Detmold. Nach der erfolgreichen Jubiläums-Spielzeit zum 200-jährigen Bestehen des Theaters in Detmold, mit einer Festwoche im November 2025, in der 60 gut besuchte Veranstaltungen das Publikum auf vielfältige Weise einbanden, sowie insgesamt drei Uraufführungen in Musical, Ballett und Jungem Musiktheater in eben dieser Jubiläums-Spielzeit stellte Intendantin Kirsten Uttendorf nun die Pläne für die Spielzeit 2026/27 vor.
Unter dem Spielzeitmotto „Gestalten der Vielfalt“ präsentiert das Landestheater Detmold ein Programm, das die Herausforderungen der pluralistischen Gesellschaft in den Fokus nehmen möchte. Einen personellen Neustart gibt es in den Sparten Schauspiel und Ballett, konnte Kirsten Uttendorf doch mit Gustav Rueb als Schauspieldirektor und Ivan Alboresi als Ballettdirektor zwei neue Spartendirektoren gewinnen.
Kirsten Uttendorf zu den Neuberufungen: „Ich freue mich sehr auf die produktive Zusammenarbeit mit Gustav Rueb und Ivan Alboresi, die beide mit viel Elan und frischen Ideen zu uns nach Detmold kommen und einen Spielplan entwickelt haben, der unser Publikum in Detmold und bei unseren Gastspielorten sicher sehr interessieren und begeistern wird. Glücklich bin ich auch, dass beide Spartenleiter in ihren Ensembles für weitgehende Kontinuität sorgen und gern mit vielen unserer hervorragenden Künstler weiter zusammenarbeiten werden.“
Im Musiktheater werden sechs Premieren vorbereitet: Für die Eröffnungspremiere der Spielzeit, „La bohème“ von Giacomo Puccini, zeichnet Regisseurin Katharina Thoma verantwortlich. Unter der Musikalischen Leitung von GMD Per-Otto Johansson wird die international gefragte Regisseurin den Fokus auf die Ausgestaltung der Rolle der Mimì und ihrer Beziehung zu Rodolfo legen.
Mit „Der Vogelhändler“ präsentiert das Landestheater ab Oktober einen spritzigen Operettenklassiker in der Inszenierung von Hans Walter Richter. Die Geschichte der Post-Christl mit ihrem Adam aus Tirol steckt voll von musikalischen Leckerbissen und einer gehörigen Portion Humor.
In einer Kammerfassung erlebt im Dezember die komische Oper „Don Pasquale“ von Gaetano Donizetti ihre Premiere im Detmolder Sommertheater. Diese Fassung, arrangiert von Chordirektor Francesco Damiani, bringt große Oper auch in kleinere Spielstätten.
Im Februar 2027 folgt dann die Premiere von Benjamin Brittens „Peter Grimes“ unter der Musikalischen Leitung von Per-Otto Johansson und in der Regie von Philipp Westerbarkei. Die 1945 entstandene Oper lässt die Suche und die Kämpfe nach einem Platz in einer geschlossenen Gesellschaft anklingen und besticht durch ihre packende Atmosphäre.
Mit „L’Amour de loin“ von Kaija Saariaho kehrt Regisseur Dirk Schmeding nach Detmold zurück. In dieser ersten Oper der 2023 verstorbenen finnischen Komponistin verschmelzen instrumentale, elektronische und vokale Musik tonmalerisch zu Momenten höchster Gefühle, ein betörendes Erlebnis, das lange nachhallt.
Den Abschluss im Premierenreigen des Musiktheaters bildet ein Musical-Klassiker: „Anatevka“ unter der Musikalischen Leitung von Mathias Mönius und in der Inszenierung von Julia Huebner.
Das Ballett des Landestheaters bereitet mit seinem neuen Ballettdirektor Ivan Alboresi zwei Premieren und eine Ballettgala vor. Die Ballettgala präsentiert unter dem Titel „Ankommen“ Ausschnitte aus bisherigen Kreationen von Ivan Alboresi sowie neue Choreografien, die speziell für das Ballett des Landestheaters Detmold entstanden sind.
