EM-Vorschau: DFB-Team möchte Fans „mitreißen und begeistern“

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Die deutsche Nationalmannschaft möchte mit überzeugenden Leistungen Euphorie im Land auslösen. Foto: Pixabay

Herzogenaurach. Bald ist es soweit: Am 14. Juni eröffnet die deutsche Fußball-Nationalmannschaft mit dem ersten Gruppenspiel gegen Schottland ihre Heim-Europameisterschaft in der Allianz-Arena in München. Nach den enttäuschenden Ergebnissen der vergangenen drei Großereignisse hofft das Team um Bundestrainer Julian Nagelsmann nicht nur darauf, gute Resultate zu erzielen, sondern vor allem, eine Begeisterung im Land zu entfachen.

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Neben den zuletzt erfreulichen Ergebnissen der Nationalmannschaft im März – als sie 2:0 gegen den amtierenden Europameister Frankreich und 2:1 gegen die Niederlande gewinnen konnte – sorgte unter anderem auch die unkonventionelle Kaderbekanntgabe durch verschiedene Medien, Promis und Fans für etwas EM-Euphorie im Land. „Das ist eine super Truppe – könnte von mir sein. Ist aber unser Kader“, erklärt der Bundestrainer und wünscht sich: „Es soll sich jeder im Land damit identifizieren.“

Musiala und Wirtz – Mit den Youngstern zum Erfolg?

Die große Hoffnung auf ein erfolgreiches Turnier liegt vor allem auch auf den Schultern von zwei Youngstern: Jamal Musiala (FC Bayern München) und Florian Wirtz (Bayer 04 Leverkusen). Die 21-Jährigen sind mit einem Marktwert von jeweils 110 Millionen nicht nur finanziell und auf dem Papier besonders wertvoll, sondern vor allem auf dem Platz, wo sie einen großen Anteil am Erfolg ihrer Vereine zu verbuchen haben.

Wirtz verpasste in der vergangenen Saison lediglich zwei Bundesligaspiele für die Werkself, die sich als erste deutsche Mannschaft überhaupt ungeschlagen den Meistertitel sichern konnte und zudem im Finale des DFB-Pokals sowie der Europa-League steht. Der offensive Mittelfeldspieler erzielte in der Bundesliga elf Tore und gab zwölf Vorlagen und wurde als „Bundesliga-Spieler der Saison“ ausgezeichnet.

Auch auf Musiala, der schon 2022 mit nur 19 Jahren bei der missglückten WM in Katar als einer der wenigen Lichtblicke galt, sowie zum Nationalspieler des Jahres 2022 gekürt wurde, liegen die Hoffnungen vieler Fans und Experten. Mittlerweile ist der Offensivspieler nicht nur unumstrittener Stammspieler beim FC Bayern München, sondern schoss seinen Verein auch in der Saison 2022/23 zum Meistertitel. Zudem wurde er Zweiter bei den Golden-Boy-Awards 2023. Trotz einiger verletzungsbedingter Ausfälle gelangen Musiala in dieser Bundesliga-Saison 16 Scorerpunkte in 24 Einsätzen.

Die richtige Mischung aus Erfahrung und Euphorie

Ein weiterer Hoffnungsträger ist Rückkehrer Toni Kroos. Als einer von nur drei Spielern im aktuellen DFB-Kader lief der 34-Jährige bereits mehr als 100-mal für den DFB auf und ist der einzige Deutsche, der bereits fünfmal die Champions League gewinnen konnte.

Der Weltmeister von 2014 hatte nach dem EM-Aus 2021 seinen Rücktritt aus der Nationalmannschaft bekannt gegeben, nahm die Einladung im März 2024 jedoch an, um sich den Traum vom einzigen Titel, den er in seiner Karriere noch nicht gewonnen hat, zu erfüllen – dem EM-Titel.

Nach der Heim-EM beendet Kroos seine Fußballkarriere, für deren Abschluss er sich Großes vorgenommen hat: „Ich habe mir zum Abschied überlegt: Champions League und EM-Titel. Das haben wir jetzt so beschlossen.“ Gemeinsam mit anderen Routiniers wie Thomas Müller (128 Spiele) und Manuel Neuer (117 Spiele), gilt es für Kroos, die Mannschaft mit seiner Erfahrung zu führen.

Neben den Torhütern Oliver Baumann und Alexander Nübel stehen auch Stürmer Maximilian Beier sowie Mittelfeldspieler Alexandar Pavlovic im vorläufigen EM-Kader – ohne bisher ein Länderspiel absolviert zu haben.

Besonders letzterer machte in den vergangenen Monaten mit einem Senkrechtstart auf sich aufmerksam. Nachdem der 20-Jährige im Oktober 2023 noch in der Regionalliga für Bayern II aufgelaufen war und im selben Monat sein Profi-Debüt gegeben hatte, erhielt er im November bereits einen Profi-Vertrag. Im Januar 2024 erzielte er sein erstes Profi-Tor. Im März folgte schließlich die Einladung zum DFB, die er aufgrund einer Mandelentzündung jedoch nicht wahrnehmen konnte.

Aufgrund seiner starken Leistungen entschied sich Nagelsmann jedoch trotzdem dazu, den Youngster für den vorläufigen EM-Kader zu nominieren. Pavlovic kam in 18 von möglichen 28 Spielen zum Einsatz und steuerte vier Torbeteiligungen bei. Besonders beeindruckend ist jedoch seine Passquote: Mit 97,5 Prozent angekommener Pässe kann der Münchner die beste Passquote der Bundesliga vorweisen. Somit konnte Pavlovic auch seinen Marktwert innerhalb weniger Monate von zwei Millionen (Dezember 2023) auf 25 Millionen (März 2024) Euro erhöhen.

Countdown bis zur Heim-EM

Um sich optimal auf das Turnier vorzubereiten, zieht die deutsche Nationalmannschaft – zunächst ohne die Teilnehmer des Champions-League und Europa-League-Finals – vom 26. bis 30. Mai ins Trainingslager nach Blankenhain (Thüringen) und ab dem 31. Mai ins EM-Quartier nach Herzogenaurach.

Am Montag, 3. Juni, (20.45 Uhr, ARD) und am Freitag, 7. Juni, (20.45 Uhr, RTL) finden die letzten beiden Testspiele gegen die Ukraine sowie Griechenland statt. Die Mitteilung des finalen EM-Kaders an die UEFA erfolgt ebenfalls am 7. Juni.

Eine Woche später wird es schließlich ernst für die deutsche Auswahl, denn das Ziel ist klar: Die Heim-EM mit einem überzeugenden Sieg gegen die Schotten eröffnen und die EM-Euphorie endgültig entfachen.


Faktencheck

Trainer: Julian Nagelsmann
EM-Teilnahmen (inklusive 2024): 14
Europameistertitel: 1972, 1980, 1996
Platzierung bei letzter EM-Teilnahme: Vorrundenaus
Weltranglistenplatz: 16
Marktwert (laut Transfermarkt.de, Stand 21. Mai 2024): 799 Millionen Euro
EM-Quartier: Herzogenaurach
Vorrundengegner: Schottland (14. Juni, 21 Uhr, München), Ungarn (19. Juni, 18 Uhr, Stuttgart), Schweiz (23. Juni, 21 Uhr, Frankfurt)