„Insolvenzdruck auf Klinikum Lemgo ist Unsinn“: Bürgermeister stellen sich gegen Landrat

427
Das Klinikum Lemgo kommt nicht aus den Schlagzeilen. Foto: Kreis Lippe

Kreis Lippe. Nachdem Aufsichtsrat und Gesellschafterversammlung des Klinikums in der vergangenen Woche nach einer Mitteilung des Kreises wichtige Grundsatzentscheidungen zur Konsolidierung und Neuausrichtung des Klinikums Lippe getroffen haben, waren Landrat Dr. Axel Lehmann und der Geschäftsführer des Klinikums Lippe, Johannes Hütte, am Freitag, 11. Oktober, im Gesundheitsministerium in Düsseldorf.

Dort stellten sie ihre Pläne für die zukünftige Ausrichtung des Klinikums und damit wohl auch das faktische Aus des Krankenhauses in Lemgo vor. Wie nach dem Besuch aus dem Ministerium zu hören ist, war man über die Vorstellungen der beiden verantwortlichen Lipper „not amused“. Vielmehr habe man darauf hingewiesen, dass der Kreis Lippe als zweitbevölkerungsreichster Kreis in OWL durchaus Platz für zwei Krankenhäuser habe und die „Probleme“ wohl eher hausgemacht seien.

Die vom Landrat immer wieder angesprochene Situation der Krankenhäuser in Deutschland und die drohende Insolvenz des Lemgoer Hauses wird auch von den vier Bürgermeistern aus Lemgo, Dörentrup, Barntrup und Extertal seit einiger Zeit infrage gestellt.

Alle vier Bürgermeister sind der Meinung, dass die Bürger es von ihnen erwarten würden, dass sie um das Krankenhaus in Lemgo kämpften, dazu hätten sie auch den Auftrag aller Fraktionen aus ihren Räten.

In einem exklusiven Gespräch mit der LWZ fordern die Bürgermeister zum wiederholten Mal, dass der Kreis mit ihnen sprechen möge. „Der öffentlich aufgebaute Insolvenzdruck ist Unsinn“, betont der Dörentruper Bürgermeister Friso Feldink.

„Wenn der Landrat jetzt auf die steigende Kreisumlage hinweist, so kann man dazu nur sagen, die finanzielle Unterstützung der Kommunen ist auf jeden Fall gegeben. Wenn die Kreisumlage jedoch nur für das Detmolder Haus kommt, dann ist es nur für die halbe Zahl der Einwohner. Denn die andere Hälfte muss sich dann nach den Vorstellungen des Landrates außerhalb des Kreises orientieren“, erklärt Frank Meier aus Extertal.

Lemgos Bürgermeister Markus Baier und der Barntruper Bürgermeister Borris Ortmeier weisen darauf hin, dass aus dem Ministerium in Düsseldorf noch kein Signal gekommen sei, das Haus in Lemgo zu schließen. Vielmehr rechne man mit Zustimmung für ihr Anliegen, das Haus zu erhalten.

„Es geht hier um tiefgreifende Veränderungen. Wir gehen davon aus, dass dies schon langfristig vom Kreis vorbereitet wurde. Man lässt das Haus und damit die Mitarbeiter einfach so vor die Wand fahren. Es geht nicht nur um betriebswirtschaftliche Fragen, sondern um Daseinsvorsorge“, so Markus Baier.

„Lippe hat Platz für zwei Krankenhäuser, und der Landrat sowie der Geschäftsführer haben noch bis vor kurzem gesagt, es gäbe keine Veränderung. Aber, die Geschäftsleitung hat es immer wieder geschafft, Lemgo in jeder Beziehung schlecht dastehen zu lassen“, ergänzt Borris Ortmeier aus Barntrup.

Die Bürgermeister bemängeln, dass es überhaupt keine Kommunikation zwischen ihnen und dem Landrat gebe. Das viel zitierte „Berger-Gutachten“ sei ihnen bis heute nicht vorgelegt worden. „Uns fehlen ehrliche Informationen. Wir sind involviert und müssen informiert werden“, sagt Friso Veldink.

Bemerkenswert sei für sie, dass jetzt über den zusätzlichen Erwerb des Finanzamtes in Detmold gesprochen werde, um das Krankenhaus dort zu erweitern. Bemerkenswert sei für sie auch, dass der Kalletaler Bürgermeister Mario Hecker sich nicht auf ihre Seite stelle.

Er habe die Diskussion um das Haus vor Monaten nicht nur in die Öffentlichkeit gebracht, sondern sich vor wenigen Tagen öffentlich auch dahingehend geäußert, dass er dazu alles gesagt habe, seine Bürger ohne Probleme in wenigen Minuten nach Herford oder Rinteln fahren könnten und alle Bemühungen um Lemgo zwecklos seien. Seine Interessen liegen, wie die LWZ bereits berichtete, auf seinem geplanten MVZ.

„Deshalb beteiligt er sich auch nicht an unseren Bemühungen, obwohl das halbe Kalletal Interesse am Erhalt des Krankenhauses in Lemgo haben müsste“, sagt Markus Baier.