Adlerwarte Berlebeck: Flugverhalten der Greifvögel wird analysiert

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Symbolbild. Foto: Adobe Stock

Detmold. Seit 85 Jahren ziehen Adler und andere majestätische Greifvögel ihre Flugbahnen über Berlebeck. Aktuell arbeitet die Stadt Detmold gemeinsam mit einem renommierten Tierparkplaner an dem Zukunftskonzept der Adlerwarte Berlebeck. Dazu hat der Stadtrat im vergangenen Jahr die Verwaltung einstimmig beauftragt und damit ein eindeutiges Bekenntnis zur Adlerwarte abgegeben. Dieses Konzept enthält bauliche Veränderungen, mögliche zusätzliche Attraktionen und beleuchtet auch die Wirtschaftlichkeit. Nunmehr kommt noch ein Projekt zur Erforschung des Flugverhaltens der Vögel hinzu.

Denn parallel muss der Kreis Lippe nach dem Urteil des Oberverwaltungsgerichts Münster die Genehmigungsfähigkeit von sieben Windenergieanlagen (WEA) auf der Gauseköte prüfen. Dazu hat der Kreis jetzt das notwendige Genehmigungsverfahren in Gang gesetzt. Federführend in diesem Verfahren ist nicht die Stadt Detmold, sondern die Zuständigkeit liegt allein beim Kreis Lippe unter Beachtung des neuen „sachlichen Teilplans Wind“ für Ostwestfalen-Lippe, der aktuell von der Bezirksregierung aufgestellt wird. „Wir als Stadt Detmold werden dazu nur angehört“, erläutert Bürgermeister Frank Hilker.

Um mögliche Konflikte der Windräder mit dem Betrieb der Adlerwarte sachlich orientiert beurteilen zu können, hat der Detmolder Stadtrat in seiner jüngsten Sitzung am Donnerstag, 20. Juni, mit breiter Mehrheit einem deutschlandweit bisher einmaligen Forschungsprojekt zugestimmt. Über einen Zeitraum von einem Jahr soll das Flugverhalten der Greifvögel der Adlerwarte ermittelt werden. Ziel ist, die bisher ausschließlich von Mutmaßungen und Spekulationen geprägte Debatte über mögliche schädliche Auswirkungen von Windrädern auf die Vögel mit einer belastbaren und seriösen Faktenbasis zu versehen.

Die öffentlich geäußerten Befürchtungen nimmt die Stadt Detmold ernst, denn die Adlerwarte Berlebeck gehört nicht nur zu den beliebtesten zoologischen Anlagen Deutschlands, sondern ist ein wesentlicher Ankerpunkt für den Artenschutz und gleichzeitig eine große Tourismusattraktion. Bürgermeister Frank Hilker: „Deshalb werden wir die Debatte vom Kopf auf die Füße stellen und in einem umfangreichen Forschungsprojekt eine objektive Grundlage dafür legen, ob und wie die Windkraft mit dem Betrieb der Adlerwarte vereinbar ist.“

Konkret ist vorgesehen, die Greifvögel der Adlerwarte mit Sendern auszustatten, die die Tiere nicht beeinträchtigen. Damit kann ihr Verhalten in den Trainingsflügen und den Freiflugvorführungen ermittelt werden– und zwar zu verschiedenen Tages- und Jahreszeiten sowie bei verschiedenen Wetterverhältnissen. Aufgrund seiner Einmaligkeit fließt das Projekt auch in die überregionale Forschung zu Auswirkungen von WEA auf Greifvögel ein.

Noch einmal Bürgermeister Frank Hilker: „Durch die sehr gute Vernetzung des Tierparkplaners, insbesondere auch mit wissenschaftlichen Instituten wie dem Max-Planck-Institut, hat sich die Möglichkeit ergeben, diese wichtige zoologische Grundlagenarbeit für die weiteren Planungen der Adlerwarte zu leisten. Wir tragen die Verantwortung für eine zukunftsfähige Entwicklung der Adlerwarte und das auf der Basis klarer Fakten statt Befürchtungen“, betont Frank Hilker.