
Kreis Lippe. Der lippischen Kriminalpolizei ist am Mittwoch, 21. Januar, ein bedeutender Schlag gegen die bandenmäßige Rauschgiftkriminalität im Kreisgebiet gelungen. Insgesamt wurden ein Geschäftsobjekt und neun Wohnobjekte durchsucht und zahlreiche Personen festgenommen.
LWZ-Reporter Andreas Leber war durch Zufall Augenzeuge eines dieser umfangreichen und verdeckt stattfindenden Ermittlungsverfahren. Er wartete auf seiner Rückfahrt aus Detmold, nach einem dortigen Termin, an der Stadtbushaltestelle am Biesterberg, als kurz nach 12.30 Uhr mehrere Fahrzeuge mit hoher Geschwindigkeit an ihm vorbeirasten.
Unter den Fahrzeugen befand sich auch ein grauer, größerer Bulli. Sein Ziel war ein Parkplatz mit Flachdachgebäude direkt hinter der Bushaltestelle, jenes Gebäude, in dem sich auch der „Internationale Kulturverein“ befindet. Genau darauf richtete sich der Zugriff der Ermittler.
Kaum stand der Bulli, sprangen mehrere vermummte Beamte einer Spezialeinheit heraus und stürmten mit gezogenen Waffen und lauten Polizeirufen die Räumlichkeiten. Wenig später umrundete ein weiterer Beamter mit gezogener Waffe das Gebäude von außen. Aus dem Inneren war ein lauter Knall zu hören.
Kurz vor Ankunft des Stadtbusses um 12.46 Uhr trafen weitere zivile Einsatzfahrzeuge ein. Polizisten mit Funkgeräten und schwarzen, mit weißer „Polizei“-Aufschrift markierten Schutzwesten entnahmen aus einem Kofferraum einen Rammbock sowie gelbe Transportkisten. Während der LWZ‑Reporter schließlich in den Bus Richtung Laubke einstieg, näherten sich zusätzliche Streifenwagen mit Blaulicht und Martinshorn dem Einsatzort.
Der Vorfall wirkte unmittelbar und beängstigend, fand der Zugriff doch nur wenige Meter hinter dem kleinen Stadtbushäuschen statt. Ziel der verdeckten Aktion mit großem Kräfteaufgebot waren offenbar mehrere Festnahmen sowie umfangreiche Durchsuchungen. Nach Beobachtungen waren neben der Polizei auch das Technische Hilfswerk (THW) und Diensthundeführer am Einsatz beteiligt.
Im Fokus dieser Ermittlungen hätten laut Polizeibericht an diesem Tag mehrere auch überregional agierende deutsche, türkische und albanische Tatverdächtige gestanden. Sie stünden nach bisherigen Erkenntnissen unter dringendem Tatverdacht, bandenmäßig mit illegalen Betäubungsmitteln und mutmaßlich auch mit Waffen gehandelt zu haben.
Bei dieser umfangreichen Aktion konnten am Biesterberg sowie an weiteren Orten mehrere Kilogramm Kokain, Amphetamine sowie Streckmittel für Drogen und tausende Ecstasy-Pillen beschlagnahmt werden. Weiterhin seien eine sechsstellige Summe an Bargeld und scharfe Waffen samt großer Menge an Munition gefunden worden.
Insgesamt wurden nach Angaben der Polizei neun Personen vorläufig festgenommen, davon sieben Männer und zwei Frauen im Alter von 20 bis 59 Jahren aus Lemgo (drei), Detmold (drei) und Lage sowie in Köln und Paderborn, wo ebenfalls Durchsuchungen stattfanden. Ein Mann habe sich bei der Festnahme leichte Verletzungen zugezogen. Neben der Durchsuchung am Biesterberg wurden noch weitere Objekte durchsucht. Dabei wurden auch sechs Fahrzeuge sichergestellt.
Drei der Festgenommenen wurden auf Anweisung der Staatsanwaltschaft nach polizeilichen Maßnahmen wieder freigelassen. Die sechs Hauptverdächtigen wurden zeitnah einem Haftrichter vorgeführt. Dieser ordnete den Angaben zufolge die Untersuchungshaft für einen 40-Jährigen aus Lemgo, einen 50-Jährigen aus Lage, einen 29-Jährigen aus Detmold, einen 20-Jährigen aus Detmold, einen 59-Jährigen aus Lemgo und einen 33-Jährigen aus Köln an. Die Hauptverdächtigen haben die deutsche, die türkische oder beide Staatsangehörigkeiten. Die Ermittlungen der Kriminalpolizei dauern aktuell noch an.









