
Kreis Lippe/Detmold. Was wäre das Leben ohne den Tod und was wäre die Gesellschaft ohne das Ehrenamt – beides trifft sich in der Hospizarbeit. Im Alter ist uns der Gedanke ans Sterben vertrauter, doch lebensbedrohlich erkranken kann man in jedem Alter und gerade, wenn junge Menschen betroffen sind, ist dies eine schwere Herausforderung: Am gestrigen Dienstag, 10. Februar, wurde der „Tag der Kinderhospizarbeit“ in Deutschland zum 20. Male begangen.
Der Tag der Kinderhospizarbeit soll nicht nur die Solidarität mit den Betroffenen zum Ausdruck bringen, sondern auch das Klischee, das der Hospizarbeit anlastet, abbauen.
Der Ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe e. V. mit Sitz in Detmold, Lemgo, Bad Salzuflen und Lage deckt auch die Kinderhospizarbeit ab. Familien mit einem lebensverkürzt erkrankten Kind werden in der Häuslichkeit unterstützt. Dies machen Ehrenamtliche möglich, die sich zuvor eine Ausbildung haben angedeihen lassen.
Wie diese Ausbildung aussieht, die über den Hospizverein Detmold läuft, erklärt Gabriele Monath, Koordinatorin für Ambulante Kinder- und Jugendhospizarbeit: „Jeder Interessent, jede Interessentin macht erst einmal einen Grundkurs, der zwei Samstage und zehn Abende umfasst. Vom wertfreien Verhalten, den möglichen Kinderkrankheiten bis hin zu rechtlichen Fragen wird der angehende ehrenamtliche Mitarbeiter gut vorbereitet. Außerdem werden Vertiefungsseminare angeboten und regelmäßige Gruppentreffen der Ehrenamtlichen, um sich auszutauschen, denn es gibt vieles, was verdaut und verarbeitet werden will. Diese Austauschgruppen werden von den Koordinatorinnen geleitet; zusätzlich stehen externe Supervisoren zur Verfügung.“
Eine Voraussetzung ist auch die psychische Verfassung, denn ist jemand zu nah am Wasser gebaut oder zu dünnhäutig, so findet er oder sie keinen Abstand zu den betroffenen Familien und schadet sich selbst und der Situation.
Die Ehrenamtlichen unterstützen die betroffenen Familien nicht pflegerisch, sondern im psychosozialen Bereich, das heißt: für das Kind ebenso wie für die Familie da sein, egal, wo die Hilfe gebraucht wird – mit dem Kind spielen, mit ihm etwas unternehmen, zusammen kochen oder vorlesen.
Manchmal seien es auch die Geschwister oder die Eltern, die einen Gesprächspartner, Ratgeber oder Zuhörer bräuchten, erklärt Monath: „Es ist für die Familien unglaublich schwierig, denn wenn man über Hospiz redet, geht es natürlich um eine gewisse Form der Endlichkeit. Bei Kindern heißt das nicht, dass sie zeitnah sterben. Das ist eher selten der Fall, aber lebensverkürzend ist ihre Krankheit auf jeden Fall und sie werden das Erwachsenenalter nicht erreichen. Somit gibt es erst einmal eine Hemmschwelle, sich an uns zu wenden.“
Der zweite Teil der Kinderhospizarbeit beinhaltet die Trauerarbeit: „Wir bieten Trauergruppen an für Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren. Je nach Alter einer Gruppe muss man natürlich ganz anders mit dem Thema umgehen; die Zahl der Betreuten liegt aktuell bei circa 35. Die Trauergruppen werden von zehn Mitarbeitern betreut, für die häusliche Unterstützung stehen ein Dutzend Ehrenamtliche zur Verfügung, die sich zurzeit um elf Familien in ganz Lippe kümmern.
Dieses Jahr hat der Ambulante Hospiz- und Palliativ-Beratungsdienst Lippe e. V. für den Tag der Kinderhospizarbeit eine Ausstellung organisiert: „Wir haben die Hände von den erkrankten Kindern und den Ehrenamtlichen fotografiert, versehen mit Texten der Ehrenamtlichen. Diese Ausstellung wird im Gemeindezentrum in Oerlinghausen über den ganzen Februar zu den normalen Öffnungszeiten zu sehen sein.“
So haben auch Menschen, die nicht im Thema drin sind, einmal die Möglichkeit, auf dem Umweg über die Kunst sich dem nicht ganz einfachen Thema zu nähern.





![Lemgo: Vermisste 16-Jährige wieder da [Update]](https://lwz24.de/wp-content/uploads/2023/01/AdobeStock_283144208-324x160.jpeg)



