinen Momente, die mit am erfüllendsten sind: Ich liebe es, mich im Studio einzusperren und intensiv an einem Song zu arbeiten. Diesen dann irgendwann im Radio zu hören, ist super aufregend.
LWZ: Können Sie sich noch an den Moment erinnern, als Sie das erste Mal einen Ihrer Songs im Radio gehört haben?
Harris: Auf jeden Fall. 2018 ist „Say the name“ an einem Freitag erschienen und am Sonntag hat mir ein Radiomoderator auf Instagram geschrieben, dass er um circa 18 Uhr meinen Song spielt. Seit 17.45 Uhr haben meine Mutter und ich vor dem Radio gesessen und gewartet. Irgendwann hat der Moderator ganz engagiert und ausführlich von einem neuen Künstler gesprochen, dessen ersten Song sie gleich spielen – in dem Moment habe ich aber gar nicht realisiert, dass er von mir spricht. Als ich schließlich namentlich angekündigt wurde, haben meine Mutter und ich direkt angefangen zu weinen.
LWZ: Sie haben Ihren Auftritt beim ESC 2022 bereits angesprochen – welche Erfahrung haben Sie dort gemacht?
Harris: Es war verrückt, da es nie mein Plan war, dort mitzumachen. Ich wollte meinen Song „Rockstars“ rausbringen und genau zu dieser Zeit war die Anmeldephase für den ESC-Vorentscheid. Ich habe mich dann dazu entschieden mitzumachen, da ich das Konzept des ESC sehr schön finde: Einen harmonischen und kulturellen Abend zu verbringen, der durch Musik den ganzen Kontinent – und Australien – zusammenbringt. Zudem ist es natürlich eine große Bühne. „Rockstars“ ist ein sehr persönlicher und emotionaler Song für mich und der ESC biete eine tolle Möglichkeit, ihn zu teilen und bestenfalls damit zu berühren und zu helfen.
Mich hat es extrem gefreut, so viel positives Feedback von Menschen zu bekommen, die durch den Song zum Beispiel zur Therapie gegangen sind oder sich ein Zitat aus dem Song tätowiert haben. Da „Rockstars“ aber nicht unbedingt der typische ESC-Song ist, hatte ich gar nicht damit gerechnet, den Vorentscheid überhaupt zu gewinnen. Als das doch passiert ist, hat sich viel verändert. Ab dem nächsten Morgen bin ich in eine komplett neue Welt eingetaucht. Plötzlich war ich in Tel Aviv, Amsterdam oder Madrid, habe Interviews gegeben und bin auf Pre-Partys aufgetreten. Die Veranstaltungen im Vorfeld, die internationale Presse sowie das Kennenlernen von so vielen coolen und talentierten Menschen, mit denen ich teilweise immer noch in Kontakt stehe, war ein Riesenerlebnis – und der ESC-Auftritt selbst natürlich sowieso.
LWZ: Woher nehmen Sie die Inspiration für Ihre Musik?
Harris: Von überall. Die Idee zu „Rockstars“ habe ich zum Beispiel durch ein Zitat aus der Serie „The Office“ bekommen, worüber ich intensiv nachgedacht habe. Es kann aber auch andere Musik, ein Poetry-Slam oder eine Geschichte, die mir erzählt wird, sein. Ich habe auch vielen Familienmitgliedern Songs gewidmet. Meistens schreibe ich über Erlebnisse und Emotionen, die ich selbst erlebt habe.
LWZ: Wie kann man sich den Weg von einer Idee zum fertigen Song vorstellen?
Harris: Zunächst setze ich mich an die Gitarre oder ans Klavier und spiele Akkorde vor mich hin. Dann spiele ich sie mit der Loop-Station immer wieder und summe dazu. Irgendwann macht es Klick und ich habe plötzlich eine Melodie. Dann singe ich einen – wie ich ihn nenne – „Spaghetti-Text“, der keinen Sinn ergibt, aber das Gerüst bildet. Oft sind darin jedoch schon Worte wie „Rockstars“ vertreten. Durch diesen ergibt sich auch oft das Thema des Liedes. Daraufhin setze ich mich an den eigentlichen Text und produziere das Lied im Studio, wo ich sowieso praktisch lebe. Manchmal dauert die Produktion mehrere Wochen, da ich gerade beim Text und der Phonetik sehr detailverliebt bin. Dann lege ich es zur Seite, mache etwas Anderes und wenn ich es nach einiger Zeit immer noch gut finde, wird es von Universal vorbereitet und hochgeladen.
LWZ: Was ist Ihnen bei Ihrer Musik wichtig, was möchten Sie vermitteln?
Harris: Für mich muss Musik immer persönlich sein. Ich habe schon früh gespürt, was für eine Kraft Musik zur Ablenkung beim Hören, aber auch beim selbst Musizieren hat. Wir alle haben mit Problemen zu kämpfen, oftmals sogar mit ähnlichen. Durch meine Musik möchte ich meine Gedanken teilen und das Gefühl vermitteln, dass wir nicht allein sind mit dem, was uns gerade belastet. Deshalb habe ich ursprünglich mit der Musik angefangen – und ich möchte auch heute noch Geschichten erzählen und Emotionen auslösen.
LWZ: Bald sind Sie auf Tour – am 22. März auch in Bad Salzuflen. Was bedeutet es Ihnen, live zu spielen?
Harris: Das ist das allerbeste Gefühl, ich bin absoluter Live-Musiker! Ich brauche die Energie der Leute und bin auch bei meinen Konzerten sehr interaktiv. Schön ist es auch, in die Gesichter zu schauen und zu wissen, dass mein Lied Tausend verschiedene Geschichten erweckt und Gefühle auslöst – das ist unfassbar. Zudem liebe ich es, neue Orte durch die Musik kennenzulernen. Zum Beispiel bin ich im März zum ersten Mal in Bad Salzuflen, ich breite mich aber nicht groß vor, da ich den Ort und die Menschen dort live erleben möchte. Für mich beschreiben sich Orte durch die Menschen sowie deren Reaktionen zur Musik – die darf ich durch die Tour kennenlernen. Ich freue mich schon sehr auf das Konzert sowie den anschließenden Austausch am Merch-Stand.
LWZ: Was sind Ihre Ziele und Projekte für die Zukunft?
Harris: Ich habe seit Jahren ein spezifisches Bild in meinem Kopf – was ich auch ganz wichtig finde, um sich Träume wirklich zu erfüllen. Irgendwann möchte ich auf Welttournee sein und in großen Open-Air-Stadien ganz weit weg von zu Hause spielen. Wenn ich mir vorstelle, wie ich die ersten Töne anspiele, das Publikum den Song sofort erkennt und mitsingt, kriege ich immer wieder Gänsehaut. Dafür lohnt es sich, jeden Morgen aufzustehen!
Das Interview führte Alina Knoerich.
Die LWZ verlost 3×2 Eintrittskarten für das Konzert von Malik Harris am Freitag, 22. März, um 20 Uhr, in Bad Salzuflen. Um an der Verlosung teilzunehmen, gilt es die folgende Frage zu beantworten und die korrekte Lösung per E-Mail mit dem Stichwort „Malik“ an gewinnspiel@lwz24.de zu schicken: In welchem Jahr nahm Malik Harris am Eurovision Song Contest teil? Einsendeschluss ist Dienstag, 12. März 2024. Die Gewinner werden per E-Mail benachrichtigt, der Rechtsweg ist ausgeschlossen. Die Karten werden an der Abendkasse hinterlegt.