Wohnungsnot im Kreis Lippe: Unter anderem durch Sanierungen von Leerständen möchte das Projekt „UrbanPulse_Detmold“ helfen, den Mangel an bezahlbarem Wohnraum zu lindern. (Symbolbild). Foto: Adobe Stock

Kreis Lippe. Die jüngst veröffentlichte Wohnungsmarkt-Untersuchung für den Kreis Lippe macht deutlich, wie groß der Handlungsdruck ist: Rund 7.000 Wohnungen fehlen, gleichzeitig stehen 5.200 Wohnungen seit mehr als einem Jahr leer.


Dieser Widerspruch, Wohnungsmangel auf der einen, ungenutzter Bestand auf der anderen Seite, ist kein neues Phänomen, aber er rückt dringlicher denn je in den Mittelpunkt der öffentlichen Debatte. Während Politik und Verbände vor allem den Neubau in den Blick nehmen, zeigt das Forschungsprojekt und Reallabor „UrbanPulse_Detmold“, dass es eine weitere, oft unterschätzte Stellschraube gibt: die Reaktivierung von Leerstand durch Kooperation.

Allein in der Detmolder Innenstadt liegen nach Projektanalysen rund 19.000 Quadratmeter potenziell nutzbare, aber derzeit ungenutzte Wohnfläche brach. Die Gründe sind vielfältig: Denkmalschutz, hohe Sanierungskosten, unsichere Genehmigungsprozesse oder fehlende Alternativen, die Eigentümer von Leerstand machbare Lösungen aufzeigen. Auch der Blick auf Neubauzahlen zeigt: Schnelle Entspannung ist von dieser Seite kaum zu erwarten.

2025 wurden im ersten Halbjahr lediglich 349 Baugenehmigungen im Kreis erteilt, deutlich weniger als die jährlich benötigten rund 1.360 neuen Wohnungen. Es braucht also Zusatzwege, die schneller wirken, kostengünstiger sind und Ressourcen sparen.
Das Forschungsprojekt und Reallabor „UrbanPulse_Detmold“ – getragen von der Stadt Detmold, der TH OWL sowie den zwei zivilgesellschaftlichen Vereinen „Lippe im Wandel e. V.“ und „Lipper für Lipper@Asphaltexistenzler e. V.“ – verfolgt genau diesen Ansatz. Im Zentrum stehe laut eigener Aussage die Frage: Wie kann bestehender, aber leerstehender Wohnraum gemeinsam, kooperativ und nachhaltig wieder nutzbar gemacht werden?

Das Projekt hat seine Arbeit im Mai 2025 aufgenommen und bringt Eigentümer, Planer, Genehmigungsbehörden, zukünftige Bewohner und lokale Initiativen zusammen. In Beratungsgesprächen und Workshops würden Hürden bei Sanierung und Umnutzung am konkreten Objekt besprochen und gemeinsam tragfähige Modelle entwickelt. Diese basierten auf kooperativen Ansätzen: gemeinsam finanzieren, gemeinsam sanieren, gemeinsam möglich machen. Ein besonderes Augenmerk liege dabei auf der Schaffung von bezahlbarem Wohnraum.

Doch warum wird der Fokus auf den Bestand gelegt? Das Projekt möchte Flächen sparen. Sprich, aktivierte Leerstände verhindern unnötige Neuversiegelung. Zudem soll die Innenstadt gestärkt werden. Wieder in Nutzung gebrachte historische Gebäude belebten die Innenstädte und trügen zur Identität und Attraktivität der Stadt bei.

Auch die soziale Vielfalt stehe im Vordergrund. Gemeinschaftliche Wohnmodelle und flexible Grundrisse würden neue Perspektiven für unterschiedliche Lebensentwürfe bieten. Bewohner hätten ihren privaten Bereich, aber auch gemeinsame Räume für Begegnung, Austausch und Aktivitäten.

Der Klimaschutz sei ebenfalls ein wichtiges Thema. Eine Sanierung spare enorme Mengen grauer Energie. Jeder Neubau binde Ressourcen und erzeuge CO2, das bei Nutzung vorhandener Gebäude vermieden werden könnte.
Gerade weil bundesweit über günstige Kredite, vereinfachte Vorgaben und schnellere Verfahren diskutiert werde, lohne der Hinweis: Diese Instrumente müssten nicht nur den Neubau, sondern auch Sanierungen möglich machen, gerade in Innenstädten mit denkmalgeschützter Bausubstanz.

„UrbanPulse“ will in seiner fünfjährigen Entwicklungs- und Umsetzungsphase zeigen, dass Erleichterungen wie klare, einfachere Verfahren und weniger Bürokratie nicht nur dem Neubau, sondern gerade der Sanierung von Bestandsgebäuden zugutekommen und solche Projekte überhaupt erst möglich machen.

In den kommenden Jahren soll ein erstes kooperativ entwickeltes Wohnprojekt in bestehendem Leerstand entstehen und als Best-Practice-Beispiel dienen. Perspektivisch soll der Ansatz und die Vorgehensweise auf weitere Gebäude und in andere Kommunen im Kreis übertragen werden.

Mehr Informationen und Möglichkeiten zur Mitgestaltung finden Interessierte auf der Homepage des Projekts.