
Lemgo-Lieme. Seit dem Jahr 1985 beglückt die Retzer Bühne jedes Jahr ihr Publikum mit witzigem Verwechslungstheater, so auch in diesem Jahr. Mit „Funny Money“ bringt das Ensemble eine sogenannte „Screwball-Komödie“ auf die Bühne, die von den Akteuren eine Menge abverlangt.
Eine „Screwball-Komödie“ zeichnet sich durch rasanten Schlagabtausch und durch extrem schnelles Sprechtempo sowie geistreichen Wortwitz aus. Die Handlung ist oft geprägt von absurden Verwechslungen, Slapstick-Elementen und turbulenten Verwicklungen.
Genau das kommt in diesem Jahr auf das Publikum zu, das ein Stück zu Gesicht bekommt, in dem ein einziger Aktenkoffer alles auf den Kopf stellt. Was in den ersten Minuten noch als langweilige britische Komödie erscheint, schlägt schon bald in einen wortreichen Abend um.
Unter Mitwirkung des neuen Ensemble-Mitglieds Christian Linke, der am Ende als Gangster Oktokoff erscheint, startete die Retzer Bühne mit der diesjährigen Premiere am Samstag, 14. Februar, im Liemer Krug in die diesjährige Theatersaison.
In dem Stück „Funny Money“, einer Komödie von Ray Cooney unter der bewährten Regie von Susanne Habenicht, geht es um viel Geld. Henry Perkins (Mathias Weber) verwechselt in der U-Bahn seine Aktentasche mit der eines Fremden und ist plötzlich Besitzer von 3.150.000 Pfund, 63.000 gezählten Scheinen, offensichtlich Drogengeld. Zuhause angekommen hat Henry einen Plan.
Dieser sieht vor, mit seiner langweiligen Frau Jean (Nina Josephs) England zu verlassen. Jedoch erweist er sich als undurchführbar. Die Freunde Betty (Sabine Weber) und Vic Johnson (Andreas Landau) tauchen zu seiner Geburtstagsfeier auf, zwei Polizisten interessieren sich intensiv für Henry, wobei Kommissar Davenport (Heiko Welsche) sich dabei als ausgesprochen bestechlich zeigt und Taxifahrerin Billie (Maria Nickel) sich zusätzlich als hartnäckig erweist.
Inspektor Slater (Conny Klein) sorgt für weiteren Aufruhr mit der Nachricht, dass der eigentliche Inhaber des Geldes tot in der Themse gefunden und anhand der Papiere in seinem Aktenkoffer als Henry Perkins identifiziert wurde.
Jetzt geht es los. Es werden sowohl von Jean als auch von Henry zu ihrem Schutz Verwandte erfunden. Die Inspektorin kommt mit einem zweiten, gleich aussehenden Koffer hinzu. Bald blickt niemand mehr durch und auch die Koffer tauschen auf skurrile Weise die Besitzer. Henrys Frau versucht, dem Ganzen durch übermäßigen Alkoholgebrauch zu entfliehen, und er weiterhin, nach Spanien zu fliehen.
Jetzt jagt eine komische Ausrede die nächste. So richtig blickt niemand mehr durch die vielen Notlügen durch, und bald stecken alle Beteiligten tief im Dschungel der Lügen fest, bis Henry sich entschließt, die Wahrheit zu sagen.
Das Ensemble auf der Bühne tobt sich bei den zahlreichen Slapstick-Einlagen regelrecht aus. Die Pointen und Wortgefechte führen die tragikomischen Figuren vor und zeigen, was so unverhoffter Reichtum mit den Menschen machen kann, bis hin zum geplanten Partnertausch.
Aber am Ende wird wie immer alles gut und das große Chaos hinterlässt ein Theaterensemble mit geröteten Wangen und ein jubelndes Publikum. Karten für die kommenden Termine gibt es allerdings nicht mehr. Alle Vorstellungen im Liemer Krug sind ausverkauft.




