B239 in Lage: Es musste erst etwas passieren, bevor etwas passiert.

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Linkes Bild: So wird ein Schuh draus. Keine Einladung mehr zur riskanten Passage an der Kreuzung Ostring/Detmolder Straße, sondern ein klares, unmissverständliche No-Go-Signal. Rechtes Bild: Warum versperrt diese überflüssige Warnbarke an der Kreuzung Friedrich-Wienke-Straße immer noch die rechte Fahrbahn und zwingt Autofahrer, nach links in den Gegenverkehr auszuweichen und dann auch noch durch einen weiß schraffierten Sperrbereich zu tunneln? Fotos: Gärtner

Die Beschilderung an der Baustelle B239 ist verändert worden. Das größte Gefahrenrisiko ist an der Kreuzung Detmolder Straße/Ostring damit beseitigt: mit Hilfe eines unmissverständlich massiven Einfahrtverbots und Sperrung der Linksabbieger-Spur im Ostring. Dennoch beurteilt B239-Anlieger Tobias Hempelmann die jetzt erreichte Lösung als unzureichend.

Gleichgültigkeit und Einsicht

Wer das jetzt installierte Einfahrt-Verbot in die B239 an der Kreuzung „Holz Speckmann“ ignoriert, spielt mit seinem Leben und kann sich nicht herausreden, von einer bizarren Baustellen-Beschilderung irregeführt worden zu sein. Das war bis Donnerstag der Fall, als drei Schilder hintereinander – wie seit Wochen – mit der Aufschrift „frei bis Dieselstraße“ suggerierten, man könne in die B239 an der Kreuzung Ostring einfahren, zumal die Baustellen-Warnbarke seltsam an den Straßenrand versetzt war und die Fahrbahn Richtung Sülterheide/Dieselstraße zum Befahren frei gab.

Wer da jetzt immer noch reindüst, weiß, was er tut, und ist schlicht ein Kamikaze-Fahrer. Anlieger Tobias Hempelmann hat beobachtet, dass es solche Zeitgenossen gibt. Ihnen ist jedoch nicht zu helfen. Eine Station vorher – vom Marktkauf-Kreisel aus gesehen – besteht die Verführung zum Verstoß gegen die Straßenverkehrsordnung unvermindert fort.

Hat ausgedient, nachdem es wochenlang die Autofahrer irregeführt hat: das „Einfahrt verboten“-Schild in Kombination mit dem Hinweis: „frei bis Dieselstraße“.

Zwar ist die Einladung „frei bis Dieselstraße“ verschwunden, aber die Warnbarke blockiert immer noch so unnötig wie gefährlich die Fahrbahn in Höhe der Kreuzung Friedrich-Wienke-Straße. Dadurch werden Autofahrer in Richtung Ostring gezwungen, das Verkehrshindernis zu umfahren, eine quer schraffierte No-Go-Zone zu passieren und Tuchfühlung mit dem Gegenverkehr in Richtung Marktkauf-Kreisel zu riskieren. Tobias Hempelmann ist der Ansicht, dass die großräumige Verkehrslenkung nach wie vor sehr zu wünschen übrig lässt.

KOMMENTAR

Und wieder einmal hat sich der Erfahrungssatz bewahrheitet: „Es muss erst was passieren, bevor etwas passiert.“ Tatsächlich war der Unfall am Mittwoch an  der Kreuzung Detmolder Straße/Ostring ein deutlicher Warnschuss. Es blieb bei einem ärgerlichen Blechschaden, den die Unfallbeteiligten unter sich geregelt haben. Was aber, wenn es zu einem schlimmen Personen-Schaden gekommen wäre? Dann hätte das peinliche „Schwarze-Peter-Spiel“ der Schuldzuweisungen zwischen Stadt, Polizei und Baufirma ein schmerzliches Ende gefunden.

Tatsächlich haben lage-aktuell.de und die Lippische Wochenzeitung (LWZ) wiederholt auf den Missstand einer verfehlten Baustellen-Beschilderung und die damit verbundene Unfall-Gefahr hingewiesen. Lange Zeit kein Grund für die Baufirma, die Stadt oder auch die Polizei, etwas zu unternehmen. Zur Ehrenrettung der Ordnungshüter sei daran erinnert, dass die Polizei anfangs, im Januar, als die Baustelle zum ersten Mal halbseitig gesperrt wurde, das Verhalten der Autofahrer kontrolliert und in drei Stunden 45 Strafanzeigen geschrieben hat. Angesichts dieses Befundes hätten die Alarmglocken schon schrillen müssen. Aber dann wurde ja über verschiedene Varianten der Baustellen-Gestaltung ziemlich ergebnislos diskutiert.

Trotzdem: Warum hat sich die Stadt in ihrer Reaktion so ignorant gezeigt und gar nichts unternommen? Das können wir uns an einem Beispiel aus dem Physikunterricht klar machen. Schwere Körper haben eine große träge Masse und reagieren deshalb auf Richtungsveränderungs-Impulse nur widerstrebend. Man kann die Verwaltung eher mit einem 30-Tonnen-Lkw vergleichen als mit einem Smart. Und deshalb kann sie sich auch nicht smart bewegen.

Dieses Argument findet Tobias Hempelmann nicht stichhaltig. Er sieht an der Baustelle, die mittlerweile ein Vierteljahr vor sich hindümpelt, ohne dass Anstalten zur geplanten Verlegung von Glasfaserkabeln getroffen würden, eine gewaltige „Verschwendung von Steuergeldern“. Damit trifft er einen wunden Punkt: Eine Stadt, in deren Haushaltsplan 2025 ein Finanzloch von rund 13 Millionen Euro zwischen Einnahmen und Ausgaben klafft und die 10 Millionen Euro neue Schulden aufnehmen muss, um irgendwie über die Runden zu kommen: eine solche Stadt  kann sich die Verschwendung von „ein paar Tausendern“ nicht leisten. Dabei  geht’s weniger um die Pinunse, als um die Einstellung, die dahinter zum Vorschein kommt. „Hau weg den Scheiß“, könnte man böswillig formulieren.

Das ist der erste Widerspruch: Geld nicht haben, aber das Wenige ungerührt verplempern. Der zweite Widerspruch: in das „Blitzer“-Kartell der Stadt Detmold einsteigen, um die „vulnerable Gruppe“ von Fußgängern, Radfahrern und Senioren zu schützen, aber sich um die Sicherheit der Autofahrer auf den großen Straßen keine Gedanken machen.

Nun denn, es gibt Hoffnung: Vielleicht führt die nahende Kommunalwahl im September mit Blick auf die politische Konkurrenz zu mehr nachdenklichem Verhalten. Ich meine, man sollte das Prädikat der „autofahrerfreundlichen Stadt“, das Lage sich im auslaufenden 20. Jahrhundert mit Ideen-Reichtum und viel Kreativität erworben hat – zum Beispiel mit einem tollen, kostenfreien Park-Angebot überall in der City – jetzt nicht mutwillig zerstören, nur weil das Lastenfahrrad plötzlich attraktiv erscheint. So etwas kann sich ganz schnell wieder ändern.