Das betroffene Grundstück „Hinter dem Diestelkamp/Vahlhauser Straße“ wird bisher hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt. Foto: Alina Knoerich

Detmold-Diestelbruch. Mehr Wohnraum, weniger Fläche? Rund 60 Anwohner informierten sich am 10. Februar über die vorläufigen Pläne der Stadt für ein neues Wohngebiet im Detmolder Ortsteil Diestelbruch – und diskutierten im Rahmen der Bürgerinformationsveranstaltung im Haus der Diestelbrucher vor allem über Stellplätze, die Gebäudehöhe sowie die Bedeutung von Mehrfamilienhäusern.


André Chudzian, Teamleitung der Bauleitplanung der Stadt Detmold, erläuterte den aktuellen Stand der Planung sowie die Hintergründe des Vorhabens. Als Folge der Initiative eines Investors könne und solle mit dem neuen Wohngebiet auf die anhaltende Nachfrage nach Wohnraum für Ein- sowie Mehrfamilienhäuser geantwortet werden.

Die Lage des Plangebiets garantiere eine gute verkehrliche Anbindung durch die angrenzende Vahlhauser Straße sowie die fußläufig erreichbare ÖPNV-Haltestelle und nutze bereits vorhandene Potentiale für eine städtebauliche Entwicklung. Durch die Planung könne ein ergänzendes Wohnungsangebot zur Verfügung gestellt werden und dem Ziel, im Siedlungsbereich mehr und vor allem verdichteten Wohnraum zu schaffen, zugearbeitet werden.

Durch die Maßnahmen in der Innenentwicklung könne zudem die Inanspruchnahme unbebauter Grundstücke im Außenbereich gemindert und gleichzeitig die bestehende Infrastruktur sinnvoll genutzt und sparsam mit Grund und Boden umgegangen werden. Philipp Lütgert, beauftragte Bauleitplanung der Firma „Drees & Huesmann“, erläuterte daraufhin die vorläufigen Entwürfe der Bebauung.

Auf den rund 1,7 Hektar im westlichen Teil von Diestelbruch, welche bis jetzt hauptsächlich landwirtschaftlich genutzt werden, sollen sowohl freistehende Ein- als auch Mehrfamilienhäuser gebaut werden. Bei beiden vorgestellten Varianten ist eine von der Vahlhauser Straße nach Süden in das Plangebiet hineinführende, 5,70 Meter breite Erschließungsstraße vorgesehen, die in einer Wendeanlage endet – für Feuerwehr- und Müllfahrzeuge sei ausreichend Platz berücksichtigt.

Bei beiden Varianten sind im nördlichen Abschnitt Einfamilienhäuser und im südlichen Teil zwei Mehrfamilienhäuser inklusive zugehöriger Stellplätze vorgesehen. Während bei Variante A vier Einfamilienhäuser geplant sind, stehen beim Entwurf B fünf auf dem Plan. Unterschiede zeigen sich vor allem im östlichen Teil des Plangebiets, wo laut Variante A sechs freistehende Einfamilienhäuser und laut Variante B drei Mehrfamilienhäuser errichtet werden würden.

„Bei Variante A könnte somit eine Mischung aus zehn Einfamilien- und zwei Mehrfamilienhäusern mit jeweils acht Wohnungen und bei Variante B fünf Ein- und fünf Mehrfamilienhäuser mit jeweils sechs bis acht Wohnungen entstehen – somit ist die Grunderschließung bei beiden Varianten ähnlich, bei Variante B kann jedoch durch die leicht höhere städtebauliche Dichte eine höhere Wohnraumnutzung und flächensparende Innenentwicklung erreicht werden“, fügt Lütgert hinzu.

Zudem weist er darauf hin, dass die Entwürfe keine festen Bebauungspläne seien, sodass auch die Entwicklung einer Variante C möglich wäre. Die geplanten Einfamilienhäuser sollen mit zwei Vollgeschossen ausgebildet werden, während die Mehrfamilienhäuser mit zwei Vollgeschossen und einem zusätzlichen Nicht-Vollgeschoss geplant seien.

Die Einfamilienhäuser sollen somit eine Gebäudehöhe von maximal 7,50 Metern und die Mehrfamilienhäuser von 10,50 Metern nicht überschreiten. Im südlichen Bereich des Plangebietes befinde sich ein schutzwürdiger Bereich, „eine Fläche mit Maßnahmen zum Schutz, zur Pflege und zur Entwicklung von Boden, Natur und Landschaft“, welche aufgrund ihrer ökologischen und klimatischen Bedeutung unbebaut bleiben werde.

Zur Verbesserung der fußläufigen Erreichbarkeit des südlich angrenzenden öffentlichen Spielplatzes sei zudem ein Fußweg vorgesehen, der von der Erschließungsstraße zu diesem führt. In weiteren Schritten der Planung würden nun ein Umweltbericht und die Artenschutzprüfung erstellt.

Zustimmung und Bedenken der Anwohner

In dem anschließenden offenen Austausch sorgen vor allem die Stellplatzsituation sowie die grundlegende Frage nach den Vor- und Nachteilen der Mehrfamilienhäuser für Diskussionsstoff.

Während auf der einen Seite die mit sechs Metern geringe Distanz von den geplanten Mehrfamilienhäusern zu den bereits bestehenden umgebenden Wohnungen und die damit verbundene „erdrückende Wirkung“ kritisiert wurde, wurde auf der anderen Seite die Bedeutung des Baus von kleineren und bezahlbaren Wohnungen, insbesondere auch für ältere Anwohner, herausgestellt.

Im Anschluss daran wurden auch der soziale Wohnungsbau sowie das betreute Wohnen zur Sprache gebracht, was es laut Chudzian in den Gesprächen mit den Investoren einzubringen gelte. Hinsichtlich der Stellplatzsituation teilten viele Anwohner die Sorge, dass der eine pro Haushalt angedachte Parkplatz nicht ausreichend sei.

Am Ende der Veranstaltung konnte Chudzian eine grundsätzlich positive Einstellung gegenüber der neuen Wohnraumschaffung, aber auch Bedenken der Anwohner feststellen: „Von dieser Veranstaltung nehmen wir mit, dass eine Nahverdichtung als sinnvoll angesehen wird, es jedoch um das ‚wie‘ geht.“

Im Rahmen der frühzeitigen Bürgerbeteiligung des Bebauungsplanverfahrens haben alle Bürger noch bis zum 6. März nicht nur die Möglichkeit, die Vorentwurfsunterlagen online oder im Ferdinand-Brune-Haus (Hintergebäude, erste Etage) vor Ort einzusehen, sondern werden auch dazu eingeladen, Anregungen sowie Stellungnahmen zu dem Vorhaben entweder per Post an die Stadt Detmold oder per E-Mail zu senden.

Diese werden anschließend ausgewertet, abgewogen und beeinflussen die weitere Planung sowie die Dauer des Verfahrens, welches je nach Rückmeldungen bis zu zwei Jahre dauern könne.