Frei und inmitten der Gäste trägt die Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) sowie Parlamentarische Staatssekretärin, Gitta Connemann, ihren engagierten Vortrag anlässlich des Jahresempfangs der CDU Lemgo vor. Foto: Reiner Toppmöller

Lemgo. Der Jahresempfang der CDU Lemgo hat sich in den vergangenen Jahren zu einem festen Treffpunkt für Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Gesellschaft entwickelt.


In den Räumen der Firma M-Group, Am Bauhof 21, einem inhabergeführten Mittelstandsbetrieb, begrüßte der Vorsitzende der CDU Lemgo, Steven Grimshaw, neben der lippischen Bundestagsabgeordneten Kerstin Vieregge, Landrat Meinolf Haase und Lemgos Bürgermeister Markus Baier in diesem Jahr auch Gitta Connemann als Festrednerin.

Die Bundestagsabgeordnete ist Bundesvorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsunion (MIT) sowie Parlamentarische Staatssekretärin im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie und Beauftragte der Bundesregierung für den Mittelstand. In ihrer Festrede ging sie besonders auf die aktuelle wirtschaftspolitische Lage sowie auf die Bedeutung von Mittelstand, Innovation und Unternehmertum ein.

Jahresempfang der CDU Lemgo: Der Vorstand zusammen mit Ehrengästen und den beiden geehrten langjährigen Mitgliedern. Foto: Reiner Toppmöller

„Mit Gitta Connemann begrüßen wir eine der profiliertesten Stimmen für den Mittelstand in Deutschland. Gerade in Zeiten hoher Energiepreise, zunehmender Bürokratie und Fachkräftemangels setzt sie sich mit Nachdruck für bessere Rahmenbedingungen für unsere Unternehmen ein“, sagte Steven Grimshaw in seiner Begrüßungsrede.

Die Staatssekretärin überraschte die zahlreichen Gäste nicht nur mit einem „Moin“ aus ihrer Heimat Ostfriesland, sondern auch damit, dass sie das Mikro griff, hinter dem Pult hervortrat und ihre Festrede frei inmitten der Runde hielt.

Wie zu erwarten lobte sie den deutschen Mittelstand mit seinen vielen familien- und inhabergeführten Betrieben. „Von den circa 3,87 Millionen Betrieben in Deutschland sind 90 Prozent Mittelstandsbetriebe. Sie sind da, sie sind Heimat und sie genießen das Vertrauen an ihren Standorten“, sagte sie.

Weiter sprach sie die Probleme bei der Mitarbeitergewinnung an und erklärte, dass es bei 1,27 Millionen gemeldeten offenen Stellen in Deutschland rund 400.000 Nettozuwanderungen pro Jahr bräuchte, um den Facharbeitermangel aufzufangen. Sie lobte die Initiative der Firma M-Group, die seit dem Jahr 2023 Facharbeiter aus Ghana generiert und sich nicht nur um die Ausbildung, sondern auch um deren soziale Integration kümmert.

„Auf Bundesebene versuchen wir, diese Wachstumsbremse aufgrund des Facharbeitermangels mit einem neuen Programm, das ’Work and Stay’ heißt, zu begegnen. Wir werden die Einwanderung von Facharbeitern und deren Anerkennung durch eine neue digitale Agentur vereinfachen und das bundesweit“, so die Staatssekretärin.

Außerdem, so Gitta Connemann, arbeite die Regierung daran, auch andere Dinge in Bewegung zu bringen. Die Aktivrente sei ein erster Schritt, Menschen im Beruf zu halten, statt sie mit ihrer Erfahrung in die Rente zu schicken. Auch die Umstellung des Bürgergeldes auf die Grundsicherung gehöre dazu, Fehlanreize zur Nichtarbeit abzuschaffen.

Natürlich fehlten auch die Themen Teilzeit und Krankschreibung nicht, die seit Monaten durch alle CDU-Ebenen gehen. Unter Applaus forderte sie die Abschaffung der telefonischen Krankschreibung: „Wir können es nicht mehr hinnehmen, dass gerade die meisten Kranktage Freitag und Montag sind. Damit werden alle anderen Leistungsträger bestraft“, sagte sie, bevor sie die hohen Energiekosten und den Bürokratierückbau besonders für den Mittelstand ansprach.

„Allein 99.000 Vorschriften bundesweit, dazu die von der EU und des jeweiligen Bundeslandes, lähmen die Arbeit unserer Betriebe und schaffen Frustration und Wut. Es muss jetzt um den Bürokratierückbau gehen, den Bürokratieabbau glaubt uns sowieso keiner mehr“, forderte sie. Letztlich sprach sie noch das Thema Erbschaftssteuer an und meinte, eine Erhöhung sei Gift für die Wirtschaft.

Steven Grimshaw nutzte die Veranstaltung am Ende noch dafür, zwei langjährige Mitglieder zu ehren. Für ihre 25-jährige respektive 50-jährige Mitgliedschaft wurden Roman Paschek und Werner Schnüll geehrt.

Im Anschluss an den offiziellen Teil hatten die Teilnehmer des Empfangs noch Gelegenheit, sich bei Getränken und einem großzügigen Büfett auszutauschen.