Karla Enríquez (links) und Barockcellist Ira Givol begeben sich gemeinsam mit dem Ensemble Boulevard Baroque auf die Suche nach dem fehlenden Puzzleteil. Fotorechte: Karla Enríquez/Boulevard Baroque

Detmold. In einer Zeit, die von Krisen, Kriegen und wachsender gesellschaftlicher Unsicherheit geprägt ist, widmet sich das mit jungen internationalen Barockspezialisten besetzte Originalklangensemble Boulevard Baroque in seinem neuen zweiteiligen Konzertzyklus den Grundlagen menschlichen Miteinanders.


Unter künstlerischer Leitung von Karla Enríquez verbindet die Konzertreihe „A Musical Series on Humanness“ die Frage nach dem gesellschaftlichen Zusammenhalt mit der klanglichen Vielfalt und Ausdruckskraft barocker Musik im Originalklang. Den Auftakt der Reihe bildet an diesem Samstag, 27. Juni, das Konzert „Broken Pieces“, das ab 17 Uhr in der Detmolder Martin-Luther-Kirche zu sehen ist. Der Eintritt ist frei, Spenden werden erbeten.

Das zweite Konzert der experimentellen Reihe „Die Maskerade“ ist für den 7. November im Detmolder Sommertheater geplant.

Wie gewohnt zeigt sich Boulevard Baroque auch in seinem neuen Konzertprogramm experimentierfreudig und erweitert das klassische Konzertformat: Musik wird nicht allein als Kunstform verstanden, sondern als gemeinschaftlicher Erfahrungsraum, der Begegnung, Austausch und gemeinsames Erleben ermöglicht.

Mit „Broken Pieces“ begibt sich Boulevard Baroque unter musikalischer Leitung des Barockcellisten Ira Givol auf eine künstlerische Auseinandersetzung damit, was Menschen verbindet, wenn Gewissheiten brüchig werden, und ob sich aus vielen einzelnen Fragmenten ein neues gemeinsames Bild zusammensetzen lässt. Neben seiner Tätigkeit bei Boulevard Baroque ist Givol Solocellist des Ensembles Il Gardellino und arbeitet als Gastcellist regelmäßig mit renommierten Ensembles wie der Netherlands Bach Society zusammen.

In einem humorvollen Musikquiz im Stil einer Fernsehshow der 1970er-Jahre, durch das der Detmolder Schauspieler Heiner Junghans führt, sammeln die Zuhörer während des Konzertrahmens gemeinsam Puzzleteile. Mit jeder gelösten Aufgabe wächst ein Bild, das erst durch die Beteiligung aller vollständig wird. Das entstehende Puzzle wird zur Metapher für die Gesellschaft selbst.

Im Zentrum des musikalischen Programms stehen Werke von Johann Sebastian Bach, der in seiner Musik die Kunst beherrscht, aus der Polyphonie einzelner Stimmen ein lebendiges Ganzes zu formen. Auszüge aus zwei seiner bekanntesten Werke, der „Kunst der Fuge“ und den „Goldberg-Variationen“ in Bearbeitung von Ira Givol, stehen neben François Couperins „Deuxième Concert Royal“. Couperins Suite versteht sich als Abfolge höfisch-galanter Tänze, die für den Hof des Sonnenkönigs Ludwig XIV. komponiert wurden.

„Broken Pieces“ versteht Boulevard Baroque als Einladung, um über gesellschaftlichen Zusammenhalt zu reflektieren und die verbindende Kraft von Kultur zu entdecken. Aus vielen einzelnen Puzzleteilen entsteht ein Bild, das zeigt, das ein Konzert zu einem Ort der Begegnung wird und damit zu einem Gegenentwurf zu den Tendenzen unserer Zeit.