Dörentrup/Kalletal/Sankt Augustin. Die Redewendung „Schwein gehabt“ müsste in ihrer Bedeutung, nämlich einem Unheil entgangen zu sein und Glück gehabt zu haben, neu definiert werden, denn: Was ein Schwein seit vielen Jahrzehnten gewiss nicht hat, ist Glück. Es stirbt in Massen – jedes Jahr bis zu 55 Millionen Tiere, das heißt täglich um die 140.000 – Zahlen, die die Vorstellungskraft sprengen. Am 1. März ist der nationale Tag des Schweins.
Unser Lieblingsglücksbringer, das Schwein, ist ein neugieriges und einfühlsames Tier. Es hört gerne Musik, ist sehr intelligent, kann komplexe Aufgaben lösen und sich im Spiegel erkennen. Nicht umsonst wird das Schwein als Hund in Rosa bezeichnet.
Schweine sind sensibel und mitfühlend und haben ein soziales Bewusstsein. Schweine fühlen wie wir Schmerz, Leid, Freude und Trauer. Und genauso wie die Idee des Glücksbringers fehl am Platze ist, so ist auch die Vorstellung vom „dreckigen Schwein“ eine Mähr; diese reinlichen Tiere erscheinen in der Masse zusammengepfercht als dreckig, dabei ist es für sie besonders schlimm, permanent über ihren Exkrementen leben zu müssen.
Ähnlich wie wir Menschen teilen sie ihr Zuhause normalerweise in Funktionsbereiche auf. Im Groben wissen wir das alles und das nicht erst seit gestern. Trotzdem ist es geradezu selbstverständlich, dass diese Tiere gänzlich auf ein würdevolles Leben verzichten müssen, um nach einer enormen Leidenszeit ein ebensolches Ende zu nehmen. „Was rechtfertigt diese organisierte Agrarkriminalität?“ – so formulierte es der renommierte Strafrechtler und Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Jens Bülte.

Selten, in Anbetracht der unzähligen Anlagen, gelangen Missstände und Straftaten aus der Massentierhaltung an die Öffentlichkeit. In Kalletal konnte Aninova e. V. (ehemals Deutsches Tierschutzbüro e.V.) mit beweislastigen Undercover-Aufnahmen Strafanzeige erstatten. In diesem Betrieb wurden Schweine mit blutig gebissenen Ohren sowie kranke und verletzte Tiere vorgefunden. Die Wunden der Tiere wurden offenbar nicht tierärztlich versorgt.
Schweinehaltung ohne Tierquälerei
Dass die berufsmäßige Schweinehaltung ohne Tierquälerei geht, beweist der in Dörentrup gelegene Sennenhof von Andreas Wöhrmeier; dort leben die Schweine in Gruppen, und zwar in Stroh- und Auslaufhaltung mit freiem Zugang zum Außengelände – dort können sie ihrem natürlichen Wühlbedürfnis nachgehen und das bei frischer Luft.
Der Innenbereich ist quasi in Schlaf-, Ess- und Toilettenbereich unterteilt. Ein relativ sorgenfreies Leben führen die Schweine auf dem Sennenhof, nur der Tod ereilt auch diese Tiere viel zu schnell – Schweinemütter werden nach circa drei bis vier Jahren geschlachtet und Mastschweine im jugendlichen Alter von sechs Monaten. Tatsächlich können Schweine aber durchaus 20 Jahre alt werden.
Es gibt in Deutschland insgesamt 3.987 Schlachtbetriebe (Stand: 9. Januar 2026), die beim Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit offiziell registriert sind. Die Vorsitzende des Lippischen Tierschutzvereins „Unsere Hände für viele Pfoten“, Daniela Klöpperpieper, verweist auf eine jüngst ins Leben gerufene Online-Plattform „Schlachtindustrie Deutschland“ (ein Projekt der gemeinnützigen Organisation Faba Konzepte), die Licht ins Dunkel der deutschen Schlachtindustrie bringt: Eine interaktive Karte zeigt die Konzerne und ihre langjährigen und vielfältigen Verfehlungen auf.
So entsteht eine Datenbank für NGOs (private, meist gemeinnützige Zusammenschlüsse), Umweltverbände, soziale Bewegungen und Modellregionen. Ziel von Faba Konzepte ist es, eine Transformation unseres Ernährungssystems herbeizuführen.
Der griechische Philosoph und Mathematiker Pythagoras sagte vor rund 2.500 Jahren: „Alles, was der Mensch den Tieren antut, kommt auf den Menschen wieder zurück.“ Damit haben Pythagoras‘ Worte auch heute noch den Nagel auf den Kopf getroffen, denn die industrielle Massentierhaltung ist sowohl Tierquälerei als auch eine Gefahr für Wasser, Luft, Erde und somit auch für die Gesundheit des Menschen: Die Megaställe sind eine Brutstätte für Krankheiten.
Unmengen an Gülle, die auf die Felder ausgebracht werden, kontaminieren Böden, Gewässer und Grundwasser mit giftigen Nitraten, Antibiotika und multiresistenten Keimen, die von dort in die Pflanzen und somit in die Nahrungskette gelangen. In Deutschland sterben jährlich Tausende Menschen, weil Antibiotika bei ihnen nicht mehr wirken. So hängt alles mit allem zusammen – von der Würde des Schweins bis hin zur Infektion des Menschen mit resistenten Bakterien.





