Angelika Schapeler-Richter trinkt einen Kaffee mit LWZ-Reporter Hajo Gärtner. Foto: Hajo Gärtner

Lage. Angelika Schapeler-Richter ist als kritische Beobachterin der Lagenser Kommunalpolitik beim Bürgermeister und in der Verwaltung gefürchtet. Lange Jahre war sie Fraktionsvorsitzende und Ratsfrau, bevor sie sich vor der jüngsten Kommunalwahl aus dem operativen Geschäft zurückzog. Sie war das Gesicht der Freien Wählergemeinschaft – Bürgerbewegung Lage (FWG-BBL).


Wenn sie sich in die Debatte einmischte, geschah das in der Regel, um Einzelnen und kleinen Gruppen von Bürgern zu helfen, sich auf der kommunalpolitischen Bühne Geltung zu verschaffen. Das hat ihr im Rat der Stadt nicht nur Sympathien eingebracht. Dann die überraschende Entscheidung: Die FWG-BBL trat bei der zurückliegenden Kommunalwahl nicht mehr an, obwohl ihre Chancen, gewählt zu werden, nicht schlecht standen.

LWZ: Frau Schapeler-Richter, Sie begegnen uns immer wieder in ehrenamtlichen Aktionen. Ist Ihnen das Ehrenamt wichtig und warum?
Schapeler-Richter: Ja, das Ehrenamt ist mir wichtig. Ohne Menschen, die sich innerhalb unserer Gesellschaft ehrenamtlich einbringen, wäre vieles nicht möglich. Meine Zeit im Diakonissenhaus in Detmold und mein ursprünglicher Beruf in der Pflege haben mich in dieser Hinsicht geprägt.

LWZ: Erinnern Sie sich noch an Ihre erste große ehrenamtliche Aktion?
Schapeler-Richter: Ja, daran erinnere ich mich auch nach so vielen Jahren noch sehr gut. Das war, als ich Schulpflegschaftsvorsitzende in Heiden war und gemeinsam mit den Eltern den Bau der Außensportanlage, die naturnahe Umgestaltung des Schulhofs, die Vorarbeiten für das Regen-Pausendach und kleinere Pflanzaktivitäten vorangetrieben habe. Gegen Widerstände der Stadt, übrigens.

LWZ: War das Ihr wichtigster ehrenamtlicher Einsatz?
Schapeler-Richter: Ja, wenn ich die Politik außen vor lasse. Nachdem wir es geschafft hatten, die Vorarbeiten für das Regen-Pausendach fristgerecht abzuschließen, folgte die Außensportanlage und danach die Schulhofumgestaltung. Ich habe damals unter der Woche jeweils den Einsatz fürs kommende Wochenende geplant, bin rumgefahren, um Leute um Unterstützung zu bitten, entweder mit ihrem Know-How oder mit Geräten. Und auch Absprachen für die Verpflegung: Kein Helfer sollte Hunger oder Durst leiden.

LWZ: Ihr Ehrenamt hat auch eine politische Seite. Viele Jahre waren Sie Fraktionsvorsitzende der FWG und anschließend der FWG-BBL. Nun gibt es diese Fraktion im Rat der Stadt Lage nicht mehr. Hat sich der Einsatz gelohnt oder war das verschwendete Energie?
Schapeler-Richter: Ich bin 1998 über die erwähnte Tätigkeit als Schulpflegschaftsvorsitzende an der Grundschule Heiden zur Politik gekommen. Der Einsatz war damals auch bedingt durch die Unzufriedenheit mit der Betreuung durch die Stadt bei unseren Projekten. Ich vertrat damals und vertrete noch heute die Auffassung, dass der Bürger in seinem ehrenamtlichen Engagement bestmöglich seitens der Stadt betreut werden muss, denn dieser Einsatz spart der Stadt viel Geld und sorgt gleichzeitig für bessere Angebote oder gesteigerte Attraktivität. Ab 1999 war ich für 5 Jahre stellvertretende Bürgermeisterin und zugleich stellvertretende  Fraktionsvorsitzende. Ab 2004 bis zu meinem Ausscheiden 2025 Fraktionsvorsitzende der FWG und anschließend der FWG-BBL.

