Detmold. Zum Miteinander in einer Stadt gehört es, als Gesellschaft einen Umgang mit eher am Rand stehenden Gruppen zu finden, die wie alle Bürger ein Recht auf Teilhabe am öffentlichen Raum haben.
Weil viele Akteure, vor allem aus dem sozialen und Ordnungsbereich, an einem Strang zögen, gelinge dies laut der Stadt Detmold in der Residenzstadt in aller Regel sehr gut.
Schwierig werde es, wenn Menschen sich durch den Lebensstil und das Verhalten einzelner Gruppen in ihrer persönlichen Lebensgestaltung oder wirtschaftlichen Betätigung erheblich eingeschränkt sehen würden. Auch dann sei es Aufgabe der koordinierenden städtischen Verantwortlichen, für Rahmenbedingungen zu sorgen, die ein gutes Miteinander aller Beteiligten ermöglichten.
Vor dem Hintergrund wiederkehrender Beschwerden von Bürgern über das Verhalten der Menschen, die seit geraumer Zeit den Hasselter Platz als Treffpunkt nutzen, geht die Stadt Detmold gemeinsam mit der Herberge zur Heimat und der Polizei nun einen neuen Weg: Von der kommenden Woche an wird an der Bielefelder Straße ein Treffpunkt für die Gruppe vom Hasselter Platz hergerichtet.
Auf dem geschotterten Parkplatz neben dem Haus Bielefelder Straße 3 werde der Raum von sechs Parkplätzen abgegrenzt, um einen wetterbeständigen Unterstand aus Metall aufzubauen, der zu den angrenzenden Gebäuden durch einen Sichtschutz abgetrennt werde. Der Bereich werde mit Blumenkübeln ausgestattet, so die Stadt Detmold.
Damit der Aufenthalt dort über mehrere Stunden möglich sei, werde eine geschlossene mobile Toilette installiert. Auf dem Parkplatz werde ein Lichtmast mit zwei Strahlern aufgestellt, um die Fläche bestmöglich auszuleuchten und das subjektive Sicherheitsgefühl der Anlieger, Passanten sowie der Platznutzer zu verbessern.
Sobald der Platz fertiggestellt sei, würden die Beteiligten mit dem Bürgermeister der Gruppe am Hasselter Platz erklären, dass nun der neue Treffpunkt zur Verfügung stehe und der Hasselter Platz infolgedessen gesperrt werde. Im Anschluss soll der Platzwechsel erfolgen.
Im Rahmen einer Informationsveranstaltung wurden in dieser Woche Anlieger über das Vorhaben informiert. Neben Mitarbeitern des Fachbereichs Städtische Betriebe und Ordnung, des Kommunalen Ordnungsdienstes und aus dem Bereich Soziales nahmen auch die Kreispolizei Lippe und Vertreterinnen und Vertreter der Detmolder Herberge zur Heimat an der Veranstaltung teil, um Fragen der Anwesenden zu dem Vorhaben zu beantworten.
Dabei legte Thorsten Engelhardt, Referent des Bürgermeisters und Leiter des Referats Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei der Stadt Detmold, als Moderator der Veranstaltung besonderen Wert darauf, dass die Verantwortlichen auch künftig jederzeit für Anlieger ansprechbar bleiben und aktiv werden, sollte es zu Störungen kommen.
Hintergrund
Bürgermeister Frank Hilker selbst sei mehrmals persönlich am Hasselter Platz vor Ort gewesen, um das unmittelbare Gespräch zu suchen. Das Ergebnis dieser Gespräche sei gewesen, dass ein anderer Ort, der etwas weniger „Präsentierteller“ sei als der Hasselter Platz, auch für die Gruppe selbst eine wünschenswerte Alternative darstelle.
„Wir haben die Situation gemeinsam mit allen Akteurinnen und Akteuren aus der Ordnungspartnerschaft analysiert und verschiedene Alternativorte geprüft“, erläutert Frank Hilker. „Klar ist, dass es keinen einzigen Ort gibt, mit dem wir es allen recht machen können. Deshalb bitte ich die Detmolderinnen und Detmolder darum, dem Vorhaben nun eine Chance zu geben und den neuen Treffpunkt nicht von vornherein kaputtzureden“, so der Bürgermeister weiter.
Ziel der Stadt Detmold sei es, eine faire Balance aus Sicherheit, Zugänglichkeit und Teilhabe zu erreichen. Deshalb werde auch der neue Treffpunkt engmaschig von allen Verantwortlichen der Ordnungspartnerschaft aufgesucht und kontrolliert.
Ob das Angebot dauerhaft angenommen werde, ließe sich erst im laufenden Monitoring sicher bewerten. Frank Hilker appelliert: „Lassen Sie uns zwei, drei Monate gemeinsam vorurteilsfrei Erfahrungen sammeln. Wir bleiben im Dialog mit den Anwohnerinnen und Anwohnern, Gewerbetreibenden und allen Beteiligten und passen das Vorgehen gegebenenfalls an.“
Der Hasselter Platz wird nach dem Umzug der Gruppe zunächst für die Öffentlichkeit gesperrt und für das 50-jährige Partnerschaftsjubiläum mit der Stadt Hasselt im Mai neu hergerichtet.




