
Kreis Lippe. Willkommen zurück im Klassenzimmer – und auf der Rennstrecke! Gleich am ersten Schultag verwandelten 122 Autofahrer die Straßen vor lippischen Schulen in eine Mischung aus Nürburgring und Handy-Messe. Mit dabei: etliche Eltern-Taxis, die ihre Kinder offenbar nur mit einem kleinen Adrenalinschub in die Klasse bringen können. Besonders pädagogisch wertvoll: Auch eine Lehrerin rauschte zu flott vorbei – vermutlich wollte sie pünktlich zur Stunde „Verkehrserziehung“ erscheinen.
An der Grundschule Wasserfuhr in Bad Salzuflen blitzte es am Mittwoch häufiger als auf einer Hochzeit in Las Vegas: 97 Mal löste der Kasten aus. In Detmold-Klüt ignorierten fünf Fahrer die rote Ampel – für manche scheint Rot eben nur die Farbe der Wahlkampagnenplakate zu sein. Zwei weitere lenkten ihr Auto mit einer Hand und das Handy mit der anderen – echte Vorbilder für die Generation „Immer online“.
Die Polizei zeigte sich bemüht höflich und appellierte: „Bitte fahren Sie aktuell rund um Schulen besonders aufmerksam.“ Zwischen den Zeilen hieß das: Liebe Autofahrer, Grundschüler sind keine Verkehrshütchen und Zebrastreifen kein Catwalk für Ihre PS-Protzerei.
Da sich pädagogische Maßnahmen wie „Ermahnungen“ und „gesunder Menschenverstand“ erfahrungsgemäß nicht flächendeckend durchsetzen, bleibt die Polizei auch in den nächsten Tagen am Start. Vielleicht merken dann auch die schnellsten Eltern-Taxis: Nicht jedes Kind muss mit Highspeed direkt ins Klassenzimmer katapultiert werden.
Man kann durchaus etwas daraus lernen: Nicht die lautesten Rufer nach „mehr Geschwindkeitskontrollen zum Schutz der vulnerablen Gruppen unter den Verkehrsteilnehmern“ sind selbst die umsichtigsten Fahrer. Und mitunter zählt „pünktlich ankommen“ mehr als „sicher ankommen“.