So sollte man es nicht machen: Eine offene Mülltonne wie auf diesem Symbolfoto zieht Schädlinge wie Ratten an. Dicht schließende Abfallbehälter, abgedeckte Regentonnen und sorgfältig verschlossene Spalten tragen dazu bei, einen Befall zu verhindern. Foto: KI-generiert

Detmold. Nichtkundige Privatpersonen dürfen seit diesem Jahr keine sogenannten Rodentizide mehr verwenden. Diese Mittel, auch als Rattengift bekannt, dürfen seit dem 1. Januar privat weder gekauft noch ausgelegt werden. Aus gutem Grund, denn diese Mittel töten nicht nur Ratten, sondern gefährden auch Haustiere, Greifvögel und die Umwelt.


Das Verbot sei nicht unvorhergesehen gekommen, berichtet Sandra Detert vom Team Betrieb Kanal bei der Stadt Detmold: „Seit 1998 gibt es EU-weite Vorschriften, die Schritt für Schritt immer strenger wurden. Das Verbot der Nutzung für Privatleute war der nächste logische Schritt.“

Die Expertin der Stadt kennt die Hintergründe: „Rodentizide der ersten Generation haben durch unsachgemäße Anwendung und willkürliche Ausbringung ihre Wirksamkeit verloren, es haben sich über die Jahre Resistenzen gebildet. Diese Giftköder stellen eher eine attraktive Futterquelle dar, als dass sie die Population eliminieren“, erklärt Sandra Detert. Eingesetzt werden nach wie vor Rodentizide der zweiten Generation. Diese sind ausschließlich sachkundigen Schädlingsbekämpfern vorbehalten!

Gift bekämpft nur Symptome

Ein undichtes Dach, das nicht repariert wird, sondern unter dem eindringendes Wasser nur notdürftig in Eimern aufgefangen wird, führt unweigerlich zu weiteren Problemen: Mit der Zeit laufen die Eimer über, der Boden wird feucht und die Wände beginnen zu schimmeln.

Ähnlich verhält es sich mit dem Einsatz von Rattengift: Zwar werden möglicherweise einige Tiere abgetötet, doch so lange die Ursachen wie leicht zugängliche Nahrungs- und Wasserquellen und Versteckmöglichkeiten bestehen bleiben, folgen stets neue Ratten.

Die Stadt Detmold setzt deshalb seit vielen Jahren auf Prävention als wichtigsten Hebel zur Bekämpfung von Ratten – und das aus gutem Grund: „90 Prozent aller Rattenprobleme ließen sich vermeiden, wenn den Tieren ihre Lebensgrundlage entzogen würde“, klärt Sandra Detert auf.

Das bedeutet konkret:

  • kein Futter anbieten: Mülltonnen immer verschließen, keine Essensreste offen liegen lassen, Tierfutter nicht dauerhaft draußen stehen lassen, keine Essensreste auf dem Kompost oder in der Toilette entsorgen, auf Vogelfutter ganzjährig möglichst verzichten – nur bei Frost füttern.
  • Kein Wasser bereitstellen: Regentonnen abdecken, tropfende Wasserhähne reparieren.
  • Keinen Unterschlupf ermöglichen: Unrat wegräumen, Holzstapel umschichten, Gartenlaube kontrollieren, Bodendecker, Hecken und Büsche zurückschneiden, Kellerluken vergittern, Spalten und Löcher verschließen, Hohlräume am Haus und unter der Terrasse abdichten.
  • Bei Sichtung auf dem eigenen Grundstück: Ruhe bewahren, oben genannte Vorkehrungen treffen, weiter beobachten, Mieter wenden sich zunächst an ihre Vermieter.
  • Erste Hilfe für Hauseigentümer: In den Versicherungsunterlagen nachschlagen, ob die Beauftragung eines sachkundigen Schädlingsbekämpfers anteilig oder ganz abgedeckt ist. Wenn oben genannte Vorkehrung nicht ausreicht, können zu jeder Zeit Schlag- und Lebendfallen aufgestellt werden. Als letzte Maßnahme sollte ein sachkundiger Schädlingsbekämpfer beauftragt werden.
  • Bei Sichtung im öffentlichen Raum: dem Ordnungsamt mitteilen, wo Ratten gesichtet wurden.

