Das Zauberduo „Wusiala“: Die Hoffnungen der deutschen Fans ruhen vor allem auf den Schultern von Jamal Musiala (links) und Florian Wirtz. Fotos: ArsenalGhanaPartey/Pyaet (Wikimedia)

Kreis Lippe/Houston. „Es tut weh, dass man zwei Jahre warten muss, bis man Weltmeister wird“, verkündete Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) nach dem schmerzhaften Ausscheiden des DFB-Teams im Viertelfinale der Heim-EM 2024 nach der umstrittenen 1:2-Niederlage gegen Spanien. Diese zwei Jahre sind nun vergangen und die größte und längste Fußball-Weltmeisterschaft aller Zeiten steht vor der Tür, und die deutsche Nationalmannschaft ist auf der Jagd nach dem fünften Stern.


An diesem Donnerstag, 11. Juni, um 21 Uhr deutscher Zeit wird die WM mit dem Spiel Mexiko gegen Südafrika in Mexiko-Stadt eröffnet. Mehr als fünf Wochen später wird am Sonntag, 19. Juli, im MetLife Stadium in New Jersey schließlich der neue Weltmeister gekürt.

Mit 48 Ländern nehmen so viele Teilnehmer wie noch nie an dem Turnier teil und messen sich in insgesamt 104 Spielen (alle auf Magenta TV zu sehen; zusätzlich 30 live in der ARD und 30 live im ZDF). Unter diesen Mannschaften sind auch Jordanien, Usbekistan, Kap Verde sowie der deutsche Gruppengegner Curaçao, die alle bei dem Turnier ihre WM-Premiere feiern. Insgesamt nehmen 16 Mannschaften aus Europa, zehn aus Afrika, neun aus Asien und Australien, sechs aus Südamerika, sechs aus Nord- und Mittelamerika sowie eine aus Ozeanien teil.

Enttäuschungen vergessen lassen

Für Deutschland gilt es, nach den zuletzt enttäuschenden Ausscheiden in den Vorrunden der Weltmeisterschaften 2018 und 2022, nicht nur die Gruppenphase zu überstehen, sondern auch mit attraktivem und effektivem Fußball zu überzeugen. Gute Voraussetzungen hat die deutsche Auswahl in der Qualifikation geschaffen, die sie nach der 0:2-Auftaktniederlage gegen die Slowakei erfolgreich bestritt.

Mit insgesamt fünf Siegen, einer Niederlage und einem Torverhältnis von 16:3 sicherte sich die deutsche Auswahl Platz eins der Gruppe, in die sie als klarer Favorit ging. Favorit sind sie aufgrund ihrer bisherigen Erfolge auch in der Vorrunden-Gruppe der WM: Viermal durfte eine deutsche Nationalmannschaft bereits den Weltmeistertitel (1954, 1974, 1990, 2014), dreimal den Europameistertitel (1972, 1989, 1996) und einmal den Confederations-Cup-Sieg (2017) feiern.

Hoffnungen ruhen auf Musiala und Wirtz

2026 wird Nagelsmann genauso wie ein Großteil seines Kaders erste WM-Erfahrung sammeln. Im Vergleich zur WM 2022 sind 17 von 26 Spielern neu dabei. Einer von diesen Spielern ist Florian Wirtz, der nach seinem Wechsel von Leverkusen zum FC Liverpool im Sommer 2025 zwar einige Anlaufzeit im Verein brauchte, im DFB-Trikot jedoch regelmäßig überzeugte.

Vor allem beim letzten Lehrgang vor der WM im März überragte der offensive Mittelfeldspieler mit zwei Toren und zwei Vorlagen beim 4:3-Sieg gegen die Schweiz und war somit an allen Toren direkt beteiligt. Mit seinen 23 Jahren hat Wirtz bereits 39 Länderspiele bestritten, zehn Tore erzielt und hält zudem den Rekord für das schnellste Tor der DFB-Geschichte: Am 23. März 2024 traf er nach nur acht Sekunden in Lyon gegen Vize-Weltmeister Frankreich.

Der zweite Shootingstar im deutschen Trikot nimmt 2026 bereits zum zweiten Mal an einer WM teil. Jamal Musiala vom FC Bayern zählte schon 2022 in Katar zu den deutschen Hoffnungsträgern und überzeugte trotz des Vorrundenaus. Der ebenfalls 23-Jährige lief bereits 40-mal für Deutschland auf und erzielte dabei acht Tore.

Nach seiner schweren Verletzung, einem Wadenbeinbruch sowie einer Verletzung am Sprunggelenk bei der Klub-WM 2025, einer Operation sowie monatelanger Reha kämpfte sich Musiala langsam wieder zurück und um seine Form vor dem Großereignis. Nagelsmann ist von seinem Schützling überzeugt: „Selbst mit 70 Prozent ist er noch besser als viele andere auf der Welt.“

Große Hoffnungen setzte Nagelsmann auch auf Musialas Teamkollegen beim FCB und den Senkrechtstarter dieser Saison, Lennart Karl. Karl feierte als einziger Spieler erst 2026 sein Debüt in der A-Nationalmannschaft und überzeugte im Training sowie nach seinen beiden Einwechslungen im März so sehr, dass er direkt das WM-Ticket lösen konnte.

Doch auf den Höhenflug folgte nur wenige Tage vor WM-Start die bittere Pille: Beim Abschlusstraining vor dem letzten Testspiel vor der WM gegen die USA (2:1) verletzte sich der 18-Jährige schwer und fällt mit einem Muskelbündelriss nicht nur für die WM, sondern gleich mehrere Monate aus. Für ihn nominierte Nagelsmann einen weiteren Jung-Nationalspieler und WM-Debütanten nach: Assan Ouédraogo (20) von RB Leipzig.

Wirbel um Torwartfrage

Eine weitere Personalie, die im Vorfeld der WM für viel Diskussionsstoff sorgte, war die Torwartfrage. Deutschlands Stammkeeper der letzten Turniere, Manuel Neuer, trat 2024 nach der Heim-EM zurück und machte den Weg frei für die langjährige Nummer zwei, Marc-André ter Stegen (34) vom FC Barcelona. Da dieser in den vergangenen beiden Jahren aber immer wieder mit Verletzungen zu kämpfen hatte und eine Muskelverletzung im linken Oberschenkel in der Rückrunde der aktuellen Saison sein endgültiges WM-Aus besiegelte, avancierte Hoffenheims Oliver Baumann (35) zur Nummer eins im deutschen Tor.

Wenige Wochen vor der WM häuften sich jedoch Gerüchte über eine Rückkehr des mehrfachen Welttorhüters und Garanten für den WM-Sieg 2014 ins deutsche Tor. Bei der Kaderbekanntgabe bestätigte Nagelsmann den mit 40 Jahren ältesten Spieler im Kader sowie den einzig verbliebenen Weltmeister von 2014 als geplante Nummer eins für seine bereits fünfte WM. Nagelsmann begründet die Entscheidung wie folgt: „Mit Manu sind wir besser, als ohne Manu!“

Das erste Mal im Tor stehen wird Neuer vermutlich am ersten Spieltag der Gruppe E, wenn er mit seiner Mannschaft an diesem Sonntag, 14. Juni, um 19 Uhr (MESZ) auf Curaçao trifft (ARD/Magenta TV). Gegen die Elfenbeinküste (Samstag, 20. Juni, 22 Uhr (MESZ), ZDF/Magenta TV) und Ecuador (Donnerstag, 25. Juni, 22 Uhr (MESZ), ARD/Magenta TV) möchte das DFB-Team schließlich den Einzug in die KO-Phase perfekt machen.