
Kreis Lippe. Die Kreispolizeibehörde Lippe hat am gestrigen Montag, 2. März, die jährliche Kriminalstatistik für das vergangene Jahr vorgestellt. Obwohl die Straftaten insgesamt angestiegen sind, ist Lippe immer noch die viertsicherste Region in NRW.
Trotz des Anstiegs von Straftaten wie Wohnungseinbrüchen und Betrügereien im vergangenen Jahr sei Lippe immer noch sehr sicher, startete Landrat Meinolf Haase die Runde. Polizeidirektor Alexander Fenske und Kriminaloberrat Peter Hentschel stellten dann die Polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2025 für den Kreis Lippe vor.
Insgesamt wurden 16.156 Straftaten im Zuständigkeitsbereich der Kreispolizeibehörde Lippe registriert. Das ist im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 796 Taten oder 5,18 Prozent. „Im Langzeitvergleich liegt die aktuelle Zahl noch im mittleren Bereich und macht Lippe zum viertsichersten Kreis in NRW“, so Peter Hentschel.
7.379 Tatverdächtige konnten ermittelt werden. Dies führte insgesamt zu einer Aufklärungsquote von 58,36 Prozent, was bedeutet, dass nur rund jeder zweite Fall aufgeklärt werden konnte. Die Aufklärungsquote liegt damit noch knapp unter dem Vorjahreswert von 59,54 Prozent, jedoch deutlich über dem Mittelwert der Kreispolizeibehörde Lippe in den vergangenen zehn Jahren (58,04 Prozent) sowie klar über der landesweiten Aufklärungsquote im Jahr 2025 von 53,69 Prozent, sagte der Kriminaloberrat.
Die Kriminalitätshäufigkeitszahl, also die Anzahl der bekannt gewordenen Delikte pro 100.000 Einwohner, hat sich aufgrund der reduzierten Bevölkerungszahl von 4.391 (im Vorjahr) auf 4.654 erhöht.
„Lippe kein kriminalitätsfreier Raum“
Kriminaloberrat Peter Hentschel betont: „Der Kreis Lippe ist kein kriminalitätsfreier Raum, aber weiterhin eine vergleichsweise sehr sichere Region. Die Entwicklungen in den einzelnen Deliktsbereichen beobachten wir ständig und passen unsere Maßnahmen entsprechend an. Ich freue mich, dass wir unsere erfolgreiche Ermittlungs- und Aufklärungsarbeit auch im Jahr 2025 fortsetzen konnten – und das trotz gestiegener Fallzahlen und einer komplexen Umstellung der Abläufe hin zu einer rein elektronischen Aktenführung im laufenden Betrieb.“
Erneut sind die Straftaten im Bereich der sexuellen Selbstbestimmung angestiegen. Dies betrifft Missbrauchsdarstellungen, sexuelle Übergriffe, Nötigungen und Vergewaltigungen. Rückläufig waren die Bereiche Kindesmissbrauch, Exhibitionismus und sexuelle Belästigung.
Der Trend zu steigenden Zahlen bei den Rohheitsdelikten setzt sich auch für das Jahr 2025 fort. Allein bei den Körperverletzungen wurde ein Anstieg von 5,33 Prozent auf 2.074 Taten verzeichnet. Bei etwa zwei Dritteln der insgesamt 2.369 Opfer von Körperverletzungen existierte vor der Tat eine räumliche oder soziale Beziehung zu den Tätern, nur bei einem Drittel waren die Täter für das Opfer völlig unbekannt.
Gewalt hinter verschlossenen Türen
Immer noch findet viel Gewalt hinter verschlossenen Türen in Familien und Partnerschaften statt. Die Hälfte der 1.004 Frauen wurde Opfer innerhalb der Partnerschaft oder Familie. Straftaten mit Messern oder Hieb- und Stichwaffen sind leicht rückläufig. Dort soll die Präventionskampagne „#BesserOhneMesser“ auch weiterhin insbesondere im Zusammenhang mit Volksfesten und anderen öffentlichen Veranstaltungen fortgesetzt werden.
