Klimawandel hautnah erleben: „Klima-Erlebnis-Welt“ in Oerlinghausen eröffnet

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Landrat Dr. Axel Lehmann, Anatoli Oinopolidou (Schülersprecherin der Heinz-Sielmann-Schule Oerlinghausen), Ministerin Mona Neubaur, Josef Wegener (Bezirksregierung Detmold) und Dr. Ute Röder (Verwaltungsvorstand II, Kreis Lippe, von links) drücken vor dem großen Globus in der „Klima-Erlebnis-Welt“ auf den Eröffnungs-Buzzer. Foto: Kreis Lippe

Kreis Lippe/Oerlinghausen. Der Kreis Lippe hat mit der „Klima-Erlebnis-Welt“ in Oerlinghausen ein neues und modernes Angebot geschaffen, das Umweltbewusstsein einerseits und das Bedürfnis naturnaher Freizeitgestaltung andererseits miteinander verknüpft und die daraus entstehenden Synergien touristisch nutzt. Die Einrichtung wurde nun offiziell von Landrat Dr. Axel Lehmann, Ministerin Mona Neubaur und weiteren Beteiligten eröffnet.

Seit Sonntag, 5. Mai, können sich dort Besucher über den Klimawandel und Klimafolgen in der Gegenwart und Zukunft informieren und selbige erleben. Mit diesem inhaltlichen Fokus besitzt die „Klima-Erlebnis-Welt“ nach Aussage des Kreises Lippe ein einzigartiges Alleinstellungsmerkmal.

„Der Kreis Lippe beschäftigt sich schon länger damit, wie wir die Region gegen die Folgen des Klimawandels stärken können. Für uns ist dabei ganz klar, dass wir die Menschen hierbei einbeziehen müssen“, betont Landrat Dr. Axel Lehmann.

„Die Kreisverwaltung sieht sich daher in der Verantwortung, Wissen erlebnisorientiert und leicht verständlich zu vermitteln, zu erklären, warum sich das Klima verändert und wie sich unser Handeln auf einzelne Lebensbereiche auswirkt. Diese Aufgabe erfüllt fortan die ‚Klima-Erlebnis-Welt‘ in Oerlinghausen“, ergänzt er.

NRW-Wirtschafts- und Klimaschutzministerin Ministerin Mona Neubaur sagt: „Der Mensch macht Klima. Was es bedeutet, wenn die Klimaerwärmung sich mit ihrer ganzen Wucht durchgesetzt hat oder wie andere Naturereignisse den Menschen mit ihrer unbändigen Kraft treffen, können die Besucher hier direkt spüren.“

Neubar erklärt weiter: „Es wird hautnah erlebbar: Klimaschutz und Klimafolgen betreffen uns alle. Darum richten wir auch unseren Tourismus stärker darauf aus und machen Nordrhein-Westfalen zum Spitzenreiter für nachhaltigen Tourismus in Deutschland.“

Ausstellung

Die Erlebniswelt bietet den Besuchern ein aktives Mitmacherlebnis aus Simulationen und Experimenten. Der pädagogische Ansatz bezieht dabei verschiedene Alters- und Zielgruppen gleichermaßen ein und geht weit über ein typisches Museumskonzept hinaus.

„Die Besucher begeben sich hier auf eine kurzweilige Reise durch unsere ‚Klimageschichte‘, lernen verschiedene Klimaszenarien kennen und erfahren, welche Auswirkungen unsere Handlungen haben“, beschreibt Olrik Meyer, Fachbereichsleiter Umwelt beim Kreis Lippe, die Ausstellung.

Im Gebäude lassen sich verschiedene Erlebnisräume entdecken. In Raum 2 „Grad-Wanderung“ werden etwa klimatische Veränderungen im Verlauf der Erdgeschichte und der Gegenwart gezeigt. Dort kommt ein Globus mit aufwendigen Projektionen zum Einsatz, den es deutschlandweit insgesamt nur drei Mal zu erleben gibt – in Sinsheim, in Oberhausen und jetzt auch im lippischen Oerlinghausen.

In Raum 3 „Kehrtwende“ sind die Besucher Teil des Geschehens und können aktive Entscheidungen treffen. Sie bestimmen etwa Maßnahmen, die eine Stadt gegen Hitzeereignisse resistent machen, oder regeln den Hochwasserschutz. Dabei werden sie bei wechselnden Extremwetterszenarien mit realen Temperaturextremen und Geräuschen konfrontiert.

