Gustavo Gómez (33) ist Kapitän und Abwehrchef der „Albirrojos“. Foto: SOCCER DIGITAL/Wikimedia

Foxborough/Boston. Nach dem mehr oder weniger souveränen Einzug in die K.-o.-Runde der Weltmeisterschaft 2026 biegt das Turnier in die heiße Phase ein. Für die deutsche Nationalmannschaft von Bundestrainer Julian Nagelsmann geht es am heutigen Montag (29. Juni, 22.30 Uhr MESZ) in Foxborough bei Boston um alles oder nichts. Der Gegner im neu eingeführten Sechzehntelfinale ist Südamerikas unangenehmer Defensivkünstler Paraguay.


Als Gruppensieger trifft die DFB-Auswahl im ersten K.-o.-Spiel auf einen der besten Gruppendritten. Nach dem Abschluss der Vorrundengruppen steht somit das Duell mit den „Albirrojos“ bevor. Doch wer ist dieser Gegner, der sich durch die Gruppe D gekämpft hat?

Paraguays Weg ins Sechzehntelfinale: zäh, defensivstark, unbequem

Die Südamerikaner reisen als Außenseiter nach Boston, doch unterschätzen sollte man das Team aus Asunción keineswegs. In ihrer Gruppe sicherten sie sich hinter den USA und Australien mit vier Punkten das Ticket für die K.-o.-Runde.

Typisch für den paraguayischen Fußball präsentierte sich die Mannschaft in der Gruppenphase extrem widerstandsfähig. Paraguay besticht traditionell durch eine kompromisslose Zweikampfführung, taktische Disziplin und ein brandgefährliches Umschaltspiel. Große Offensiv-Spektakel darf man von ihnen selten erwarten, dafür aber eine defensiv extrem schwer zu knackende Nuss.

Die WM-Bilanz von Paraguay

Die „Albirroja“ blickt auf eine respektable WM-Historie zurück. Mit der aktuellen Weltmeisterschaft ist das Land zum neunten Mal bei einer Endrunde dabei.

  • Der größte Erfolg: Bei der WM 2010 in Südafrika stieß Paraguay bis ins Viertelfinale vor, wo man dem späteren Weltmeister Spanien nach einem heroischen Kampf nur knapp mit 0:1 unterlag.
  • Historische Statistik: Vor dem laufenden Turnier absolvierte Paraguay insgesamt 27 WM-Spiele (sieben Siege, zehn Unentschieden, zehn Niederlagen).
  • Wiederauferstehung: Für die Südamerikaner ist die Teilnahme ein echter Meilenstein, da sie sich zuvor 16 Jahre lang (seit 2010) für keine Weltmeisterschaft mehr qualifizieren konnten.

Diese Spieler gilt es zu beachten

Auch wenn der ganz große Weltstar im Stile eines Roque Santa Cruz vergangener Tage fehlt, verfügt Paraguay über Akteure, die in absoluten Top-Ligen unter Vertrag stehen:

  • Julio Enciso (22 Jahre, Mittelfeld/Sturm – Marktwert: 25 Millionen Euro): Der hochtalentierte Offensivspieler von Racing Straßburg ist das kreative Herzstück und der unumstrittene Hoffnungsträger. Er bringt enorme Dynamik, Dribbelstärke und Torgefahr mit.
  • Diego Gómez (23 Jahre, zentrales Mittelfeld – Marktwert: 25 Millionen Euro): Neben Enciso der wertvollste Spieler im Kader. Der Spieler von Brighton & Hove Albion zieht im Mittelfeld die Fäden, bringt viel Laufarbeit mit und stabilisiert das Umschaltspiel.
  • Miguel Almirón (32 Jahre, Flügelsturm – Marktwert: 7 Millionen Euro): Der erfahrene Angreifer (ehemals Newcastle United, jetzt Atlanta United) ist der bekannteste Name des Teams. Mit seiner extremen Schnelligkeit und tiefen Läufen ist er der perfekte Umschaltspieler für Kontersituationen.
  • Gustavo Gómez (33 Jahre, Innenverteidigung – Marktwert: 3,5 Millionen Euro): Der Abwehrchef und Kapitän (SE Palmeiras). Er verkörpert die typisch paraguayische Defensiv-Mentalität: kompromisslos im Zweikampf, lautstark in der Organisation und extrem kopfballstark bei eigenen Standardsituationen.

Historischer Rückblick: Erinnerungen an 2002 werden wach

Das Duell Deutschland gegen Paraguay weckt bei vielen Fans sofort Erinnerungen an ein geschichtsträchtiges K.-o.-Spiel: Bei der WM 2002 in Japan und Südkorea trafen beide Nationen im Achtelfinale aufeinander.

Damals war es ein zähes Geduldsspiel gegen die paraguayische Abwehrwand um Torwart-Legende José Luis Chilavert. Erst in der 88. Minute erlöste Oliver Neuville die DFB-Elf mit dem goldenen Tor zum 1:0-Sieg – der Startschuss für den späteren Finaleinzug. Julian Nagelsmann und sein Team dürften auf ein ähnlich intensives und nervenaufreibendes Spiel eingestellt sein.

Worauf es für das DFB-Team ankommt

Deutschland geht nach den starken Auftritten in der Gruppenphase als klarer Favorit in die Partie. Dennoch wird das Spiel in Boston eine Charakterfrage:

  • Geduld im Ballbesitz: Paraguay wird tief stehen und die Räume im Zentrum extrem eng machen. Es braucht kreative Momente von Spielern wie Florian Wirtz und Jamal Musiala, um Lücken zu reißen.
  • Absicherung gegen Konter: Die Konterabsicherung muss perfekt stehen, da Paraguay blitzschnell umschaltet, sobald sich Räume bieten.
  • Physis dagegenhalten: Im Sechzehntelfinale wird kein Zentimeter Rasen verschenkt. Deutschland muss die körperliche Härte der Südamerikaner von der ersten Sekunde an annehmen.

Das Spiel im Gillette Stadium, der Heimat des NFL-Teams New England Patriots, wird im ZDF und bei MagentaTV übertragen.


WM-Fakten Paraguay