Kreis Lippe. Während die Dechen in Lügde noch das Stroh für die Osterräder stopfen, setzt er bereits zum Endspurt an: der Osterhase. Von der Gauseköte bis zur Weser ist er aktuell der Mann (oder Hase) der Stunde.
Die LIPPISCHE WOCHENZEITUNG (LWZ) hat ihn bei einer kurzen Verschnaufpause zwischen frühlingssprießenden Feldern und sonnenverwöhnten Auen abgefangen. Ein exklusives Gespräch über seine Route durch unsere 16 Städte und Gemeinden, über Logistik-Herausforderungen im Lipperland und die besten Verstecke zwischen Detmold und Schwalenberg (die übrigens auch im Rest des Jahres immer einen Besuch wert sind).
LIPPISCHE WOCHENZEITUNG (LWZ): Meister Lampe, man sieht Sie zurzeit häufig im Kreis Lippe. Wie läuft’s?
Osterhase: Alles bestens. Die hiesigen Hennen lagen mustergültig im Zeitplan und haben formschöne 1A-Qualitätseier geliefert. Aber eins sage ich Ihnen, in Lippe braucht’s wahrlich Kondition. Die Anbindung dieses wunderschönen Fleckchens Erde an den Rest der Welt lässt mitunter zu wünschen übrig. Die Wege hier haben es in sich. Rauf, runter, hin, her. Baustellen ohne Ende. Andererseits: Ich bin ja im Querfeldein erprobt … Und bei dieser grandiosen Kulisse arbeitet es sich fast von selbst (deutet begeistert über die bewaldeten Hügelketten).
LWZ: Wo haben Sie heute Morgen angefangen?
Osterhase: Ich habe den Sonnenaufgang am Hermannsdenkmal genossen. Kaum zu toppen, sage ich Ihnen. Der Blick von der Aussichtsplattform über den Teutoburger Wald ist unschlagbar. Nicht verraten: Ich habe „dem Hermann“ ein paar Eier direkt zu Füßen gelegt. Anschließend ging es steil bergab Richtung Detmold.
LWZ: Das Detmolder Schloss steht sicher auch auf Ihrer Liste?
Osterhase: Absolut! Auf dem Schlossplatz muss man beim Verstecken allerdings strategisch vorgehen, damit die Touristen nicht schneller sind als die Kinder. Doch der aufgehübschte Park und die alten Mauern bieten fantastische Nischen für die bunten Eier.
LWZ: Uns kam zu Ohren, Sie hätten dieses Jahr ein besonderes Transportmittel genutzt?
Osterhase: Uups. Erwischt! War ja klar, bei den vielen Menschen dort … Oerlinghausen ist immerhin einer der größten Segelflugplätze weltweit. Aber die Thermik war einfach zu verlockend. Ich habe mich kurzzeitig eingeklinkt, um meine Pfoten zu schonen. Von so hoch oben sieht man erst mal so richtig, wie herrlich Lippe ist. Diese ausgedehnten Wälder und artenreichen Wiesen sind für uns Hasen ja ohnehin das reinste Paradies. LIP halt, wie es so schön heißt … Da lässt es sich aufs Schönste im hohen Gras abtauchen.
LWZ: Gab es auch ruhigere Momente auf Ihrer Tour?
Osterhase: Ja, in Blomberg zum Beispiel. Die ehemalige Klosterkirche hat eine ganz besondere Atmosphäre. Allein schon dieser Straßenname: Im Seligen Winkel … Da wird man beim Verstecken fast ein bisschen andächtig. Eigentlich traut man sich fast gar nicht, schließlich steht hinter dem bunten Treiben die frohe Botschaft der Auferstehung, die Ostern seinen tiefen Sinn verleiht. Es ist so friedlich dort in der Kirche. Perfekt, um sich mal kurz mit einer Karotte zu stärken, bevor es weiter nach Lemgo ging.
LWZ: Lemgo ist ja unter anderem bekannt für das Hexenbürgermeisterhaus. Da waren Sie auch. War das nicht ein bisschen unheimlich?
Osterhase: Ach was, die Architektur ist beeindruckend! Die prächtige, im Stil der Weserrenaissance gestaltete Ostfassade ist ein echter Hingucker. Ich habe dort besonders gut darauf geachtet, dass die Optik der Eier mit dem farbig gefassten Figurenschmuck harmoniert. Ein bisschen Ästhetik muss sein, wenn man in so einer geschichtsträchtigen Stadt unterwegs ist.
LWZ: Was ist die schwierigste Aufgabe in Ihrem Job?
Osterhase: Definitiv die Versteck-Diplomatie. Die Eier dürfen nicht so gut versteckt sein, dass sie etwa erst beim Rasenmähen im August gefunden werden, aber auch nicht so offensichtlich, dass der Hund sie zuerst entdeckt. Das ist eine mathematische Präzisionsarbeit.
LWZ: Was macht Lippe für einen Osterhasen so besonders?
Osterhase: Es ist die Mischung. Man hat diese markanten Wahrzeichen, die mir als Orientierungspunkte dienen, und dazwischen diese endlosen Naturflächen. Ob ich nun durch die Senne-Landschaft bei Augustdorf flitze oder mich durch die dichten Forste bei Horn-Bad Meinberg schlage, es wird nie langweilig. Und die Lipper sind ein herzliches Völkchen, gar nicht so stur, wie man ihnen nachsagt. Die wissen ein gutes Versteck noch zu schätzen!
LWZ: Vielen Dank für das Gespräch, Meister Lampe. Und viel Erfolg beim Endspurt!
Osterhase: Danke! Ich muss denn jetzt auch los: Der Schwalenberger Burgberg wartet auf mich. Und ins Extertal muss ich auch noch. Adieu! Ganz viel warmes, sonniges Frühlingsgefühl wünsche ich allen. Frohe Ostern, Lippe!
Das Interview führte Karen Hansmeier.





