Kreis Lippe. Die Getreideernte in Lippe läuft seit mehreren Wochen auf Hochtouren. Während die Gerstenernte bereits abgeschlossen ist, bringen die Landwirte derzeit Weizen, Roggen und Triticale, eine Kreuzung aus Weizen und Roggen, von den Feldern. Parallel dazu beginnt in diesen Tagen auch die Rapsernte.
Mit Blick auf die bisherige Saison fällt die Bewertung beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband (WLV) eher verhalten aus. „Wenn ich die aktuelle Ernte in Schulnoten bewerten müsste, würde ich eine Vier vergeben“, sagt Dieter Hagedorn, Vorsitzender des WLV-Kreisverbandes Lippe.
Die einzelnen Kulturen entwickeln sich dabei unterschiedlich. Bei der Gerste sorgte die Hitzewelle Ende Juni für eine beschleunigte Abreife. Das wirkte sich negativ auf die Qualität aus. „In der Gerste konnten wir aufgrund der Hitzewelle Ende Juni und der dadurch erfolgten schnelleren Abreife keine guten Qualitäten erzielen. Dafür war die Erntemenge völlig in Ordnung“, erläutert Hagedorn.
Anders stellt sich die Situation beim Weizen dar. Dort zeigen sich die Erträge in umgekehrter Richtung: Die Qualität des Ernteguts ist nach Angaben des Kreisverbandsvorsitzenden gut, die Mengen bleiben jedoch hinter den Erwartungen zurück. „Im Weizen sieht es da gerade genau anders aus. Hier haben wir gute Qualitäten, können aber leider nicht so große Mengen ernten“, so Hagedorn.
Schwankungen bei Ertrag und Qualität gehören für die Landwirtschaft zum Alltag und hängen maßgeblich von den Witterungsbedingungen ab. Nach Einschätzung des WLV bewegt sich die diesjährige Ernte im Kreis Lippe insgesamt im üblichen Rahmen. Besondere Ausschläge nach oben oder unten seien derzeit nicht festzustellen.
Deutlich größere Sorgen bereiten den Betrieben allerdings die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen. Seit Monaten befinden sich die Erzeugerpreise für Getreide auf niedrigem Niveau. Zwar war in den vergangenen Wochen ein leichter Anstieg zu verzeichnen, doch aus Sicht des Verbandes reicht dieser bei weitem nicht aus. So stieg der Weizenpreis zwischen dem 7. und dem 21. Juli von 18 auf 20 Euro pro Dezitonne.
Dennoch können viele Betriebe ihre gestiegenen Produktionskosten damit nicht ausgleichen. Vor allem höhere Ausgaben für Pflanzenschutzmittel und Energie setzen die Landwirte unter Druck. „Da die Kosten für Pflanzenschutzmittel und Energie so stark gestiegen sind, brauchen wir dringend mehr Geld für unser Erntegut. Andernfalls ist es uns unmöglich, auf Dauer wirtschaftlich zu handeln“, fasst Hagedorn die Lage zusammen.
Die Erntesaison wird die lippischen Landwirte noch bis in den Herbst hinein beschäftigen. Während Raps, Weizen, Roggen und Triticale in den kommenden Tagen und Wochen vollständig eingebracht werden sollen, steht die Maisernte voraussichtlich ab Ende August auf dem Programm. Bis dahin bleibt die Hoffnung, dass sich die Rahmenbedingungen für die heimischen Betriebe zumindest auf dem Markt noch etwas verbessern.






