Aufschlussreicher Austausch mit nachhaltiger Wirkung: (von links) Michael Peuker (Leiter des kommunalen Krisenstabes bei der Stadt Detmold), Fynn Spilling von der Akkon Hochschule in Berlin und Christine Schiemann, die im Rahmen ihres Studiums aktuell ein Kommunalpraktikum bei der Stadt Detmold absolviert und sich mit dem Thema Katastrophenschutz befasst. Foto: Stadt Detmold

Detmold/Berlin. Katastrophenschutz ist Teamarbeit. Die Stadt Detmold arbeitet daher im Katastrophen- und Bevölkerungsschutz mit der Akkon Hochschule in Berlin zusammen.


Die Johanniter-Unfall-Hilfe e. V. gründete als erste große europäische Hilfsorganisation diese gemeinnützige Hochschule für Humanwissenschaften im Jahr 2009. Fynn Spilling, wissenschaftlicher Mitarbeiter der Akkon Hochschule, besuchte jetzt das Detmolder Rathaus, um zu erfahren, wie genau der hiesige Verwaltungsstab arbeitet und was die Zusammenarbeit innerhalb der Stadt Detmold auszeichnet.

Als Gesprächspartner für das ausführliche Interview stand Michael Peuker, Leiter des kommunalen Krisenstabes bei der Stadt Detmold, zur Verfügung. Das Besondere: Die Detmolder Expertise und Erfahrungen fließen direkt in die Ergebnisse eines wichtigen Forschungsprojektes ein, das mit der Entwicklung spezieller Module Krisenstäbe bundesweit dazu befähigen soll, künftig noch effizienter und resilienter zu agieren.

„Das Interesse an den hier vor Ort gemachten Erfahrungen und an unserer Expertise ist zugleich Anerkennung der von unseren Kolleginnen und Kollegen geleisteten Arbeit“, erklärte Michael Peuker erfreut.

Krisen wie zuletzt der großflächige Stromausfall in Berlin, die Covid-19-Pandemie und die Starkregenereignisse von 2021 zeigen: Kommunale Verwaltungsstäbe sind unverzichtbar. Im Forschungsprojekt ReVerSy (Stärkung der Resilienz von Verwaltungsstäben durch ganzheitliche Systemmodule) entwickelt die Akkon Hochschule gemeinsam mit Forschungs- und Praxis-Partnern innovative Konzepte, um Krisenstäbe resilienter zu machen.

Ein ganzheitlicher Ansatz von Resilienz und Bevölkerungsschutz müsse dabei alle Gefahren in den Blick nehmen und als eine politische und administrative Daueraufgabe verstanden werden.

Mit praxisnahen Lösungen in Organisation, Führungsunterstützung und Ausbildung stärke das Projekt den Schutz der Bevölkerung – wissenschaftlich fundiert und praxisorientiert. Ziel sei es, Instrumente und Methoden zu entwickeln, die, gerade auch in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten, ressourcenschonend die Widerstandsfähigkeit von Verwaltungsstäben steigern könnten.

Im Rahmen eines interdisziplinären Verbunds unter Leitung des Technischen Hilfswerks arbeiten Wissenschaft, Verwaltung und Wirtschaft im Projekt ReVerSy zusammen. Auch die Erfahrungen der Stadt Detmold fließen mit ein. Dabei stehen der intensive Austausch konkreter städtischer Praxiserfahrungen sowie der Aufbau und die Rollenverteilung in Krisensituationen im Fokus der Betrachtung.

„Ich freue mich, dass wir damit einen wichtigen Beitrag zur Entwicklung innovativer Instrumente leisten, die bundesweit Stäbe dazu befähigen, ihre Verwaltungsfunktionen in Ausnahmesituationen aufrechtzuerhalten“, so Michael Peuker.

Zur Sprache kamen unter anderem auch die Detmolder „Leuchttürme“. Das sind Anlaufstellen, die im Notfall Orientierung und Unterstützung für die Bevölkerung anbieten und bei flächendeckenden, lang anhaltenden Ereignissen als „Leuchttürme“ aktiviert werden.

Bürger bekommen dort Hilfe der Feuerwehr, der Polizei oder des Rettungsdienstes und erhalten wichtige Informationen und Hilfsangebote. Michael Peuker erklärt: „Die Leuchttürme sind ein wichtiger Baustein der gesamtstädtischen Sicherheitsarchitektur, deren Ziel es ist, die staatlichen Kernfunktionen aufrechtzuerhalten und die Grundversorgung der Bevölkerung zu sichern.“

Der intensive Austausch zu vielen praktischen und organisatorischen Fragen im Katastrophenschutz bei der Stadt Detmold böte für das Forschungsprojekt ReVerSy wertvolle Anregungen bei der Entwicklung praxisnaher Module in den Bereichen Organisation, Führungsunterstützung, Autarkie und Ausbildung, die bundesweit Verwaltungen gezielt auf vielfältige Krisensituationen der Zukunft vorbereiteten und ihre Handlungsfähigkeit nachhaltig sichern sollen.

Fynn Spilling von der Akkon Hochschule ist zufrieden: „Ich bedanke mich für den erkenntnisreichen Austausch und freue mich, spannende Eindrücke vom kommunalen Krisenmanagement der Stadt Detmold gesammelt zu haben, die in das Forschungsprojekt einfließen werden.“

Das Bundesministerium für ­Forschung, Technologie und Raumfahrt fördert das Projekt im Rahmenprogramm „Forschung für die zivile Sicherheit“ bis September 2027. Die Projektergebnisse werden in Zusammenarbeit mit den Partnern und der Wissenschaft entwickelt, getestet und evaluiert. Besonderer Wert wird dabei auf den Transfer der erarbeiteten Lösungen in die Praxis gelegt.