„Zoo auf Rädern“: Erinnerungen an Lemgoer Schaustellerfamilie Friese

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Freude über die Sonderausstellung der Schaustellerfamilie Friese: (von links): Museumsleiter Fabian Schröder, Leni Schmidt-Friese und Dr. Sonja Girod (VHS Detmold-Lemgo). Foto: Andreas Leber

Lemgo. In Lemgo sind einige renommierte Schaustellerfamilien ansässig, darunter die Familie Friese. Die Volkshochschule Detmold-Lemgo und das Stadtarchiv haben der Familie Friese daher im vergangenen März eine Ausstellung im Haus Wippermann gewidmet.

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Informative Tafeln mit zahlreichen Schwarz-Weiß-Fotografien beleuchteten darin die fesselnde Geschichte der Familie und berichteten aus dem Leben als Schausteller. Auf den von Martin Emrich (Büro für Design) entworfenen großen Tafeln waren auch viele Fotos aus dem privaten Archiv der Familie Schmidt-Friese zu sehen.

Dora Friese führte im 19. Jahrhundert ein aufregendes Leben, reiste von Ort zu Ort und hatte sogar Auftritte im Ausland. Ihre elegante Art, mit Raubtieren umzugehen, zog die Zuschauer in ihren Bann. Sie begeisterte sogar den Zaren von Russland und übernahm nach dem frühen Tod ihres Mannes Emil im Jahr 1927 die Leitung der Familienunternehmung.

Das Winterquartier der Familie war stets der Schützenplatz in Lemgo, wo sie in einem großen Wagen lebten. Eine besondere Begebenheit änderte dies, wie Enkelin Leni Schmidt-Friese erzählte. Ihre Großmutter Dora hatte einem Freund Geld geliehen, das dieser nicht zurückzahlen konnte. Da er mehrere Häuser in Lemgo besaß, erwarb die Familie Fiese im Jahr 1916 auf diese Weise ihr festes Winterquartier am „Hohen Wall“.

Seitdem hörte man dort immer wieder das Brüllen von Löwen, aber auch andere Raubtiere wie Eisbären, Krokodile und Schlangen fanden dort ein Zuhause. Die Dompteuse hielt sie in Käfigen auf dem Grundstück, im Garten oder sogar im Hof, wo ein großes Becken zum Baden errichtet worden war. Ihre Eltern waren oft als Schausteller unterwegs, daher wuchs sie bei ihrer Großmutter auf, erinnert sich Leni Schmidt-Friese. Sie lebt noch heute in dem Haus und hatte sich schon im vergangenen Jahr über die Ausstellung gefreut.

Das Haus der Familie Friese am Hohen Wall. Foto: Andreas Leber

Leider war die Ausstellung zunächst nicht für ein breiteres Publikum zugänglich. Daher beschlossen Museumsleiter Fabian Schröder (Hexenbürgermeisterhaus) und Dr. Sonja Girod von der VHS Detmold-Lemgo, sie mit zusätzlichen herausragenden Exponaten in einer Sonderausstellung für alle Lemgoer und Besucher der Stadt zu öffnen. Diese Ausstellung war schließlich von Februar bis Mitte Mai zu besichtigen.

Ihre Großmutter sei eine bemerkenswerte und außergewöhnliche Frau gewesen, betont Leni Schmidt-Friese. Als mutige und entschlossene Raubtier-Dompteuse hatte sie europaweit Auftritte. Ihre Enkelin Kathleen führt die Familientradition mit einem kleinen Getränkewagen bei Kirmesveranstaltungen fort, während ihr Sohn mit einem hochmodernen Schießstand um die Welt reist. Es erfülle sie mit Freude, dass die Schausteller-Gene nun bereits in der achten Generation weiterlebten.

Ein großer Teil des Wohnhauses dient mittlerweile als Lager und beherbergt die zahlreichen Erinnerungen, Utensilien, Bühnenaufbauten und Gerätschaften der Familie.