
Hameln. Eine Fliegerbombe aus dem Zweiten Weltkrieg hat am Sonntag, 26. April, eine der größten Evakuierungsmaßnahmen in der Geschichte der Stadt Hameln ausgelöst. Rund 8.500 Menschen mussten ihre Wohnungen verlassen, nachdem bei Bauarbeiten für einen Solarpark ein Blindgänger entdeckt worden war. Am Nachmittag konnte die 1.000-Kilo-Bombe schließlich unschädlich gemacht werden.
Wie der NDR unter Berufung auf die Kooperative Regionalleitstelle Weserbergland berichtete, gelang es dem Kampfmittelbeseitigungsdienst, zunächst den Sprengstoff aus der Bombe zu entfernen. Anschließend wurde der verbliebene Zünder kontrolliert gesprengt. Der Knall sei deutlich hörbar gewesen, teilte die Leitstelle mit. Gegen 17.15 Uhr konnten die Anwohner in ihre Häuser zurückkehren – nach mehr als neun Stunden Evakuierung.
Komplizierte Entschärfung unter hohem Zeitdruck
Bereits seit dem Vormittag hatten Experten geprüft, ob der Blindgänger vollständig entschärft werden kann. Die Arbeiten gestalteten sich nach Angaben der Stadt besonders schwierig, da einer der Zünder der Bombe bereits zerstört war. Höchste Präzision sei erforderlich gewesen, um kein unkalkulierbares Risiko einzugehen.
Nach Informationen des NDR lag die Bombe rund zehn Meter tief im Erdreich. Beim Aufschlag während des Zweiten Weltkriegs sei sie zerborsten, jedoch nicht detoniert. Dabei sei ein Teil des Sprengstoffs ausgetreten, erklärte Sprengmeister Thorsten Lüdeke. Für den Fall einer notwendigen Sprengung hatten die Einsatzkräfte vorsorglich mehrere mit Wasser gefüllte Seecontainer übereinandergestapelt, um die Druckwelle abzumildern.
Sperrzone von 1.500 Metern – Tausende betroffen
Die Evakuierung in Hameln gilt als die umfangreichste seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Bis 7 Uhr am Morgen mussten Anwohner das Sperrgebiet mit einem Radius von 1.500 Metern verlassen. Rund 500 Einsatzkräfte überprüften anschließend systematisch die betroffenen Straßen. Nach Angaben der Stadt mussten knapp ein Dutzend Personen von der Polizei zum Verlassen des Gebiets aufgefordert werden. Gegen 10 Uhr galt die Räumung als vollständig abgeschlossen.
Für Menschen ohne private Ausweichmöglichkeiten richtete die Stadt eine Sammelstelle in der Rattenfängerhalle ein. Dort kamen laut Stadtverwaltung etwa 400 Personen zusammen. Zusätzlich wurden Hilfsangebote für kranke und pflegebedürftige Menschen organisiert. Die Stadt hatte im Vorfeld dazu aufgerufen, Gas- und Elektrogeräte abzuschalten, Wasserhähne zu schließen und Fenster gekippt zu lassen.
Verkehr und Bahnverbindungen massiv eingeschränkt
Die umfangreichen Sicherheitsmaßnahmen hatten erhebliche Auswirkungen auf den Verkehr in und um Hameln. Seit 6 Uhr waren die Bundesstraßen B1 und B217 gesperrt, was zu weiträumigen Umleitungen und langen Fahrzeiten führte. Auch der öffentliche Nahverkehr war betroffen: Stadtbusse fuhren nach einem Sonderfahrplan. Zudem wurden laut NDR die Bahnstrecken von Paderborn nach Hannover sowie von Löhne nach Hildesheim zeitweise stillgelegt. Die Deutsche Bahn setzte Busse im Schienenersatzverkehr ein.



