Die notwendige Haushaltskonsolidierung ist nicht ohne Opfer möglich. Beratungsstellen, Bücherei, Musikschule, Sportstätten, Schwimmbäder: Alle Bereiche der freiwilligen städtischen Leistungen stehen zur Disposition. Dass die Musikschule ausschert und ihren Förderzuschuss erhöhen will, ärgert die AfD. Sie zieht einen Vergleich mit der Detmolder Musikschule, in dem die Lagenser Einrichtung geradezu als „Verschwenderin“ dasteht. Montage: Hajo Gärtner

Lage. In der jüngsten Kulturausschuss-Sitzung ging es wie erwartet hoch her: Die Fans der Musikschule füllten einen guten Teil der Schulaula und begleiteten die Wortbeiträge der Disputanten mit Äußerungen des Wohlgefallens (Applaus) und Missfallens. Sie kamen sogar zu Wort, was nicht unbedingt üblich ist. Bestätigung bekamen Musikschulleiter Stefan Albrecht und der Vorsitzende des Fördervereins Markus Krüger, während Marvin Detert von der AfD eher den Unmut des Publikums auf sich zog, aber seine Argumentationslinie stoisch durchhielt.


Die politischen Kontrahenten verfolgten verschiedene Argumenta­tions­pfade. Während Albrecht und Krüger in langen Vorträgen die Vorzüge der Musikschule und ihre Bedeutung für die Stadtge­sellschaft herausstrichen, legte Marvin Detert (AfD) den Finger in die finanzielle Wunde: Alle städtischen Institutionen seien aufge­fordert, zur Konsolidierung des Haushalts beizutragen; doch die Musikschule dränge darauf, ihren Gesamtetat und vor allem die städtische Förderung aufzustocken. Marvin Detert hat’s ausge­rechnet: von 12,33 Euro steigt der Obulus, den jeder Einwohner Lages entrichtet – egal ob er die Musikschule besucht oder nicht – auf 15,04 Euro: Das sind rund 22 Prozent mehr.  Dabei führte Detert ins Feld, dass die Stadt Detmold mit einer vergleichbar großen Musik­schule von rund 1400 Schülern die Allgemeinheit nur mit rund 9 Euro pro Nase für ihre Musikschule zur Kasse bittet.

Während Leistung und Bedeutung der Musikschule unbestritten sind – auch von Seiten der AfD -, gehen die Meinungen über das rechte Maß der finanziellen Förderung auseinander. Während Grüne und SPD jeden Betrag für gerechtfertigt zu halten scheinen, drängt die AfD auf eine Deckelung der Kosten zum Zweck der Konsolidierung des Haushalts, sowohl der Musikschule als auch der Stadt.

Wie würden sich die anderen Fraktionen verhalten? – Das war die spannende Frage. CDU und Aufbruch C meldeten Beratungs­bedarf an und waren mit dem Verweis des Themas in die Ausschüsse einverstanden. Dem konnte sich auch die AfD an­schlie­ßen, nachdem Frank Rayczik, Beigeordneter und zuständig für den Fachbereich Kultur, angedeutet hatte, dass an einer Überarbeitung der Gebührensatzung der Musikschule gewerkelt werde und dass ein abgesenkter Zuschußbedarf dabei heraus­kommen könnte. Dieses Konzept wolle die AfD nun abwarten, gab Marvin Detert bekannt; auf keinen Fall werde man eine Zuschuss­steigerung hinnehmen. Hier seine Stellungnahme im Wortlaut ⇒

KOMMENTAR

Die AfD verdient Anerkennung dafür, ins Wespennest gestochen zu haben ohne Angst vor Wespenstichen. Klar, dass deren Vertretern ein feindseliges Verhältnis zur Musikschule vorgeworfen würde. Marvin Detert hat deren Leistung für Erziehung, Bildung und gesellschaftlichen Zusammenhalt aus­drücklich anerkannt. Sogar wiederholt. Ihm gehe es nur darum, dass alle Institutionen, auch die aus dem Sektor Kultur und Soziales, ihren gerechten Beitrag zur Haushaltskonsolidierung leisten. Das Argument »Die Musikschule ist kein Unternehmen« sticht für ihn nicht: In Zeiten finanzieller Not müssen alle haushälterische Vernunft zeigen. Wenn da jemand mutwillig ausschert, weil er sich seiner kulturellen Mis­sion mehr als andere verpflichtet fühlt, handelt er schlicht instinktlos. Und daran ändert auch eine halbe Aula von begeisterten Fans nichts.

Die Forderung ist richtig, dass die Musikschule sich auf der Einnahmenseite mehr anstrengen soll, bevor sie die Ausgabenseite hochfährt. Für die gewaltigen Leistungen, die Stefan Albrecht zu recht geltend macht, sollte man doch ein angemessenes Honorar einfahren können. Schließlich ersetzt die Musikschule in Kita und Grundschulen nach seiner Darstellung ganze Heerscharen von Lehrkräften, die sonst viel Geld kosten würden. »Was nix kostet, taugt auch nix«, pflegt der Lipper zu sagen.  Dass im Haushalt der Musikschule fette 46 Prozent städtischer Mittel als Blankoscheck mageren 42 Prozent aus Gebühren (Schüler, Eltern, Musiker) gegenüberstehen, geht gar nicht. Da müsste man wenigsten pari pari erwarten. Und die Detmolder Ausgaben sollten schon ein Richtwert sein, auch wenn Lage nicht Detmold ist.  Keine Frage.