
Detmold. Es ist noch früh an diesem Tag im April. Eben erst hat sich ein neuer Morgen aus der Nacht geschält. Ein scharfer Wind weht über die taunassen Wiesen, während das Sonnenlicht dem Vormittag allmählich Farbe verleiht.
Die Luft ist klar und kühl und gefüllt von der stillen Erwartung der kleinen Schar, die um Pfarrer Dr. Dr. Markus Jacobs versammelt ist, der in Kooperation mit dem Institut St. Bonifatius (Kupferberg) und dem Pastoralverbund Lippe-Detmold zu einem Vogelstimmenspaziergang eingeladen hat.
Vogelkundliche Exkursionen werden oft als rein wissenschaftliche Angelegenheit betrachtet: Bewaffnet mit Bestimmungsbuch und Fernglas halten die Teilnehmer Ausschau nach gefiederten Wald-, Feld- und Wiesenbewohnern und lassen sich von erfahrenen Vogelkundlern etwas über die Merkmale der Arten sowie ihren Gesang erläutern.

Doch wer einmal in der Morgendämmerung in einem erwachenden Wald gestanden hat, weiß, dass diese Erfahrung weit über das rein Analytische hinausgeht. Nicht umsonst hat Dr. Dr. Markus Jacobs seine Führung „Vogelstimmenspaziergang“ genannt und nicht „Exkursion“. Schon die Bezeichnung impliziert Entspannung, lässt Leichtigkeit fühlen statt Lerndruck.
Achtsamkeit und Schönheit
„Dieser Vormittag dient zu mehr als dem Auffinden von Vögeln und dem Abhaken einer größtmöglichen Menge von Namen. Es ist ein Zustand der Wachsamkeit und des Eintauchens in die Schönheiten der Schöpfung Gottes“, erläutert der Theologe, der sich in mehr als 30 Jahren ein umfangreiches ornithologisches Wissen angeeignet hat, das er erfrischend bodenständig und ohne „Elfenbeinturm-Attitüde“ lebendig zu vermitteln weiß. Langsames Gehen, häufiges Stehenbleiben und ruhiges Beobachten. Lauschen.
Denn nicht die Augen stehen an diesem Tag als Instrument im Mittelpunkt, sondern die Ohren. Bereits nach den ersten Schritten zwischen lichten Buchen und hohen Kiefern verändert sich die Wahrnehmung. Die Gruppe lernt, die Peripherie des Blickfelds zu nutzen, auf das Knacken eines Zweiges und auf das leiseste Rascheln im trockenen Laub zu achten. Gefangen vom Spiel von Licht und Schatten, vom Wispern und Raunen, beginnen die Teilnehmer, den eigenen Rhythmus dem der Natur anzupassen. Das Gehör wird feiner, die Sinne aufmerksamer.
Der Flug des Rotmilans
Da! Da war es wieder. „Twiht-twiht …“, dieser laute, pfeifende Ruf. Was mag das sein? „Ein Kleiber“, klärt Dr. Dr. Markus Jacobs auf. Gerade noch mit dem bloßen Auge zu erkennen, können die „Spaziergänger“ zudem beobachten, wie der kleine blau-grau-orange Geselle etwas schafft, was ihm kein anderer Vogel nachmachen kann: kopfüber einen Baumstamm hinabzuklettern.
Viele Artgenossen des agilen, auch Spechtmeise genannten Vogels ließen sich indes nicht blicken – anwesend waren sie dennoch: Dr. Dr. Markus Jacobs machte auf Gesang und Rufe von Sing- und Misteldrossel, Rotkehlchen, Hohltaube, Buchfink oder Schwarzspecht aufmerksam, deutete nach rechts, links, oben, unten … dort lokalisierte er einen Eichelhäher, hier eine Kohlmeise: „Wenn wir für unsere Ohren dieses Stimmengewirr erst einmal geordnet haben und die einzelnen Vögel etwas besser verstehen können, entdecken wir plötzlich die Gegenwart von Tieren, die wir mit unseren Augen nicht wahrgenommen hätten. Es eröffnet sich eine ganz neue, magische Welt“, tröstet er den ein oder anderen, der ob der Vielfalt der Eindrücke mitunter schlichtweg überfordert war.
Dass Magie auch lautlos daherkommen kann, davon zeugte wenig später das unvermittelte Erscheinen eines Rotmilans am makellos blauen Himmel: Gebannt sah die Gruppe dem Flug des eleganten Greifvogels zu, der sich als ein wahrer Ästhet der Lüfte bewies. Ohne jeglichen Flügelschlag, getragen einzig von der Thermik, glich er der Verkörperung von Können, Vertrauen und Freiheit.
Unterwegs im „Konzert der Schöpfung“
Nicht nur in diesem Moment waren die Teilnehmer eingeladen, das Fernglas beiseite zu legen, innezuhalten und die eigene Existenz in einem größeren Kontext zu verankern. „Es ist ein tiefes Gefühl der Dankbarkeit“, fasst eine Teilnehmerin ihr Erleben in Worte. „Wenn man begreift, mit welcher Perfektion so ein kleiner Vogel singt, spürt man, dass wir Teil eines großen, wunderbaren Ganzen sind.
Und man nimmt nicht nur das Wissen um Vogelarten mit nach Hause, sondern eine innere Weite.“ Nicht zuletzt schärfte der Vogelstimmenspaziergang den Blick für die ethische Verantwortung: „Der achtsame Blick auf die Natur verändert unsere Perspektive auf die Welt. Wer mit offenem Herzen durch den Wald geht, sieht dort nicht nur ein Ökosystem, sondern einen Ort, an dem die Seele zur Ruhe kommen kann“, ist Dr. Dr. Markus Jacobs sicher.



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