LWZ: Und hat sich die Mühe gelohnt?
Schapeler-Richter: Auch wenn nicht alle Ideen oder Anträge von unserer Fraktion umgesetzt wurden und wir überwiegend mit „viel Gegenwind“ gearbeitet haben, würde ich sagen: Ja, der Einsatz hat sich gelohnt. Ein offenes Ohr für den Bürger haben, das war unser Prinzip. Und dafür ist uns immer gedankt worden. Ich weiß aber auch, dass einige der jetzt noch im Rat tätigen Personen froh sind, dass wir zur Kommunalwahl nicht mehr angetreten sind.
Allerdings weiß ich auch, dass etliche Mitglieder des Rates unsere Fraktion vermissen und hier insbesondere »das Gedächtnis für ältere Vorgänge« oder auch das „Aufzeigen von Missständen“. Ebenso haben mir in den zurückliegenden Monaten Bürger und Bürgerinnen immer wieder ihr Bedauern darüber ausgesprochen, dass wir nicht mehr kandidiert haben. Also nein, die Energie war nicht verschwendet, auch wenn das Privatleben dadurch oft in den Hintergrund getreten ist. Denn meiner Auffassung nach sollte bei der Annahme eines Amtes die Pflicht immer Vorrang haben.

LWZ: Auch wenn die FWG-BBL aktuell nicht mehr als Fraktion im Rat vertreten ist, bleiben Sie mit einem politischen Verein am Ball. Was wollen Sie damit erreichen?
Schapeler-Richter: Der Verein „FWG-BBL“ setzt sich mit politischen Sachthemen auseinander. Außer, dass wir uns untereinander austauschen, sind wir mit dem Verein immer auch als Ansprechpartner für den Bürger verfügbar, nur eben in einer anderen Form als früher. Natürlich ist die Einflussnahme einer Fraktion größer als die eines Vereins, aber über die Arbeit der letzten Jahre im Rat sind ja auch viele Kontakte oder Freundschaften entstanden, sodass auch so noch Ansichten und Meinungen weitergegeben werden können.

LWZ: Sie haben sich auch beim Thema „Stichweg Teutoburger-Wald-Straße“ als Berichterstatterin für die LWZ eingemischt. Macht es einen Unterschied, wenn in einem Konfliktfall zwischen Verwaltung und Bürgern die Presse Präsenz zeigt?
Schapeler-Richter: Auf jeden Fall ist das ein Unterschied und gleichzeitig ist dieses Thema ein gutes Beispiel, um zu unterstreichen, was ich bei der vorherigen Frage zum Ausdruck bringen wollte. Denn auch bei diesem Thema wurde ich von Bürgern angesprochen und um Hilfe und Unterstützung gebeten. Dass sich parallel dazu die Möglichkeit geboten hat, für die LWZ von der Bürgerversammlung zu berichten, ist natürlich ein Glücksfall. Meinungen werden vielfach ja über die Medien gesteuert. Von daher ist es wichtig, dass möglichst vielfältig und vor allem auch ohne Zensur berichtet wird.

LWZ: Könnten Sie sich vorstellen, wieder in der aktiven Politik einzusteigen?
Schapeler-Richter: Hmm … Ich habe Angebote von nahezu allen Fraktionen im Rat der Stadt Lage erhalten, in denen mir mitgeteilt wurde, dass ich dort jederzeit für eine aktive Mitarbeit willkommen sei. Aber ich habe mich dagegen entschieden. Sicher ist es hilfreich, wenn ältere Politiker und Politikerinnen ihre Erfahrung mit einbringen, aber für mindestens genauso wichtig halte ich es, rechtzeitig Platz für Jüngere zu machen.


Das Gespräch führte Hajo Gärtner.