
Oerlinghausen. Das ist doch einfach zu grandios, um damit aufzuhören: Die letzte Vorstellung von „Rock gegen Krebs“ fuhr eine Spenden-Rekordsumme für die Deutsche Krebshilfe ein: 16.832 Euro.
Das gab Cheforganisator Klaus Büker bei der „Dankeschön“-Veranstaltung für die zahlreichen Helfer der Aktion vor einem Publikum von etwa 80 Gästen bekannt. Eingefahren hat das traditionelle Rock-Festival in der Bergstadt mehr als 21.000 Euro, die als Spende auf die Krebshilfe, das DRK, den Schützenverein, die Feuerwehr und den TSV verteilt wurden.
Warum ist jetzt Schluss mit dieser höchst effektiven Veranstaltung? Klaus Büker (76), der die Tradition vor etwa zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen hat, will aus Altersgründen nicht weitermachen und die Organisation der jährlichen Großaktion in die Hände eines jüngeren Nachfolgers legen. Aber es findet sich niemand, der bereit ist, in Klaus Bükers große Fußstapfen zu treten.
Das bedauert besonders Dr. Franz Kohlhuber von der Deutschen Krebshilfe, der sich lebhaft für die rund 200.000 Euro Spenden bedankte, die die Konzerte im Laufe der Jahre für seine Organisation eingebracht haben. Er schilderte den „Dankeschön“-Gästen, dass die Deutsche Krebshilfe auf Spenden angewiesen sei und keinerlei staatliche Mittel erhalte. Seine Organisation forsche nach Verbesserungen in der Krebsdiagnostik und Krebstherapie, habe sich aber in jüngster Zeit auch in das Feld der Prävention begeben. 40 Prozent der Krebserkrankungen könnten durch rechtzeitige Früherkennung vermieden werden, rechnete er vor.
Dirk Becker, ehemaliger Bürgermeister von Oerlinghausen und mehr als 15 Jahre lang Schirmherr von „Rock gegen Krebs“, mahnte: „Wir dürfen uns davon nicht erdrücken lassen, dass es jetzt vorbei ist.“ Sein Nachfolger Peter Heepmann, der neue Bürgermeister, zitierte aus dem Talmud: „Wer ein Leben rettet, rettet die ganze Welt.“ Und fuhr fort: „Ihr habt viele Leben gerettet.“
Klaus Büker, der das gewaltige Pensum an organisatorischer Arbeit über rund zwei Jahrzehnte geleistet und immer wieder eine enorme Verantwortung auf seine Schultern geladen hat, erzählte, dass er selbst viel von der Veranstaltung gehabt habe. So konnte er den musikalischen Idolen seiner Jugend persönlich begegnen, ein Bier mit ihnen trinken und sich lebhaft und intensiv austauschen.

Tatsächlich traten beim Rockfestival über die Jahre viele Bands mit Rang und Namen auf, unter anderem:
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The Rattles – Beat- und Rockband, mit der alles begann (Premiere 2005) und die mehrfach auftrat.
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Slade – Englische Rockband, bekannt für Hits wie ‘Far, Far Away’ und ‘Merry Xmas Everybody’.
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The Lords – Deutsche Beat- und Rockband, spielte unter anderem beim Open-Air-Teil des Festivals.
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Creedence Clearwater Revived – Featuring Johnny Guitar – Cover-Band im Stil von CCR.
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Bläck Fööss – Kölner Band, ebenfalls auf der Bühne.
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Voodoo Lounge – Rolling-Stones-Tribute-Band, wiederholt aufgetreten.
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Simon-&-Garfunkel-Tribute-Band / Central Park – Darbietungen klassischer Simon-&-Garfunkel-Songs.
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Mariuzz – Marius-Müller-Westernhagen-Tribute-Band.
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Time Tunnel – 60er-Jahre-Beat-Band bei „Rock gegen Krebs“.
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The Kaiserbeats – Rock’n’Roll-Band mit Hits der 50er/60er.
Kein Wunder, dass angesichts solch illustrer musikalischer Akteure das Oerlinghauser Festival wie am Schnürchen lief. „Das waren Veranstaltungen mit hochklassiger Musik, organisatorisch getragen von Ehrenamt und großem Gemeinsinn“, resümiert Tobias Jaehn, der sich um die Organisation der Tombola gekümmert hat, die stets große Summen an Spendengeld einspielte. Er würde sich wünschen, „dass es irgendwie weitergeht“.
Dieser Ansicht sind auch die „Garderoben-Frauen“ Miriam Heidemann und Angelika Lindner. Sie genießen die „Dankeschön“-Feier zusammen mit rund 80 Helfern, die „Rock gegen Krebs“ immer wieder möglich gemacht haben. Was war da alles zu tun! Die Künstler mussten betreut werden (teilweise Übernachtungen in der Bergstadt), das Catering musste störungsfrei laufen, Wertmarken waren zu verwalten, Straßensperren zu sichern und, und, und. „Die 3.000 Tombola-Lose waren innerhalb von einer halben Stunde verkauft“, berichtet Tobias Jaehn. Damit konnten 800 zum Teil sehr hochwertige Preise „geschossen“ werden, wie Fahrrad, Staubsauger, Fernseher. Von diesem Preisniveau ging es runter bis zur „Dr. Oetker Backmischung“.
Da seien so an die 1.000 Gäste zu den Festivals gekommen, schätzen die „Garderoben-Frauen“. „Von nah und fern“, pflichtet „Tombola-Mann“ Tobias Jaehn bei. „Das lag an der Popularität der Bands.“ So hat er Gäste-Kennzeichen aus Gütersloh und Recklinghausen gesehen. „Gerade die Oldies aus den 80er- und 90er-Jahren haben mächtig angezogen.“
Vier bis fünf Bands traten über den Veranstaltungsabend auf: Die konnten die Gäste für einen Ticketpreis unter 35 Euro genießen. „Das war schon sehr attraktiv“, so der „Tombola“-Organisator. Cover-Bands wie die Lindenberg- und Westernhagen-Imitatoren seien extrem gut angekommen.
Nun hat der Vereinsvorstand beschlossen, nach 18 überaus erfolgreichen Veranstaltungen den Sack zuzumachen und das Projekt grandios zu beenden. „Wir haben viel, viel, viel erreicht“, sagt Klaus Büker rückblickend. „Und wir haben riesig Spaß gehabt.“
Wenn dem so ist – und daran bestehen keine Zweifel –, dann gibt es doch eine gewisse Restwahrscheinlichkeit, dass irgendwann „Rock gegen Krebs“ oder etwas Ähnliches aufersteht. Das hoffen auf jeden Fall alle, die irgendwie aktiv an dieser Tradition beteiligt gewesen sind.