„Da weht unseren Gästen schon mal ein wenig mehr Wind um die Ohren oder während der Hitzephasen kann es auch mal spürbar wärmer werden. Highlight sind sicherlich die Wasserwände, die 6.000 Liter Wasser freisetzen – natürlich kreislaufgeführt – und darüber Starkregen simulieren“, verdeutlicht Dr. Ingo Möller, Leiter der Einrichtung.

Gebäude

Die Architektur des Baus und die eingesetzte Technik sind ein erweiterter Bestandteil der Ausstellung. „Das Gebäude beherbergt nicht nur Erlebnisräume, sondern ist an sich selbst schon ein Erlebnisraum“, erklärt Dr. Ute Röder, verantwortlicher Verwaltungsvorstand beim Kreis Lippe.

„Wir haben großen Wert darauf gelegt, dass bei dem Bau hohe Klimaschutz- und Nachhaltigkeitsstandards eingeflossen sind. So können die Besucher direkt vor Ort ein Beispiel für klimaangepasstes Bauen erkunden.“

Errichtet wurde das Gebäude nach Maßgabe des „Cradle to Cradle“-Gedankens in ressourcenschonender Holzbauweise. Bei der auffälligen Fassade kam etwa die japanische Yakisugi-Methode zum Einsatz. Dabei wird das Holz der Weißtanne abgeflämmt und dadurch ganz ohne Chemie haltbar gemacht. Die Dämmung besteht aus Zellulose respektive aus Schaumglasplatten und -schotter, hergestellt aus Altglas. Der Strom wird von einer PV-Anlage auf dem Dach eingespeist. Dachbegrünung und eine Luft-Wasser-Wärmepumpe regulieren auf natürliche Weise die Raumtemperatur.

„Klima-Erlebnis-Welt“ als Baustein des „Urlands“

Die „Klima-Erlebnis-Welt“ komplementiert als dritter Baustein, neben dem Archäologischen Freilichtmuseum und dem Naturschutzgroßprojekt Senne und Teutoburger Wald, das „Urland“.

Das Konstrukt ist eine neuartige Symbiose von Tourismus, Wissensvermittlung und Naturerleben. Dort wird deutlich, wie sich angefangen von der Urzeit über die Gegenwart bis in die Zukunft der Mensch, die Natur und das Klima gegenseitig beeinflussen.

Die in der Erlebniswelt vermittelten Inhalte können in der angrenzenden Landschaft mit dem Naturschutzgroßprojekt und den Bauten im Archäologischen Freilichtmuseum unmittelbar erlebt beziehungsweise erwandert werden. Die Vernetzung sorgt dafür, dass Besucher die gebotenen Informationen weitaus intensiver wahrnehmen.

„Die ‚Klima-Erlebnis-Welt‘ stellt für sich allein schon einen kulturellen Zugewinn für Lippe dar. In Verbindung mit dem ‚Urland‘ wird zudem das erlebnistouristische Profil der Region geschärft. Wir erwarten steigende Besucherzahlen und einen touristischen Imagegewinn, der sich auch wirtschaftlich bemessen lassen wird“, erklärt Günter Weigel, Geschäftsführer der Lippe Tourismus und Marketing GmbH.

Entstehungsgeschichte

In Deutschland gibt es bisher keine Informationsangebote zur Wechselwirkung von Klimageschichte, Landschaft und menschlicher Entwicklung. So entstand ursprünglich beim AFM die Idee, diese Wechselwirkung durch eine inhaltliche Verbindung von verschiedenen Angeboten herauszustellen.

Auf dieser Grundlage – und mit Beschluss des Kreistages im Jahr 2018 – haben der Kreis Lippe und die Lippe Tourismus und Marketing GmbH den Gedanken weiterentwickelt. Die erarbeitete Projektskizze zur „Klima-Erlebnis-Welt“ wurde schließlich bei der Regionale 2022 eingereicht – mit Erfolg. Die Erlebniswelt erhielt einen Förderzuschlag durch Mittel der Bund-/Länder-Gemeinschaftsaufgabe „Verbesserung der regionalen Wirtschaftsstruktur“. Der erste Spatenstich wurde am 5. September 2022 gesetzt. Im April dieses Jahres erfolgte die finale Bauabnahme.

Die „Klima-Erlebnis-Welt“ befindet sich Am Kalkofen 15 in Oerlinghausen und ist dienstags bis sonntags von 10 bis 18 Uhr geöffnet (montags geschlossen). Der Eintritt kostet für Erwachsene 8 Euro, Schüler, Studenten, Rentner und Schwerbehinderte zahlen 6 Euro. Parkplätze sind auf Höhe der Holter Straße 53 ausgeschildert. Mehr Infos finden sich auf der Homepage der Erlebniswelt. (lwz)