
Lemgo. Die historische Ölmühle am Schloss Brake erhält eine bedeutende Förderung: Die NRW-Stiftung unterstützt den Erhalt des einzigartigen technischen Denkmals in Lemgo mit 50.000 Euro. Seit inzwischen 50 Jahren setzt sich der Verein Alt Lemgo e. V. ehrenamtlich für die Pflege, den Schutz und die Präsentation des kulturgeschichtlich wertvollen Bauwerks ein.
Bereits ein historischer Stich aus dem Jahr 1633 zeigt an gleicher Stelle eine Öl- und Sägemühle. 1808 wurde der alte Bau abgebrochen und durch das Gebäude ersetzt, das bis heute besteht. In demselben Jahr erhielt die Mühle auch ein neues Wasserrad. Ab 1846 wurde sie an Simon August Vietmeier verpachtet und blieb fünf Generationen lang in Familienbesitz. Neben der Ölmühle betrieben die Vietmeiers zwei weitere Mühlen in unmittelbarer Nachbarschaft.
Dass der Familie die Technik am Herzen lag, zeigt sich bis heute: In einem Nebengebäude stehen eindrucksvolle, vollständig funktionstüchtige Holzmodelle der historischen Mühlenanlagen. Der Ölproduktionsprozess war damals harte körperliche Arbeit. In mehreren Schichten arbeiteten jeweils drei Personen unter Hitze und großer Mühe daran, aus zehn Zentnern Rübsamen durch Mahlgang, Erhitzen und Pressen rund 130 Liter Rapsöl zu gewinnen. Bis etwa 1860 diente dieses Öl vor allem der Beleuchtung, später fand es Verwendung in Lacken und Farben.
Die Mühle war Teil einer lebendigen Mühlenlandschaft an der Bega: Sieben Wasserräder arbeiteten zeitgleich, weshalb die lippischen Grafen regulieren mussten, wer wann arbeiten durfte, um die Wasserversorgung sicherzustellen. Während des Ersten Weltkriegs nahm die Ölmühle von 1916 bis 1924 aufgrund der Ernährungskrise noch einmal den Betrieb auf. Verarbeitet wurden unter anderem Bucheckern sowie Wacholderbeeren für die Schnapsbrennerei Wippermann. 1927 endete die Ölproduktion endgültig.
Ein Wasserrad hielt üblicherweise rund 40 Jahre, ohne Überdachung etwa 30. Entsprechend oft mussten die großen Holzkonstruktionen ausgetauscht werden. Das heutige Rad stammt aus dem Jahr 1987 und ist inzwischen stark beschädigt. Podest und Antrieb mussten stillgelegt werden.
Seit 1974 engagiert sich der Verein Alt Lemgo e. V. für die Bewahrung der Anlage. Ein vierköpfiges Team betreut die Ölmühle und organisiert Führungen sowie Vorführtage wie den Deutschen Mühlentag an Pfingstmontag oder den Tag des offenen Denkmals. Dabei werden auch zwei jeweils sechsminütige Filme gezeigt, die den historischen Betrieb einer Ölmühle und das Leben der Familie Vietmeier dokumentieren.
Bei der Übergabe der Förderurkunde betonte Dr. Ute Röder aus dem Vorstand der NRW-Stiftung die Bedeutung des Denkmals: „Die Ölmühle Brake ist ein herausragendes Zeugnis der Technik- und Wirtschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts und ein wichtiger Bestandteil des Schlossensembles Lemgo-Brake.“
Entscheidend für die Bewilligung war auch der hohe Eigenanteil des Vereins, der bei 5.000 Euro lag. Weitere 30.000 Euro steuerten regionale Unterstützer bei: LWL-Denkmalpflege (10.000 Euro), Stadt Lemgo (10.000 Euro), „Frauen für Lemgo“ (5.000 Euro), Stiftung Standortsicherung Lippe (1.500 Euro), Landesbrand-Versicherung (1.000 Euro), Sparkasse Lemgo (1.000 Euro) und Stadtwerke Lemgo (500 Euro).
Der vorbildliche Erhalt des Denkmals und seine große Bedeutung für die Öffentlichkeit wurden damit erneut unterstrichen. Die Ölmühle zählt zu den ersten Kulturdenkmälern im Kreis Lippe, die unter Denkmalschutz gestellt wurden.
Hochwasser und dauerhafte Feuchtigkeit haben dem Gebäude sowie den technischen Anlagen im Laufe der Jahrzehnte stark zugesetzt, doch immer wieder wurden umfangreiche Sanierungen durchgeführt. Auch jetzt stehen weitere Arbeiten bevor: Das defekte Wasserrad wird, voraussichtlich ab Frühjahr, vollständig ersetzt. Beauftragt wurde eine spezialisierte Mühlenbauwerkstatt aus dem thüringischen Eichsfeld, die unter anderem auch die Mühlen im Freilichtmuseum Detmold betreut. Das neue Mühlrad wird rund zwei Tonnen wiegen; für den Einbau ist ein großer Kran erforderlich.
Die Erneuerung ist eng verbunden mit geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen der Stadt Lemgo im direkten Umfeld der Mühle. Dazu gehört ein begehbarer Besuchersteg, der künftig neue, unmittelbare Perspektiven auf das Wasserrad eröffnen soll.
Seit ihrer Gründung 1986 hat die NRW-Stiftung rund 4.000 Natur- und Kulturprojekte mit insgesamt etwa 340 Millionen Euro gefördert. Die Mittel stammen aus Landeszuschüssen, Lotterieerträgen von WestLotto sowie Beiträgen und Spenden.
Wenn das neue Wasserrad 2026 in Betrieb geht, soll es nicht nur ein sichtbares Zeichen lebendiger Technikgeschichte sein, sondern auch wieder Strom für die Beleuchtung der Ölmühle erzeugen. Ein Stück lebendiger Industriekultur wird damit für die kommenden Generationen bewahrt.