Im November erlebt dann eines der großen klassischen Werke seine Premiere: „Der Nussknacker“ zur unvergänglichen Musik von Peter I. Tschaikowski und in der Choreografie von Ivan Alboresi. Dieses Ballett zeigt, wie verschieden Ausdrucksformen sein können, und wie sie doch gemeinsam eine große, verbindende Geschichte erzählen.
Im März 2027 folgt die Uraufführung des Ballett-Doppelabends „Innere Welten“, inspiriert von den Werken Hermann Hesses, der in diesem Jahr seinen 150. Geburtstag feiern würde. Ivan Alboresi beschäftigt sich im ersten Teil des Abends mit „Der Steppenwolf“, einem Werk, das wie kaum ein anderes die Vielfalt der menschlichen Identität beleuchtet. Für den zweiten Teil des Ballettabends zeichnet der Choreograf Douglas Lee verantwortlich.
Neu hinzu kommt im Ballett der Bereich Tanzvermittlung und bietet damit auch Menschen jenseits der Sprachbarriere Möglichkeiten der Teilhabe. Dazu Ivan Alboresi: „Wir freuen uns, dass wir ab dieser Spielzeit auch in der Sparte Ballett inszenierungsbegleitende Workshops und Probenbesuche für Klassen und Gruppen anbieten werden. Dazu einen Movementclub für 14- bis 24-Jährige und unter dem Namen ‚Tanz mit!‘ offene Trainings für alle Interessierten.“
Das Schauspiel setzt sich in seinen insgesamt zwölf Premieren, darunter zwei Uraufführungen und zwei deutsche Erstaufführungen, gemeinsam mit seinem neuen Schauspieldirektor Gustav Rueb mit der Sichtbarmachung der Vielfalt unserer Gesellschaft auseinander und will Raum geben für Dialog und kollaboratives Miteinander.
Eröffnet wird die Schauspiel-Spielzeit mit der Premiere einer Roman-Adaption: „22 Bahnen“ nach dem Bestseller-Roman von Caroline Wahl beschäftigt sich auf berührende und unterhaltsame Weise mit einer jungen Frau, die zwischen familiären Verpflichtungen und ihrem Wunsch nach Selbstbestimmung hin- und hergerissen ist.
Im Großen Haus inszeniert Gustav Rueb zur Eröffnung Ibsens „Ein Volksfeind“ in der Bearbeitung des ukrainischen Autors Dmitrij Gawrisch als deutsche Erstaufführung und bringt damit ein Stück zur Aufführung, das exemplarisch beschreibt, wie in der Demokratie um eine Haltung zur Welt gerungen werden muss.
Die Uraufführung des Liederabends „Treffpunkt: Kiosk“ beschäftigt sich mit der Vielfalt unterschiedlicher Menschen, die an einem Büdchen aufeinandertreffen, und trotz aller Differenzen miteinander ins Gespräch kommen. In der Inszenierung von Kirsten Uttendorf darf sich das Publikum auf einen berührenden, heiteren aber auch tiefsinnigen musikalischen Abend rund um den Kiosk freuen.
„Muttersprache Mameloschn“ von Sasha Marianna Salzmann erzählt von drei Generationen einer jüdischen Familie und den unterschiedlichen Lebensentwürfen dreier Frauen. „Die Leiden des jungen Werther“, ein Monodram nach Goethes Briefroman, das sich sowohl mit der Suche nach dem eigenen Ich als auch mit dem Anrennen gegen gesellschaftliche Schranken beschäftigt, wird im November seine Premiere erleben und als mobile Produktion angeboten.
Die Uraufführung „Wie aus dem Gesicht geschnitten“, ein Schauspiel von Boris Dennulat in der Regie von Gustav Rueb, stellt die Frage nach Identitäten nach einer Gesichtstransplantation und die deutsche Erstaufführung „Die Eingeborenen von Maria Blut“ führt die Zuschauer ins Österreich der 1930er-Jahre und in eine Gesellschaft, in der die Folgen des Ultranationalismus eindrücklich gezeigt werden.
