
Detmold/Lemgo. Teilhabe am Arbeits- und Privatleben sowie echte Integration in die Gesellschaft gehören zu den zentralen Anliegen von Inklusion. Dass blinde und sehbehinderte Menschen weiterhin mit vielen Barrieren konfrontiert sind, zeigt sich nicht zuletzt im Alltag, etwa durch fehlende oder kaum erkennbare Hilfsmittel im öffentlichen Raum.
Seit nunmehr 100 Jahren setzt sich der Lippische Blinden- und Sehbehindertenverein e. V. für die Interessen dieser Menschen ein. Der Verein mit Sitz am Kiefernweg in Detmold-Heidenoldendorf verbindet Wohnangebote mit verschiedenen, nach Farben gegliederten Werkstätten und legt einen Schwerpunkt auf berufliche Förderung. Ziel ist es, individuelle Fähigkeiten zu entdecken und Tätigkeiten zu finden, die den Menschen entsprechen und Perspektiven eröffnen.
Wie vielseitig diese Förderung sein kann, zeigte ein Malworkshop, der von Februar bis Mitte April stattfand. Acht blinde und sehbehinderte junge Erwachsene im Alter zwischen Anfang 20 und 39 Jahren setzten sich dabei künstlerisch mit Farbe, Form und Material auseinander.
Initiiert wurde das Projekt durch eine Begegnung zwischen Vereinsvorstand Torben Asmus und dem Lemgoer Künstler Antonio Ugia auf dem Detmolder Inklusionsfest im vergangenen Jahr. Aus dem Gespräch entstand eine Zusammenarbeit, die über den Workshop hinaus angelegt ist. Entstanden sind mehr als 30 farbenfrohe und zugleich fühlbare Kunstwerke auf unterschiedlichen Materialien, allesamt Unikate, die auch erworben werden können.
Gearbeitet wurde mit Fingern, Schwämmen und freien Techniken, begleitet von Mitarbeiterin Tumukisa Grundhöfer. Die Ergebnisse überraschten durch ihre Vielfalt und Ausdruckskraft. Begeistert zeigte sich auch Christian Schröter von der Karla-Wagner-Stiftung aus Gütersloh, die das Projekt spontan mit Leinwänden und Farben unterstützte. So kann nun eine weitere Gruppe von acht Teilnehmenden von dem Angebot profitieren. Zusätzlich stellt Künstler Antonio Ugia eigens geschaffene kleinere Werke zur Verfügung, deren Erlös vollständig in die Fortführung des Projekts und direkt in die Einrichtung fließt.
Bereits am 22. April startete an der Bielefelder Straße ein weiteres Malprojekt mit sechs Teilnehmenden, aus dem ebenfalls neue Arbeiten hervorgingen. Ein Teil der entstandenen Werke wird an diesem Samstag, 25. April, von 11 bis 15 Uhr im Zelt des Vereins auf dem Inklusionsfest auf dem Kaiser-Wilhelm-Platz ausgestellt. Dort werden auch Antonio Ugia sowie zwei blinde Künstler aus dem ersten Workshop anwesend sein und Einblicke in ihre Arbeit geben.
Das Inklusionsfest versteht sich als Tag der Begegnung und des Austauschs. Rund um die Kirche präsentieren sich zahlreiche Initiativen und Vereine, es gibt Mitmachaktionen sowie um 11 Uhr den sogenannten „Hermi-Lauf“. Zuvor startet um 10 Uhr unter dem Motto „Menschenrechte sind nicht verhandelbar – Inklusion geht uns alle an!“ eine Demonstration vom Hasselter Platz durch die Innenstadt, organisiert vom Werkstattrat der Lebenshilfe Detmold und dem Verein Beratung und Selbst‑Hilfe Lippe.
Ergänzt wird das Kunstprojekt durch einen gemeinsamen Ausflug der Teilnehmer am 6. Mai nach Lemgo, unter anderem ins Weserrenaissance-Museum Schloss Brake und in das Atelier des Künstlers.




