Erste Hilfe gehört zum Lehrplan in der Realschule am Werreanger. Deshalb ist die vom Land geplante Unterrichtung in allgemeiner „Laienreanimation“ keine Zumutung für Lehrer- und Schülerschaft, sondern begeistert begrüßte Ergänzung des Schulcurriculums. Auf das Bild klicken, um es zu vergrößern. Fotos: Jörn Fries

Lage Das Land führt die „Ausbildung in der Reanimation“ verpflichtend in der Sekundarstufe I an weiterführenden Schulen ein. Der entsprechende Erlass wird zum nächsten  Schuljahr wirksam. Die Realschule Lage baut gern die geplante Neuerung in ihr Curriculum ein.


Lage. Mathe, Deutsch, Bio – und jetzt auch: Leben retten. Denn viele Sterbefälle könnten verhindert werden, wenn im Ernstfall nicht nur das Handy gezückt, sondern beherzt gedrückt würde. Und zwar auf den Brustkorb. Frühzeitig. Richtig. Ohne Panik.

Deshalb hat das Land NRW beschlossen: Reanimation gehört künftig in den Lehrplan. Und wird deshalb nicht erst im Erwachsenenleben wirksam, sondern schon ab Klasse 7, also bei den 13-Jährigen. Ab dem Schuljahr 2026/27 lernen Schüler der Jahrgangsstufen 7 bis 9 verbindlich das kleine Einmaleins der Lebensrettung – frei nach dem pädagogisch wertvollen Dreiklang: Prüfen – Rufen – Drücken. Klingt simpel, rettet aber Leben.

An vielen Schulen gibt es „Schulsanitäter“: Das sind speziell ausgebildete „Helfer in der Not“. Eine Selbstverständlichkeit an der Realschule Lage.

Natürlich gibt es an vielen Schulen längst engagierte Schüler-Spezialteams, die bei Notfällen mit Funkgerät oder Handy alarmiert werden – fast wie bei einer Netflix-Serie, nur ohne Abspann. Verdientermaßen. Trotzdem schadet es nicht, wenn auch der Rest der Schülerschaft weiß, was zu tun ist, wenn plötzlich jemand umkippt. Denn Spoiler: Das blanke Überleben ist wichtiger als jede Klassenarbeit. Die lässt sich immer nachschreiben.

Das Ministerium für Schule und Bildung hat den passenden Runderlass („Verpflichtung zur Ausbildung von Schülerinnen und Schülern in Laienreanimation ab Klasse 7“) bereits am 15. Dezember veröffentlicht – quasi als frühes nachhaltiges Weihnachtsgeschenk. Jede Schule darf selbst entscheiden, wie sie die Lebensrettung – vielmehr die Ausbildung dazu –  organisiert. Fest steht nur: Eine Doppelstunde bringt für den Anfang schon eine Menge, um jungen Menschen zu zeigen, wie man mit beiden Händen und etwas Mut zum Lebensretter wird.

Interessiert verfolgen die Lagenser Realschüler die Vorführungen des Spezialisten vom Detmolder Rettungsdienst. Auf das Foto klicken, um es zu vergrößern.

Damit niemand ins kalte Wasser springen muss, gibt es reichlich Unterstützung: Jede Schule erhält zehn Reanimationsphantome – still, geduldig und ausgesprochen leidensfähig. Lehrkräfte können sich per Präsenzveranstaltung oder Video-Kurs vorbereiten. Unterstützt wird das Ganze von Profis: Ärzten, Stiftungen, Hilfsorganisationen und medizinischen Fachgesellschaften. Qualitätssicherung mit System.

Das Ziel ist klar: Wenn mehr Menschen wissen, was bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand zu tun ist, steigen die Überlebenschancen deutlich. Minuten entscheiden – und manchmal eben auch eine gut gepresste Doppelstunde in der Schule.

Kurz gesagt: NRW drückt aufs Tempo. Und diesmal ist das ausdrücklich gut so: In der Lebensrettung macht der Druck den Effekt.

Lebensrettungs-Übung unter möglichst realistischen Bedingungen: Ein Schüler ist auf dem Schulhof zusammengeklappt. Bewusstlos. Die Helferinnen wissen, was zu tun ist, um den Jungen ins Leben zurückzuholen.