Eigentumsdelikte stiegen insgesamt deutlich an. Vor allem die Wohnungseinbrüche haben um 55,25 Prozent zugenommen. Erfreulich sei dabei jedoch, dass viele Taten im Versuchsstadium stecken bleiben würden. Das liege auch an der verbesserten Sicherung der Wohnräume. Ein Trend, der die Wirksamkeit der Einbruchsprävention der Polizei mit der Beratung zur Einbruchssicherung belegt.
Fahrraddiebstähle wurden 2025 etwas weniger verzeichnet, doch sei eine gute Sicherung der Fahrräder immer noch wichtig. Weil viele Menschen inzwischen sehr hochwertige E-Bikes fahren, die bei Dieben besonders begehrt sind, sind die Schadenssummen deutlich angestiegen.
Zu den schwer aufklärbaren Delikten gehört der Diebstahl an/aus Kraftfahrzeugen. Dort ist für 2025 im Vergleich zum Vorjahr eine Steigerung um 8,29 Prozent festzustellen. In 88 von 666 Fällen blieb es beim Versuch. Viele Diebstähle erfolgten aber aus unverschlossenen Fahrzeugen. Analog zu den Fahrraddiebstählen sei auch an dieser Stelle die Tendenz zur Professionalisierung erkennbar, so Hentschel. Die Schadenssumme stieg überproportional stark um 135,66 Prozent auf 813.707 Euro. Nur knapp neun Prozent der Taten konnten aufgeklärt werden.
Gewalt gegen Einsatzkräfte nimmt zu
Ein immer größer werdendes Thema ist der Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und gleichstehende Personen. Die Zahlen sind im Jahr 2025 um 29,87 Prozent angestiegen. Die Entwicklung im Kreis Lippe spiegelt somit den gesamtgesellschaftlichen Trend wider, der von einer wachsenden Gewaltbereitschaft und einem schwindenden Respekt gegenüber Einsatzkräften geprägt ist. Auch wenn tätliche Angriffe gegen eben diese im Jahr 2025 um 22,58 Prozent rückläufig waren, ist die Gewalt gegen Vollstreckungsbeamte damit insgesamt erneut angestiegen und befindet sich im Zehn-Jahres-Vergleich vorläufig auf einem neuen Höchstwert.
Auch Landrat Meinolf Haase treibt diese Entwicklung persönlich um. „Die Gewalt gegen Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr und viele mehr nimmt leider zu. Das ist in meinen Augen nicht hinnehmbar. Einsatzkräfte sorgen täglich für Sicherheit. Deshalb verdienen sie einen respektvollen Umgang. Wir müssen alles daransetzen, dass sie ihren Dienst sicher verrichten und gesund nach Hause zurückkehren können“, sagte er.
Im Bereich der Betäubungsmittelstraftaten ist nach Einführung des „Cannabisgesetzes“ ein deutlicher Rückgang zu verzeichnen. Der illegale professionelle Handel mit Betäubungsmitteln floriert aber weiterhin. Umfangreiche Ermittlungsverfahren der Polizei Lippe mit hohen Sicherstellungsmengen verschiedener Substanzen (auch Cannabis) belegten auch im Jahr 2025 ein weiterhin lukratives kriminelles Geschäftsfeld.
Die Vermögens- und Fälschungsdelikte sind im Jahr 2025 im Zehn-Jahres-Vergleich auf einen neuen Höchstwert angestiegen. Die Steigerung vom Vorjahr betrug damit ein Plus von 9,32 Prozent. Rund die Hälfte der Delikte (49,57 Prozent) konnte aber aufgeklärt werden.
Für 1.158 dieser Taten wurde das Internet benutzt. Betrüger würden sicherlich auch in den kommenden Jahren stark aktiv sein. Vorsicht sei also geboten, da auch viel über das Ausland laufe. Ein Großteil der 1.623 Taten betraf 2025 Vermögens- und Fälschungsdelikte (1.321), aber auch Erpressungen auf sexueller Grundlage (127), Datenveränderungen (78) und Ausspähen von Daten (57).
Dies alles seien klassische, aus dem Ausland heraus begangene Delikte. Aufgrund der deutlich erschwerten Ermittlungsmöglichkeiten betrug die Aufklärungsquote bei Auslandsstraftaten im Jahr 2025 lediglich 5,05 Prozent. Landrat Haase bedankte sich am Ende der Pressekonferenz für die gute Arbeit der Polizei.




