Eindrucksvolle Aktion: Die Stadtwerke Detmold rüsten alte Schornsteine ab. Dazu braucht man einen Fachmann wie Bereichsleiter Matthias Wallner (unten rechts) und einen mutigen Monteur, der mit dem Kran-Korb in schwindelnder Höhe operiert (links oben). Collage: Hajo Gärtner

Detmold. Wenn andernorts Schornsteine mit lautem Knall und viel Staub spektakulär in sich zusammenfallen – quasi als „Feuerwerk für Fortgeschrittene“ – setzen die Stadtwerke in Detmold lieber auf die leisere, sanfte Variante: Rückbau mit Köpfchen statt Krawall. Kein Bumm, kein Zittern beim Finanzamt, kein Aufschrecken im nahe gelegenen Krankenhaus: dafür staunende Passanten in der Wotanstraße.


Zwei mächtige Kräne stehen bereit, im Gleichgewicht gehalten von satten 88 Tonnen Ballast. In luftiger Höhe balanciert ein Monteur im Korb und bereitet die Zerlegung der rund 27 Meter hohen Schornsteine in transportgerechte Drei-Meter-Happen vor. Sie werden in der Fachsprache „Schüsse“ genannt, was gefährlich klingt, aber verglichen mit der Sprengung eine sanfte Zerlegungsmethode darstellt. Außerdem bleibt das Material dabei unversehrt erhalten und erzielt vielleicht noch einen guten Preis auf dem Schrotthandel-Markt. Fünf alte Schornsteine müssen weichen und machen Platz für zwei neue, die nicht nur jünger, sondern auch deutlich effizienter sind. Weniger ist hier also tatsächlich mehr: ökologisch und ökonomisch ein echter Doppelgewinn.

Warum nicht sprengen? »Dann würde die nahe Bahnlinie, Heiz- und Umspannwerk und möglicherweise sogar das Finanzamt in Mitleidenschaft gezogen, ganz abgesehen von dem Knall-Schrecken für die Krankenhaus-Patienten«, erläutert Stadtwerke-Bereichsleiter Matthias Wallner und betont den ökologischen und ökonomischen Nutzen der neuen Kesselanlage samt zwei neuen Schornsteinen. Vor zwei Wochen seien die alten Kesselanlagen zurückgebaut worden. Mit der Modernisierung würden die Effizienz und die Emissionswerte auf ein zukunftsorientiertes Niveau gebracht. Zwei Mal 10.000 Kilowatt Leistung ersetzen die bisherigen rund 16.000 Kilowatt. Dazu komme ein Elektrokessel, der 5.000 Kilowatt puffern kann, wenn viel Sonne zu einem Überschuss an Strom führt. Dieses Plus werde sinnvoll in Fernwärme abgeführt.

»Die geplanten neuen Schornsteine sorgen für eine sichere und kontrollierte Ableitung der Abgase«, resümiert Stadtwerke-Sprecherin Eva Ellminger. Ihre Errichtung sei in etwa 8 bis 10 Wochen vorgesehen. Die Kesselanlagen selbst würden zum 1. Juni für das Heizwerk angeliefert. Der Abschluss der Gesamtmaßnahme sei für Oktober 2026 geplant.

Das »Heizwerk Mitte« an der Wotanstraße in Detmold übernimmt eine zentrale Rolle für die Versorgungssicherheit: Es stellt bei Ausfällen zusätzliche Kapazitäten (»Redundanz«) bereit und trägt insbesondere die Spitzenlast von maximal 10 Prozent der jährlich erzeugten Wärme. Diese Betriebszustände werden dabei durch die erdgasbasierten Kessel abgedeckt, die im Bedarfsfall für eine zuverlässige Wärmeversorgung notwendig sind. Rund 3.500 Haushalte können durch die Kessel-Anlage versorgt werden.