Was die Stadt Detmold unternimmt

Die Stadt Detmold verfolgt nach eigener Aussage ein durchdachtes, integriertes Konzept, um Rattenpopulationen nachhaltig zu begegnen. Dazu gehöre eine saubere Innenstadt durch konsequente Müllentsorgung, Straßenreinigung, Ahndung wilder Müllablagerung sowie regelmäßige Kontrollen der Kanäle. Gleichzeitig würden öffentliche Gebäude systematisch abgedichtet.

Weitere zentrale Bausteine seien die Durchführung fachübergreifender Bekämpfungsmaßnahmen und die Aufklärung aller Akteure, der Bürger der Stadt Detmold.

Zusammenarbeit als Schlüssel

Nur durch das gemeinsame Engagement aller ließe sich das Problem dauerhaft lösen. Statt wahllos Gift zum Einsatz zu bringen, setzten die städtischen Experten auf das jährliche Monitoring im Kanal; Hotspots würden unterirdisch identifiziert und passende Maßnahmen ergriffen.

Des Weiteren erfolge oberirdisch eine gezielte und sichere Giftausbringung in Kooperation mit den beauftragten Schädlingsbekämpfern externer Unternehmen, so dass sich Ratten nicht unkontrolliert vermehren könnten. Ein wirksames, umweltfreundliches System, das auf Prävention und Kooperation basiere.

Sandra Detert verdeutlicht anhand einer Beispielrechnung, wie sehr das Gesamtergebnis vom Mitmachen aller abhängt: „Die Entwicklung einer Rattenpopulation kann unter drei unterschiedlichen Bedingungen sehr verschieden verlaufen: Wenn nichts unternommen wird, vermehren sich die Tiere explosiv – aus nur zehn Weibchen können innerhalb eines Jahres bis zu 110 neue Weibchen entstehen. Wird allein die Müllentsorgung verbessert, verlangsamt sich das Wachstum zwar, aber es bleiben immer noch etwa 35 Weibchen übrig. Werden hingegen alle präventiven Maßnahmen kombiniert, also Nahrungsquellen beseitigt, Wasserzugänge unterbunden und Verstecke verschlossen, geht die Population spürbar zurück und stabilisiert sich auf einem deutlich niedrigeren Niveau von nur zehn bis 20 Weibchen.“

Der entscheidende Punkt dabei: Ratten benötigen drei grundlegende Dinge, um sich erfolgreich zu vermehren: Nahrung, Wasser und Schutz. Fehlt auch nur eine dieser Komponenten, können sie sich nicht mehr ungehindert ausbreiten.

Einfache Maßnahmen, große Wirkung

Die neuen Regeln zur Verwendung von Rattengift, so die Expertin, sei aus städtischer Sicht keine Schikane, sondern eine Chance: Durch die Verschärfung und den Wegfall „Verkauf und Vertrieb wenig wirksamer Gifte“ reduziert sich ein Nahrungsquellenangebot, welches chemisch höchst bedenklich ist und stets im Verborgenen blieb.

Durch den präzisen Einsatz von Schlag- und Lebendfallen wird die Eliminierung der Population sichtbar, die Ausbringung der Gifte durch Sachkundige erfolgt geschult, wirksam und umweltverträglich nach Vorgaben des Tierschutzes. Der Stoff wird bewusst als Gefahrstoff erkannt und ebenso eingesetzt.

Sandra Detert betont: „Selbst im Kanal sind wir nun angehalten, den Giftköder so einzubringen, dass er nicht in Kontakt mit dem Abwasser kommt, denn er wird nicht in der Kläranlage abgebaut. Statt Gift einzusetzen, das die Umwelt belastet und nur kurzfristig wirkt, können wir alle langfristig etwas bewegen, umwelt- und gesundheitsbewusst mit einfachen Maßnahmen, die große Wirkung haben.“

Die Stadt Detmold steht Bürgern bei diesem Thema beratend zur Seite und bietet umfassende Informationen, individuelle Beratung sowie praktische Tipps an. Für nähere Informationen ist Sandra Detert telefonisch unter 05231/977-462 erreichbar. Auch die Mitarbeiter des Stadtkontakts, des Bürgerservices oder des Ordnungsamtes sind für die Bürger als Ansprechpartner erreichbar.