
Kreis Lippe. „Das Undenkbare denken“ – das ist kein Titel eines Philosophie-Seminars bei Kerzenschein, sondern der ganz normale Montagmorgen im Katastrophen- und Zivilschutz. Während der Rest der Welt hofft, dass schon nichts passieren wird, sitzen KatS und ZS da und sagen: „Doch. Und zwar genau dann, wenn keiner damit rechnet.“
Naturereignisse, Amoklagen, Stromausfälle, innere und äußere Ursachen – die Checkliste ist länger als die Fahrzeughalle einer Großstadtfeuerwehr. Spätestens seit Februar 2022 (russischer Angriffskriegs gegen die Ukraine) ist klar: Das Undenkbare hat leider keinen Respekt vor Wunschdenken. Das führt manchmal dazu, dass unbequeme Wahrheiten ausgesprochen werden müssen. Wahrheiten wie: „Nein, das regelt sich nicht von selbst.“ Oder: „Nein, das können wir nicht aussitzen“. Oder: „Ja, Vorbereitung ist anstrengend.“ In einer Welt, die sich gern für perfekt, sicher und rundum versichert hält, ist das ungefähr so beliebt wie ein Fehlalarm um drei Uhr morgens. Aber genau dafür gibt es sie ja: Menschen, die lieber einmal zu viel planen als einmal zu wenig – und die dabei auf ein beeindruckendes Arsenal von Tools zurückgreifen können.
Denn wenn es ernst wird, rollt nicht nur der Gedanke, sondern gleich der ganze Fuhrpark an: Rettungshubschrauber, die schneller da sind als jede Diskussion; Feuerwehrfahrzeuge, die mehr Technik an Bord haben als so manches Raumschiff; Rettungswagen und Notarztwagen als mobile Intensivstationen. Und Drehleitern, die selbst dem verrauchten Chaos unten einen klaren Blick von oben entgegensetzen. Dazu Funk, Lagekarten, Einsatzsoftware, Sandsäcke, Aggregate und Menschen, die auch mit Helm, Warnweste und wenig Schlaf erstaunlich klar denken können.
Und irgendwo zwischen Martinshorn, Planspiel und Realität nickt der Philosoph Leibniz leise aus dem Off und sagt: „Wir leben TROTZDEM in der besten aller möglichen Welten.“
Wahrscheinlich auch deshalb, weil es Leute gibt, die für die schlechteren Möglichkeiten bereits den Schlüssel zum Fahrzeug, den Flugplan für den Hubschrauber und den Einsatzbefehl in der Tasche haben. Eine Bildergeschichte von Jörn Fries.
„Kat“: bei Insidern gebräuchliche Abkürzung für Katastrophenschutz
- Der Katastrophenschutz befasst sich mit der Bewältigung von außergewöhnlichen Schadenslagen, die meist innerstaatliche Ursachen haben. Dazu zählen zum Beispiel:
- Naturereignisse wie Hochwasser, Stürme, Waldbrände, Erdbeben
- Große Unfälle (z. B. Chemieunfälle, Zugunglücke)
- Terror- oder Amoklagen
- Länger andauernde Stromausfälle (Blackouts)
- Pandemien und andere Großschadenslagen
Zuständig sind in Deutschland vor allem die Bundesländer und Kommunen, unterstützt von Organisationen wie Feuerwehr, THW, DRK, ASB, Johanniter, Malteser u. a.
„ZS“ bedeutet abgekürzt „Zivilschutz“
Der Zivilschutz bezieht sich auf den Schutz der Bevölkerung bei militärischen Bedrohungen oder kriegerischen Auseinandersetzungen, also Gefahren, die von außen auf den Staat einwirken. Dazu gehören:
- Schutz der Zivilbevölkerung im Verteidigungs- oder Spannungsfall
- Warnung der Bevölkerung
- Schutzräume und Evakuierungsmaßnahmen
- Versorgung Verwundeter
- Sicherstellung kritischer Infrastruktur
- Für den Zivilschutz ist in Deutschland primär der Bund zuständig (u. a. über das BBK – Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe).









