Die Modell-Bundesbahn-Inszenierung in Brakel thematisiert auch Verkehrsprobleme im Vorfeld des Schienenverkehrs. Fotos: Jörn Fries

Brakel/Kreis Höxter. Wer glaubt, dass Züge nur von A nach B fahren, war noch nie in der Modellbundesbahn in Brakel. Hier fahren sie von „Achtung!“ nach „Guck mal, wie süß!“ – und das im Minutentakt. Auf mehreren hundert Quadratmetern entfaltet sich eine Welt, in der alles perfekt ist: Die Züge sind pünktlich, die Landschaft gepflegt und es gibt Baustellen, die tatsächlich irgendwann fertig werden. Unrealistisch? Vielleicht. Beeindruckend? Definitiv.


Schon beim Betreten der Ausstellung wird klar: Hier herrscht absolute Kontrolle im Maßstab 1:87. Ganze Städte liegen ordentlich nebeneinander, Autos stehen artig im Stau und winzige Menschen gehen ihren Tätigkeiten nach, ohne je zu meckern. Der Traum jedes Verkehrsplaners. Die Modellbundesbahn ist nichts für flüchtige Blicke. Wer hier nur einmal kurz durchläuft, verpasst mindestens 37 liebevolle Details: den Bauarbeiter, der seit Jahren dieselbe Schaufel hält, den Angler ohne Fangglück oder die Kuh, die stoisch auf den nächsten Modellzug wartet. Alles bewegt sich, blinkt, fährt – und das meist zuverlässiger als das große Vorbild. Die Züge gleiten majestätisch durch Tunnel, über Brücken und durch Bahnhöfe, bei denen selbst echte Bahnsteige neidisch werden. Verspätungen? Nur, wenn der Besucher zu lange staunt.

Technik, die begeistert – auch ohne Nerd-Diplom

Hinter der Kulisse steckt feinste Technik: Computersteuerung, ausgeklügelte Elektronik und eine Planung, die vermutlich komplexer ist als so mancher Regionalfahrplan. Aber keine Sorge: Man muss kein Ingenieur sein, um begeistert zu sein. Es reicht völlig, einfach dazustehen und zu sagen: „Ach, guck mal!“ Das tun übrigens alle – unabhängig vom Alter.

Ein Ausflug für die ganze Familie

Ob Eisenbahnfan, Technikliebhaber oder einfach nur neugierig: In Brakel kommen alle auf ihre Kosten. Kinder drücken sich die Nasen an der Scheibe platt, Erwachsene erklären fachkundig Dinge, von denen sie vor fünf Minuten noch nichts wussten, und irgendwo denkt garantiert jemand: „So eine Anlage wollte ich auch mal bauen. Im Keller. Wenn ich Zeit habe. Und Platz. Und Geduld.“

Fazit

Die Modellbundesbahn Brakel beweist eindrucksvoll: Große Begeisterung braucht nicht viel Platz – nur viel Liebe zum Detail. Wer einmal dort war, verlässt die Ausstellung mit einem Lächeln, einem leichten Nacken-Muskelkater vom Dauer-gucken-und-staunen und dem festen Vorsatz, Züge künftig mit ganz anderen Augen zu sehen. Und wenn draußen dann ein echter Zug vorbeifährt und Verspätung hat, denkt man nur:„Tja. In Brakel wäre das nicht passiert.“