Mit „Doktormutter Faust“ von Fatma Aydemir rückt eine Frau ins Zentrum, die in ihrem universitären Milieu ähnliche und doch ganz andere Probleme zu bewältigen hat als Faust in Goethes Theaterstück. „Im Spiegelsaal“ nach der Graphic Novel von Liv Strömquist hinterfragt, wie viel Raum das Streben nach einem perfekten Äußeren in unserem Leben einnehmen sollte. Einer der Schlüsseltexte der Moderne, „Orlando“ von Virginia Woolf, beschäftigt sich mit der Identitätssuche eines Menschen, der nicht nur 300 Jahre alt wird, sondern auch sein Geschlecht wechseln kann.
Im Hoftheater wird die Spielzeit 2026/27 dann mit „Shakespeares sämtliche Werke (leicht gekürzt)“ beendet. Ab Mai 2027 lädt das Landestheater zu einem theatralen Stadtspaziergang durch Detmold auf den Spuren jüdischer Mitbürger ein.
Darüber hinaus feiert das Landestheater in diesem Jahr den 225. Geburtstag von Christian Dietrich Grabbe und hat gemeinsam mit der Grabbe-Gesellschaft den Jubiläums-Grabbe-Preis ausgeschrieben.
Auf dem Spielplan des Jungen Theaters stehen vier Neuproduktionen. Im Jungen Musiktheater erlebt das Auftragswerk des Landestheaters „Solange du fliegst“ seine Uraufführung. Die Komposition von Clemens K. Thomas auf das Libretto von Miriam Götz und Clemens K. Thomas widmet sich einer Flugpionierin und Frauenrechtlerin, die als erste Frau den Atlantik überflog.
Im Schauspiel des Jungen Theaters inszeniert dessen Leiterin, Natascha Mamier, die Eröffnungspremiere „Ein Schaf fürs Leben“ von Maritgen Matter. Als Familienstück wird „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler ihr Unwesen auf der Bühne des Großen Hauses treiben und „Mein ziemlich seltsamer Freund Walter“ von Sibylle Berg hilft der Protagonistin schließlich, sich ein bisschen besser auf der Erde zurechtzufinden und zuhause zu fühlen.
Neben diesen insgesamt 25 Premieren in allen Sparten, zwei Symphoniekonzerten des Symphonischen Orchesters unter der Musikalischen Leitung des GMD Per-Otto Johansson, zwei Schul- und Familienkonzerten, verschiedenen Sonder- und Kammerkonzerten und 13 Wiederaufnahmen kann sich das Publikum auf die Fortsetzung der Liederabend-Reihe „Unerhört!“ freuen, die Komponistinnen aller Epochen in einem kurzweiligen Abend von Ensemblemitgliedern Gehör verschafft.
Zur Einstimmung in die Spielzeit lädt das Landestheater zu drei Open-Air-Tagen in den Schlosspark in Detmold ein. Vom 28. bis zum 30. August zeigt das Theater ein vielfältiges Programm und bietet dem Publikum aus der Stadt und der Region die Gelegenheit, den Beginn der Spielzeit 2026/27 gemeinsam zu erleben und zu feiern.
Der Vorverkauf für die Spielzeit 2026/27 startet am 11. August. Ab diesem Tag können Karten für alle Veranstaltungen bis zum 31. Januar 2027 erworben werden. Ab dem 1. Dezember startet dann der Vorverkauf für die zweite Spielzeithälfte vom 1. Februar 2027 bis zum Spielzeitende. Abonnements können ab sofort an der Theaterkasse gebucht werden. Abonnenten haben ab dem 12. August die Möglichkeit, weitere Tickets bereits für die gesamte Spielzeit zu kaufen.
Das Spielzeitheft für die Spielzeit 2026/27 ist ab sofort im Landestheater Detmold bei der Theaterkasse und in den Foyers kostenlos erhältlich sowie auch online einsehbar.




