
Kreis Lippe. In Lippe gibt es Menschen, die nicht nur ihr Handy dabeihaben, um Katzenvideos zu schauen oder die nächste Blitzerwarnung zu checken. Nein, 765 Lipper haben ihr Smartphone für den Ernstfal scharfgeschaltet. Sie sind sogenannte „Katretter“ – und damit der Beweis, dass der wichtigste Notfallknopf manchmal in der Hosentasche steckt.
Das „Katretter-System“ ist im lippischen Rettungsdienst inzwischen so selbstverständlich wie der Kaffee in der Leitstelle. Piept das Handy, heißt es nicht „Neue Nachricht“, sondern: Herz-Kreislauf-Stillstand in der Nähe – bitte helfen! Dann zählt jede Minute, manchmal sogar jede Sekunde. Oder wie Rettungsdienstleiter Achim Reineke nüchtern erklärt: Statistisch passiere so ein Stillstand 60 Mal pro 100.000 Einwohner. An manchen Tagen gleich drei bis fünf Mal, an anderen Tagen gar nicht. Ein Algorithmus? Fehlanzeige. Das Leben hält sich nun mal nicht an Dienstpläne.
Im vergangenen Jahr haben „Katretter“ bei 184 Einsätzen mit Reanimation ganze 82 Mal schon mit der Wiederbelebung begonnen, bevor der Rettungsdienst eintraf. Das ist keine Spielerei, sondern lebensrettende Realität. Die App beweist eindrucksvoll: Schnelle Hilfe ist manchmal eben schneller als der Rettungswagen – vor allem dann, wenn der gerade noch an der roten Ampel steht.
Ein Blick in die „Leitstellenbilanz 2025“ macht klar, wie ernst und effektiv das Ganze ist: 900 Alarmierungen, 603 Einsätze und 134 Fälle, in denen Katretter noch vor dem Rettungsdienst vor Ort waren. Man könnte sagen: Während der Rettungswagen noch den Motor warm laufen lässt, stehen engagierte Ersthelfer schon neben dem Patienten – vermutlich leicht außer Atem, aber hochkonzentriert.
Humorvoll betrachtet ist das Katretter-System so etwas wie eine lippische Superheldentruppe. Ohne Umhang, dafür mit App. Ohne Geheimidentität, aber mit Herz. Und das Beste: Man weiß nie, wann man gebraucht wird. Vielleicht heute dreimal, vielleicht gar nicht. Aber wenn das Handy klingelt, wird aus dem ganz normalen Alltag für ein paar Minuten echte Lebensrettung.
Fazit: In Lippe rettet nicht nur der Rettungsdienst Leben – manchmal ist es auch der Nachbar von nebenan. Und der hat dann ausnahmsweise mal einen wirklich guten Grund, sofort ans Handy zu gehen.









