Gefahr im Kreis Lippe: Invasive Tiere bedrohen heimischen Bestand

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Bürgermeister Mario Hecker (links) und der Sprecher der Hegegemeinschaft Bega, Helmuth Sage, zeigen zwei fast 20 Zentimeter große Signalkrebse aus der Bega. Diese invasive Art ist nicht nur gefährlich für die heimischen Flusskrebse, sondern auch für den Bestand der Bachforelle. Foto: Reiner Toppmöller

Kreis Lippe. Der Bachforelle in den lippischen Gewässern geht es schlecht. Invasive Krebse, wie der Signalkrebs, und die eingeschleppte Schwarzmundgrundel haben keine natürlichen Feinde und sorgen für den desolaten Zustand der heimischen Forelle in den traditionell Salmonidengewässern des Kreises.

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Die Schwarzmundgrundel steht auf der „schwarzen Liste“ der invasiven Arten und wurde erst vor wenigen Jahren über das dichte europäische Verbundsystem von Wasserwegen in Deutschland eingeschleppt. Dort verbreitete sich der Brack- und Süßwasserfisch aufgrund seiner außerordentlichen Reproduktionsrate rasant.

Die Schwarzmundgrundel frisst wirbellose Kleintiere (unter anderem Wasserinsekten, Schnecken, Muscheln), Fischlaich, Fischbrut, aber auch Jungfische. Durch die rasche, explosionsartige Zunahme der Bestände ist die lokale Fischfauna massiv beeinträchtigt worden. Auch die Signalkrebse vermehren sich rasant.

So gehen die Fachleute nach einer Bereisung im Unterlauf der Bega davon aus, dass es dort allein im Stadtgebiet von Bad Salzuflen circa zehn Tiere pro Quadratmeter gibt. Dieser invasive Krebs frisst nicht nur den Laich und heranwachsenden Nachwuchs der Bachforelle, wie die Schwarzmaulgrundel auch, er verbreitet auch die Krebspest, die die heimischen Flusskrebse nicht überleben.

Als dritte Komponente kommt noch das explosionsartige Auftauchen von Kormoranen an den Gewässern dazu. Die heimische Artenvielfalt in und an der Bega, als Synonym für alle anderen Bäche und Flüsse, wird aber auch bedingt durch urbane und industrielle Umweltverschmutzungen und landwirtschaftlicher Erosionen bei Regenereignissen weiterhin abnehmen. Da sind sich die Vertreter der Angelvereine und Pächter der Gewässer sicher.

Deshalb wurde das Thema unlängst auf einer Sitzung des Hegerings Bega im Kalletaler Rathaus deutlich thematisiert. Dazu waren auch die politischen Vertreter der anliegenden Kommunen und die Vertreter des Kreises sowie der Bezirksregierung eingeladen.

Zum Bedauern des Sprechers der Hegegemeinschaft, Helmuth Sage, hatten die Vertreter der Oberen Fischereibehörde, des Unteren Naturschutzes und der Unteren Fischerei Behörde des Kreises aber abgesagt. So konnte die Gemeinschaft neben dem Fischereiberater des Kreises Lippe Klaus Zumhasch nur Bürgermeister Mario Hecker aus dem Kalletal als Transporteur ihres Anliegens in die Bürgermeisterkonferenz begrüßen.

Nach Auffassung der Mitglieder der Hegegemeinschaft gehöre zur Biodiversitätsstrategie des Kreises Lippe die Belange der Fischerei dazu. Das Einsetzen von Millionen von künstlich befruchteten Fischeiern habe keinen Sinn, wenn die Gewässerläufe weiter verschlammen oder die invasiven Tiere weiter zunehmen. Die Bachforelle steht seit Januar auf der Roten Liste und ist vom Aussterben bedroht.

„Wenn es keinen Sinn mehr ergibt, Forellenlaich beziehungsweise Forellenbrut einzubringen, was auf natürliche Weise schon längst nicht mehr vorhanden ist, und Angler keinen Erfolg mehr beim Angeln haben, dann wird es auch niemanden mehr geben, der die Gewässer pflegt“, so Helmuth Sage.

Nach ausgiebiger Beratung wurde deshalb beschlossen, in Zusammenarbeit mit den Landesfischereiverbänden einen Hegeplan zu erstellen und dem Kreis und der Bezirksregierung vorzulegen. Danach soll gemeinsam gehandelt werden.