Im November statten Joris und das „Takeover!“-Ensemble der Stadthalle Detmold einen Besuch ab. Foto: Stefan Schaetzky

Detmold. Ein ganz besonderes musikalisches Highlight erwartet die Detmolder am 19. November (20 Uhr) in der Stadthalle Detmold: Das „Takeover“-Ensemble mit seinem „Kopf“ Miki (Mihalj) Kenkenj ist seit mehr als zehn Jahren mit verschiedenen Künstlern unterwegs und bereitete dem Detmolder Publikum bereits im vergangenen Jahr mit Sängerin Stefanie Heinzmann einen unvergesslichen Abend zwischen Pop und Klassik.


In diesem Jahr freut sich der ursprünglich aus Vlotho stammende Sänger Joris – unter anderem bekannt durch seinen Hit „Herz über Kopf“ – auf die klassische Neuinterpretation seiner Popmusik sowie darauf, diese auch in der Nähe seiner Heimat zum Besten geben zu dürfen. In einem exklusiven Interview mit der LIPPISCHEN WOCHENZEITUNG haben die Musiker Joris und Kenkenj unter anderem verraten, was die Zuschauer in Detmold erwarten wird.

LIPPISCHE WOCHENZEITUNG (LWZ): Ich durfte vergangenes Jahr bei dem Konzert des „Takeover!“-Ensembles in der Stadthalle dabei sein und fand das Konzept sehr spannend – somit würde mich zunächst interessieren, wie die Idee zum Takeover-Projekt entstanden ist …
Mihalj Kenkenj: Die Klassik begleitet mich schon mein ganzes Leben und hat mich unter anderem über die Dortmunder Philharmoniker bis zum Konzertmeister der Bergischen Symphoniker geführt. Daneben gab es aber auch schon immer eine andere musikalische Seite: Mit 15 Jahren habe ich Hip-Hop für mich entdeckt und mit 20 angefangen, beide Seiten zu verbinden. Später habe ich an der Berliner Kunstinitiative teilgenommen und im kleinen Rahmen meine Idee – Klassik und Popmusik zusammenzubringen – präsentiert. Die erste Umsetzung war so cool, dass ich unbedingt weitermachen wollte. So ist nach und nach das „Takeover!“-Projekt entstanden.

LWZ: Joris, wie sind Sie zur Musik gekommen?
Joris: Ich habe schon als Kind mit der Musik angefangen. Mein Cousin hat damals Schlagzeug gespielt und als ich fünf Jahre alt war, wollte ich das unbedingt auch machen. Mit sechs habe ich angefangen, Klavier zu spielen, als ich acht war, mit Gitarre. Gesungen habe ich schon immer, aber erst mit Beginn meines Studiums habe ich festgestellt, dass ich das auch aktiv beruflich machen und meine Musik nach außen tragen möchte.

LWZ: Wie entstand schließlich die Zusammenarbeit mit Miki?
Joris: Durch eine Anfrage von ihm. Ich habe häufiger schon von ähnlichen Projekten gehört, war aber nie wirklich überzeugt, weil ich finde, dass die Klassik nie richtig Platz gefunden hat. Miki denkt das komplett anders und ermöglicht mir, meine eigene Musik anders erleben zu können.
Kenkenj: Ich kannte Joris noch nicht persönlich, aber ihn als Sänger natürlich. Mich haben die Geschichten, die er mit seinen Songs erzählt, immer beeindruckt. Deshalb war es schon länger mein Wunsch, bei diesem Projekt mit ihm zusammenzuarbeiten. Ich bin froh, dass er nach meiner offiziellen Anfrage direkt zugesagt hat.

LWZ: Was begeistert Sie an dem Projekt besonders?
Joris: Auf einmal selbst zum Zuhörenden zu werden. Zwar bleibe ich im Mittelpunkt des Geschehens, trotzdem gibt es Phasen, in denen auch ich einfach nur dem Ensemble zuhören und meine eigene Musik ganz neu – zum Beispiel durch Mikis Augen und Ohren – erleben darf.
Kenkenj: Mich begeistern vor allem die Geschichten, die wir erzählen dürfen – der Text ist so wichtig in Joris‘ Musik. An dem Abend können wir dem einen besonderen Raum geben und sehen, wie Musik und Text in einer neuen Form Hand in Hand gehen. Zudem ist die Veranstaltung sehr durch Intimität geprägt. Ich denke, die Zuschauer werden es sehr genießen, noch näher dran zu sein – nicht nur räumlich, sondern vor allem auch musikalisch. Selbst Joris-Fans werden ihn nochmal neu erleben!

