Das alte Verwaltungsgebäude der Ziegelei Bergmann: Dort ist das MVZ für das Kalletal entstanden. Foto: Reiner Toppmöller

Kalletal. Das MVZ im Kalletal beschäftigt auch im neuen Jahr die Gemüter. Ohne die sonst übliche Absprache mit den Fraktionen setzt Bürgermeister Mario Hecker eine Sondersitzung nach der anderen an.


Am 31. Dezember 2025 schickte er statt Neujahrsgrüßen eine Einladung zur kommenden Sondersitzung: Am 13. Januar soll nun über die Rechtmäßigkeit des neuen Bürgerbegehrens abgestimmt werden und eine Woche später geht es um die Zu- oder Ablehnung.

Ein einmaliger Vorgang, dass demokratische Beschlüsse gewählter Volksvertreter zum zweiten Mal durch Bürgerbegehren plötzlich auftretender Interessenvertreter geändert werden sollen, und das zu einem Thema, das von Beginn an mit offensichtlich falschen Zahlen und einem zumindest „anrüchigen“ Beschlussgremium zustande kam.

Die SPD hatte, um die Mehrheit im Rat zu behalten und die Fraktion wieder auf Stand zu bringen, dazu einen Ratsherren in die Fraktion geholt, dessen unrechtmäßige Besetzung im Nachhinein festgestellt wurde, aber ohne Folgen blieb – ein Schelm, der Böses dabei denkt.

Hinzu kommt ein Bürgermeister, der anstelle zu vermitteln von Beginn an im „Trumpismus“ anmutenden Politikstil unterwegs ist, um seinen Willen durchzusetzen. Was dazu führte, dass eine MVZ-Mitarbeiterin im Anschluss an die vergangene Ratssitzung im Dezember 2025 auf Facebook Teile des Rates als „Ratten“ bezeichnete und ihr Mann in klassischer AfD-Manier zum Marsch auf den Wohnsitz des CDU-Fraktionsvorsitzenden aufrief.

Fakt ist, es wurde von Beginn an mit falschen Zahlen operiert, auch im ersten Bürgerbegehren. Dostal prognostizierte in seinem Gutachten vom 5. Dezember 2023 Gewinne von 5.000 bis 136.000 Euro in den Jahren 2025 bis 2028. Von der CDU und der UKB von Beginn an in Frage gestellt, basierte hierauf der Ratsbeschluss zur Gründung des MVZ durch SPD und Grüne.

Udo Zippel, ehemaliger Geschäftsführer von Eben-Ezer und Mitinitiator des ersten Bürgerbegehrens, argumentierte sogar mit 53.500 bis 274.600 Euro Gewinn. Das beide Aussagen unerreichbare Luftschlösser waren, zeigte die Realität. Statt Gewinne zu erwirtschaften, braucht das MVZ ein Darlehen nach dem anderen, um zu überleben.

Dennoch scheint das dem ehemaligen Geschäftsführer der großen Lemgoer Einrichtung egal zu sein, kündigte er doch in der vergangenen Ratssitzung lautstark und ohne vom Bürgermeister unterbrochen zu werden das zweite Bürgerbegehren an. Wie glaubwürdig ist ein Mann, der in seinem ehemaligen Job auf jeden Cent achten musste?

Anfangsdarlehen und mehrere Hunderttausend Euro reichen ihm jetzt offensichtlich nicht aus. Er und seine honorigen Mitstreiter wollen mehr. Weshalb es nun unter Umständen zu einem Bürgerentscheid kommen wird.

Die große Frage bleibt aber, was ist aus der Ankündigung von Bürgermeister Mario Hecker  geworden, er müsse zum Insolvenzverwalter gehen, wenn die erforderlichen weiteren 300.000 Euro, die im Dezember fließen sollten, bis zu einem möglichen Bürgerentscheid im März/April fehlen? Wie trägt sich das MVZ ohne das Geld? Woher kommt Kapital, wenn es vom Rat nicht freigegeben wurde, aber so dringend benötigt wird? Wie schafft der Bürgermeister den Drahtseilakt, um nicht in eine Konkursverschleppung zu geraten?

Fest steht, die ärztliche Versorgung in Deutschland wird durch die Kassenärztliche Vereinigung geregelt. Der VVersuch, in Kalletal ein MVZ gegen die niedergelassenen Ärzte sozusagen als Konkurrenz aufzubauen, war ein gewagtes Unterfangen. Anders als immer wieder dargestellt, gibt es ausreichend Hausärzte in der Gemeinde.

Um auf den Anfang zu kommen, der alte Spruch: „Der ehrliche Mensch ssagt, was er denkt, der Lügner nur, was alle hören wollen. Deshalb ist der Ehrliche allein und der Lügner hat viele Freunde“, bewahrheitet sich immer wieder.