Pia Gillner (links) zusammen mit der Leiterin des Stadtarchivs, Sonja Beinlich. Fotos: Reiner Toppmöller

Bad Salzuflen. Mit einer kleinen Kurhaus-Reihe setzen sich das Stadtarchiv, die VHS und das Staatsbad mit der Geschichte des Kurhauses in der Badestadt auseinander.


Über die Zeit im Dritten Reich informierte am vergangenen Mittwoch, 18. Februar, Pia Gillner. Die 28-Jährige ist Masterstudentin der Geschichtswissenschaft und Volontärin im Stadtarchiv.

In ihrem Vortrag vor vollbesetztem Saal im Kurhaus, in dem sich der ehemalige Bürgermeister Wolfgang Honsdorauch unter den Zuhörern befand, zeichnete sie eindrucksvoll die Bedeutung des Hauses während der Zeit der nationalsozialistischen Herrschaft nach.

Wie auch das Hermannsdenkmal und die Externsteine war das alte Kurhaus für die Nazis ein Ort, um ihre Ideologie bewusst unters Volk zu bringen. Alle Nazi-Größen, von Adolf Hitler über Hermann Göring bis hin zum Gauleiter Alfred Meyer, der dort auch private Feiern abhielt, waren zu Gast. Von 1933 bis zum Ende des Krieges im Jahr 1945 prangte sogar eine große Erinnerungstafel, vom Künstler August Ehrenbach gestaltet, an der Rotunde des Kurhauses in Richtung Kurpark.

Zur Landtagswahl 1933 hielt Adolf Hitler im Kurhaus seine Rede „Macht frei das Hermannsland” und rief zur Entscheidungsschlacht am Teuto auf. Heinrich Drake kritisierte die Veranstaltung damals, konnte aber nicht verhindern, dass die NSDAP in Salzuflen die stärkste Partei wurde.

Pia Giller zeigte in ihrem Vortrag zeitgenössische Bilder und auch ein Wahlplakat mit Hakenkreuz hinter dem Hermannsdenkmal. Die AfD plakatierte im vergangenen Sommer zur Kommunalwahl ein Plakat mit dem Hermann und dem Slogan „Echte Lipper wählen AfD“, das stark an das der NSDAP erinnerte und verboten wurde.

Im Laufe des Krieges hätten die Nazis das Kurhaus immer wieder für ihre völkischen Veranstaltungen unterschiedlichster Art genutzt. Auch die Kurparkbeleuchtung (das Lichterfest) sei für ihre Zwecke missbraucht worden.

Alfred Meyer habe Nazigrößen zu seinen Erinnerungsfesten eingeladen und am Ende des Krieges sei das Haus zum Luftschutzraum erklärt worden. Auch ein Kurdirektor habe zu den Nazis gehört: Von 1933 bis 1944 war Erst Bauer, Führer der SA-Standarte 55, Kurdirektor in Salzuflen.

In der anschließenden Diskussion waren sich die Besucher einig, dass man damals wie heute zu wenig Engagement gezeigt habe, und zogen Rückschlüsse auf die zum Teil als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestufte AfD.

In Thüringen steht die AfD schon lange als „gesichert rechtsextremistisch“ unter Beobachtung des Verfassungsschutzes. In Niedersachsen wurde sie kürzlich ebenfalls als „gesichert rechtsextremistisch“ eingestuft. Denn obwohl sich die Partei immer wieder als demokratisch darstellt, fällt sie immer wieder mit rassistischen und völkischen Äußerungen auf.