
Bad Salzuflen/Roth/Twistringen. Der Kontakt zur LIPPISCHEN WOCHENZEITUNG entstand über ihren Vater Hans-Jürgen Borchert. Die gebürtige Bad Salzuflerin Ann Kathrin Borchert lebt heute in Twistringen bei Bremen. Bad Salzuflen sei ihre Heimat, Twistringen ihr Zuhause, sagt sie zu Beginn des „Kaffee-Gespräches“ in der Rösterei Bo, für das sie extra aus ihrer Wahlheimat in ihre Geburtsstadt zurückgekehrt ist.
Dort sitzt eine strahlende, zufriedene junge Frau. Ihr Lachen, ja ihre ganze Ausstrahlung zeugt von positiver Lebenseinstellung. Doch das war nicht immer so. Mit ihrer persönlichen Geschichte möchte die 37-jährige Ann Katrin Borchert anderen Mut machen. Schließlich liegt ihr eigener Erfolg noch gar nicht lange zurück.
Borchert nahm am 5. Juli erfolgreich an der „DATEV Challenge Roth“ teil, dem weltweit größten Langdistanz-Triathlon, der jedes Jahr tausende Athleten und Zuschauer nach Mittelfranken lockt: 3,8 Kilometer Schwimmen, 180 Kilometer Radfahren und 42,2 Kilometer Laufen stehen dort auf dem Programm.
„Ich will gar nicht mit meiner Leistung prahlen, mir geht es darum, den Menschen da draußen die Message mitzugeben: Egal, was du willst, du kannst es schaffen, du darfst nur nicht aufgeben“, sagt sie immer noch voller Euphorie an die Erinnerung dessen, was sie geschafft hat.
Dabei war eine Triathlon-Teilnahme vor einiger Zeit noch keineswegs absehbar. Erst vor acht Jahren entdeckte Borchert den Sport für sich. Bei einem kleineren Wettkampf machte sie jedoch direkt eine für sie dramatische Erfahrung: Während des Schwimmens wickelten sich Unterwasserpflanzen um ihre Beine. Sie geriet in Panik und glaubte zu ertrinken.
„Jedes Mal, wenn ich anschließend vor einem Gewässer stand, stieg mein Puls auf 180. Ich hatte panische Angst. Deshalb musste etwas geschehen, denn Triathlon ist einfach meins“, erzählt die gelernte Physiotherapeutin. Drei Sitzungen mit Tiefenhypnose brachten die Wende. „Ich war danach wie erlöst“, berichtet sie.
Vor zwei Jahren startete sie dann mit der Vorbereitung für den harten Langdistanz-Triathlon in Franken. 300.000 Bewerber gibt es und nur 3.500 Sportler können teilnehmen, wenn um 6.35 Uhr Tausende Zuschauer auf den Startschuss zum Schwimmen im Main-Donau-Kanal warten.
„Vorbei die Zeit, in der ich wöchentlich 14 bis 15 Stunden trainiert habe. Vorbei das Aufstehen, auch im Winter, morgens um 5 Uhr, um 18 Kilometer zu laufen, bevor es zur Arbeit geht. Jetzt heißt es ankommen“, erzählt sie voller Freude über das Geschehene.
„Bei der Schwimmstrecke ist man noch darauf fokussiert, schnell aus dem Wasser zu kommen. Auch beim Radfahren ist der Kopf ausgeschaltet. Man ruft seine Leistung ab und beobachtet seine Mitbewerber. Am Solarer Berg, dem Höhepunkt der Fahrradstrecke, drängen die Menschen auf die Straße. Es herrscht eine Stimmung wie bei der Tour de France. Ich war emotional total überwältigt. Das reißt einen mit. Doch dann kommen noch die 42,2 Kilometer Laufen. Es gibt zwar Verpflegungsstationen, aber du hast deine eigene Verpflegung dabei. Irgendwann kommt dir der Gedanke, aufzuhören. Du bekommst Magenprobleme, doch dann willst du das nur noch überleben. Am Ende denkst du: Nie wieder! Aber ich habe mich schon wieder für 2027 angemeldet“, berichtet sie freudestrahlend.
13,5 Stunden war Borchert in Roth insgesamt unterwegs: „Für mich ist das immer noch absolut unwirklich.“ Man sieht ihr an, wie sehr sie das Erlebte immer noch in sich trägt. Die erfolgreiche Teilnahme am Wettkampf, so sagt sie, sei die Belohnung für all die Mühe und Beweis dafür, dass man schaffen könne, was man wolle, wenn man nicht aufgebe.
Ihre Familie, die in Gastrup wohnt, hat sie bei der Challenge vor Ort unterstützt. Und ihr Lebenspartner sei fast so viel gelaufen wie sie: „Er war an fast allen Versorgungsstellen, er hat sich Sorgen um mich gemacht, denn zwischendurch ging es mir schon richtig mies“, fügt sie noch an.
Für sie gäbe es keinen anderen Sport als Triathlon. „Auf sich gestellt durchzuhalten, dieses Einzelkämpfer-Ding, das ist glaube ich meins“, sagt sie abschließend.
LWZ-Serie „Auf einen Kaffee mit“
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