Ehe sich die Raupe des Eichenprozessionsspinners verpuppt und in einen Nachtfalter verwandelt, können für den Menschen vor allem seine Brennhaare zum Problem werden. Foto: Adobe Stock

Detmold. Aufgrund des feuchten Frühjahres und der aktuell starken Wärmeentwicklung verzeichnet die Stadt Detmold erste Fälle des Eichenprozessionsspinners im Stadtgebiet. Betroffen sind derzeit die Außenbereiche dreier Detmolder Schulen. Um den Schutz der Schüler unmittelbar zu gewährleisten, hat die Stadtverwaltung umgehend Sicherheitsmaßnahmen eingeleitet und großflächige Absperrungen vorgenommen.


Aktuell wurde der Befall jeweils eines Baums an der Heinrich-Drake-Realschule und der Grundschule Diestelbruch sowie mehrerer Bäume an der Kusselberg-Schule (Grundschule) in Pivitsheide VL festgestellt. Aus diesem Grund bietet die Kusselberg-Schule zunächst für den morgigen Freitag, 19. Juni, ausschließlich eine Notbetreuung an. Der Schulbetrieb wird in Abstimmung mit dem Schulamt für den Kreis Lippe zunächst für diesen Tag im Distanzunterricht organisiert. An den beiden anderen betroffenen Schulen kann der Unterricht unter Einhaltung der Absperrungen regulär fortgesetzt werden.

„Der Schutz der Kinder und Jugendlichen an unseren Kitas und Schulen hat für uns oberste Priorität“, betont Bürgermeister Frank Hilker. „Wir stehen in einem sehr engen und kontinuierlichen Austausch mit den jeweiligen Kita- und Schulleitungen, um auf jede Lageentwicklung sofort reagieren zu können. Die Sicherheit auf den Schulhöfen steht dabei an erster Stelle.“

Von dem Insekt geht zwar keine unmittelbare Lebensgefahr für den Menschen aus, der Kontakt mit den feinen Brennhaaren der Raupen kann jedoch schmerzhafte allergische Reaktionen auslösen. Die Stadt Detmold hat daher sofort reagiert und einen Schädlingsbekämpfer mit der Beseitigung beauftragt. Dieser wird direkt zum Wochenbeginn an den betroffenen Standorten zum Einsatz kommen, um die Populationen fachgerecht einzudämmen. Hierbei wird ein spezielles Absaugverfahren angewendet, das die Nester und Raupen effektiv und umweltschonend von den Bäumen entfernt.

Um flächendeckend präventiv zu wirken, wurden die Mitarbeitenden an allen Detmolder Schulen und Kindertageseinrichtungen umfassend informiert und sensibilisiert. Die Hausmeister nehmen ab sofort engmaschige, regelmäßige Kontrollgänge auf den jeweiligen Grundstücken vor, um einen potenziellen Befall frühzeitig zu erkennen und sofortige Sicherungsmaßnahmen in die Wege zu leiten.

Insgesamt ist das Vorkommen des Eichenprozessionsspinners in Detmold aktuell noch überschaubar. Abseits der drei genannten Schulen und einem gesichteten Vorkommen an einem Spazierweg in Berlebeck sind der Stadt Detmold sowie dem Kreis Lippe zum jetzigen Zeitpunkt keine weiteren Befallstellen gemeldet worden. Dennoch ist in den kommenden Wochen – wie schon aus anderen deutschen Kommunen gemeldet – mit einem Anstieg der Sichtungen zu rechnen.

Die Stadt Detmold bittet daher die Bevölkerung um erhöhte Aufmerksamkeit und Mithilfe: Bürger, die einen Befall im öffentlichen Raum (zum Beispiel an Straßenbäumen oder in Parks) sichten, werden gebeten, dies umgehend dem Stadtkontakt unter der Telefonnummer 05231/977-100 zu melden. Alternativ kann eine Meldung auch schnell und unkompliziert digital über die Mängelmelder-App „Meldoo“ erfolgen.

Die Stadt Detmold weist ausdrücklich darauf hin, dass auf privatem Gelände die jeweiligen Grundstücksbesitzer selbst für die Überwachung und Bekämpfung des Schädlings verantwortlich sind. Aufgrund der gesundheitlichen Risiken empfiehlt die Stadt Detmold dringend, auch im privaten Bereich keinesfalls selbst aktiv zu werden, sondern ausschließlich auf Fachbetriebe der Schädlingsbekämpfung zurückzugreifen.


Hintergrundinformationen zum Eichenprozessionsspinner

  • Das Insekt: Der Eichenprozessionsspinner ist ein an sich unauffälliger Nachtfalter, dessen Raupen im Frühjahr und Sommer (insbesondere von Mai bis Juli) zur Gefahr für Mensch und Tier werden. Sie leben bevorzugt an Eichen und bewegen sich dort in langen Kolonnen – wie bei einer Prozession.
  • Warum sind die Raupen gefährlich? Das Problem sind die feinen Brennhaare der Raupen ab dem dritten Entwicklungsstadium. Diese enthalten das Nesselgift Thaumetopoein. Die Gefahr: Die Haare brechen leicht ab, werden vom Wind über weite Strecken getragen und reichern sich über Jahre im Boden und in verlassenen Gespinstnestern an.

Die Symptome bei Kontakt:

  • Hautkontakt: Es drohen stark juckende Ausschläge (Raupendermatitis), Quaddeln und Rötungen.
  • Atemwege: Werden die Haare eingeatmet, kann es zu Atembeschwerden, Husten oder Asthmaanfällen kommen.
  • Augen: Häufig treten schmerzhafte Augenreizungen oder Bindehautentzündungen auf.