LWZ: Joris, Ihre Songs erzählen oft persönliche Geschichten – wie fühlt es sich an, diese gemeinsam mit einem Ensemble neu zu interpretieren? Verändert sich dadurch das Gefühl oder die Message der Lieder für Sie?
Joris: Das Schönste für mich ist, dass sich die DNA eines Songs durch das Genre nicht verändert, sondern nur das Gewand ein anderes ist. Dass man so über Songs sprechen kann, ist so schön. Besonders freue ich mich auch, bei diesem Projekt Songs spielen zu können, die es sonst eher nicht auf Festivalbühnen schaffen. Hier gibt es Raum für Geschichten, die den Künstlern wichtig sind, und – neben den Hits natürlich – eben auch für versteckte Schätze der Alben.

LWZ: Auf was und welche Art von Musik dürfen sich die Detmolder am 19. November freuen?
Joris: In jedem Fall auf hochtalentierte Musiker im Ensemble – es macht mir selbst großen Spaß, ihnen zuzuhören. Die Popmusik ist durch die Texte stark übersetzbar, aber durch die Klassik kommt nochmal eine ganz besondere Note hinzu. Ich denke, was das Projekt so stark macht, ist auch die sehr persönliche Atmosphäre. Sowohl durch die Musik, aber auch aufgrund unserer Gespräche zwischendurch.
Kenkenj: Zudem ist jeder Abend sehr individuell, wie ich finde. Jeder Raum ist anders, jedes Publikum ist anders und liefert verschiedene Vorlagen für persönliche Geschichten zum Erzählen. Zudem freue ich mich besonders darauf, den Song „Rom“ zu performen.
Joris: Bei mir ist es der Song „Sommerregen“ – ein zehn Jahre alter Song, für den sich seit dem Frühjahr plötzlich wieder super viele Menschen interessieren und der es sogar zur Nummer eins auf TikTok geschafft hat.
Kenkenj: Es ist toll, welches Momentum du mit „Sommerregen“ erreicht hast. Das ist das Schöne an Social Media heute: Man kann Erfolg nicht planen. Umso mehr freue ich mich, den Song gemeinsam live zu spielen.

LWZ: Miki, Sie waren mit dem Takeover-Ensemble bereits im vergangenen Jahr in Detmold zu Gast – Wie ist Ihnen der Abend in Erinnerung geblieben?
Kenkenj: Ich bin ganz diplomatisch: Jeder Abend ist was ganz Besonderes … Aber in der Nähe von Joris‘ Heimat ist es natürlich nochmal ein Stück mehr besonders (lacht).
Joris: Genau! Ich bin ein paar Dörfer entfernt in Vlotho groß geworden. Muss zu meiner Schande aber gestehen, dass ich noch nie in Detmold gespielt habe – umso mehr freue ich mich jetzt aber darauf. Zudem steht Detmold natürlich für eine große Musikgeschichte, allein schon wegen der Musikhochschule.

LWZ: Abschließend interessiert mich, worauf Sie hoffen, wenn die Besucher vom Konzert nach Hause gehen …
Joris: Gerade in der aktuellen Zeit fühlen sich viele allein und haben Schwierigkeiten, das Chaos in der Welt zu verarbeiten. Auf Konzerten kommen Menschen zusammen – das gibt mir Zuversicht und ein gutes Gefühl im Herzen.
Kenkenj: Das ist ein schönes Schlusswort! Ich stimme vollständig zu. Wir haben so eine gespaltene Welt, solche Abende sollen immer verbindende Ereignisse sein. Sowohl in Bezug auf das Publikum, aber auch in Bezug auf uns Musiker, die aus vielen verschiedenen Nationen stammen und auf der Bühne einfach nur gemeinsam Musik machen möchten.


Das Gespräch führte Alina Knoerich.