
Kreis Lippe. Gerade in Zeiten von Homeoffice und zeitlich begrenzten Möglichkeiten, Behördengänge zu erledigen, wird die Forderung nach Digitalisierung immer größer. Dabei gibt es schon vieles, was im Kreis Lippe und seinen Städten und Gemeinden online erledigt werden kann.
Das beginnt bei der Terminvergabe: Sowohl beim Kreis als auch bei den meisten Bürgerberatungen in den Städten kann der Termin für den Behördenbesuch entspannt vom heimischen Sofa aus geplant werden. Freie Termine werden in dem Online-Kalender angezeigt und können mit den eigenen Planungen abgestimmt und sofort gebucht werden. Ein Vorgang, der auch schon bei verschiedenen Ärzten möglich ist.
Doch das ist natürlich nicht die eigentliche Digitalisierung: Die beginnt beispielsweise bei der Kfz-Zulassungsstelle, wo man nicht nur sein zukünftiges Kennzeichen reservieren und Fahrzeuge abmelden kann, sondern diese auch neu zulassen, umschreiben oder eine Adressänderung durchführen kann. Tatsächlich kommt das Dienstsiegel für das neue Kennzeichen dann mit der Post nach Hause, wo zudem vielleicht die zuvor im Internet bestellten Schilder warten.
In Deutschland ist es außerdem nicht erforderlich, den Kfz-Schein in Papierform mitzuführen. Dafür gibt es mittlerweile die Smartphone-App „i-KFZ“. Darin können mehrere Fahrzeuge gespeichert werden, auch die von mehreren Personen gemeinsam genutzten Fortbewegungsmittel. Auch das gehört zur Digitalisierung.
Gesundheitszeugnis und Anträge per Mausklick
Das Gesundheitszeugnis, genauer gesagt eine Belehrung nach dem Infektionsschutzgesetz, für Arbeiter im Lebensmittelgewerbe und die entsprechende Zahlung gibt es im Kreis ebenfalls online zu erwerben. Zusätzlich können jede Menge Anträge online gestellt werden: von der Genehmigung für Elektrobefischung über Auskünfte aus Bauakten bis zur Erteilung von Reitkennzeichen für Pferde.
Viele Leistungen des Kreises funktionieren dabei mit bundesweit einheitlichen Formularen, mit „bundID-Anbindung“, wie auch die Anzeige zur Nutzung einer Nichttrinkwasseranlage (Brauchwasser) oder der Bewerbungsbogen für eine Vormundschaft bei Minderjährigen.
Der Kreis als digitales Serviceportal
Tatsächlich führt der schnellste Weg oft über die Internetseite des Kreises. Dort finden Bürger nicht nur Informationen zu ihrem Anliegen, sondern können vielfach auch direkt die ersten Schritte online in die Wege leiten.
Auch Kommunen bauen ihr Online-Angebot aus
Ähnlich weit sind auch die kommunalen Verwaltungen. Sie profitieren von bundesweit bereitgestellten Online-Diensten und können diese auf ihren eigenen Internetseiten anbieten, beispielsweise die Beantragung eines Führungszeugnisses.
Auch die Online-Bestellung von Geburts-, Ehe-, Lebenspartnerschafts- und Sterbeurkunden zählt inzwischen zum digitalen Serviceangebot vieler Verwaltungen. Dabei ist Vorsicht geboten: Neben den offiziellen Behördenportalen bieten auch private Dienstleister die Beantragung an und erheben dafür zusätzliche Gebühren. Ein genauer Blick auf die Internetadresse kann daher bares Geld sparen.
Rund 50 Online-Angebote verfügbar
Insgesamt stehen den Bürgern bis zu 50 verschiedene Online-Angebote zur Verfügung: Darunter auch individuelle Möglichkeiten, wie die An- und Abmeldung der Hundesteuer, die Beantragung eines Bewohnerparkausweises oder die An- und Abmeldung des Wohnsitzes.
Angebote für junge Leute
Für junge Leute ist zudem der Untersuchungsberechtigungsschein interessant, den minderjährige Auszubildende für die Untersuchung beim Arzt benötigen. Dazu kommen, je nach Kommune, verschiedene lokale Angebote wie das Melden oder Suchen von Fundsachen, die Beantragung von Baumfällungen oder die Anmeldung zur Musikschule, für Ferienspiele und vieles mehr.
Wer einen neuen Personalausweis beantragt hat, kann den Bearbeitungsstand inzwischen online verfolgen und sich so den Anruf im Bürgerbüro ersparen. Zwar muss der eigentliche Antrag weiterhin persönlich gestellt werden, für die Abholung lässt sich etwa in Lemgo jedoch eine Vollmacht ausstellen. Damit kann eine andere Person das Dokument entgegennehmen, sodass kein weiterer Behördengang notwendig ist.
Innovation trifft auf Erwartungshaltung
Mit innovativen Angeboten geht etwa die Stadt Blomberg voran. Dort können Paare die Anmeldung zur Eheschließung bereits digital vorbereiten und sich dabei von einem eigens entwickelten Chatbot unterstützen lassen. Über einen angeschlossenen Terminkalender werden die weiteren Schritte organisiert. Ganz ohne Behördengang geht es allerdings noch nicht: Für die formelle Anmeldung müssen die künftigen Ehepartner weiterhin persönlich im Standesamt erscheinen.
Die größere Herausforderung ist aber oft nicht die Technik, sondern die Erwartungshaltung des Nutzers. Viele Bürger verbinden Behördengänge noch immer mit dem persönlichen Besuch im Amt und nutzen die Online-Portale deshalb vor allem für die Terminbuchung oder die Suche nach Öffnungszeiten. Umso wichtiger ist es, digitale Angebote sichtbar und nutzerfreundlich zu gestalten.
Denn der beste Online-Service nützt wenig, wenn er erst nach langem Suchen gefunden wird oder zusätzliche Apps und Freischaltungen erforderlich macht.Auf den Serviceseiten der Kommunen ist jedoch auch nicht immer direkt ersichtlich, welche Dienstleistungen digital erbracht werden und für welche man persönlich erscheinen muss oder einen Brief zu schicken hat.
Digitale Identität als Schlüssel zum Online-Amt
Wer größere Serviceleistungen online nutzen möchte, muss seine Identität meist digital nachweisen. Grundlage dafür ist die Online-Ausweisfunktion des Personalausweises. Was zunächst technisch klingt, ist inzwischen recht einfach: Viele Smartphones verfügen über die notwendige NFC-Technik und können den Ausweis direkt auslesen.
So wird das Handy gewissermaßen zum digitalen Ausweislesegerät. Verbunden mit dem eigenen Kennwort kann man so eindeutig identifiziert werden und seine Behördengänge digital erledigen.
Nicht alles funktioniert reibungslos
Dass digitale Verwaltungsangebote nicht immer reibungslos funktionieren, zeigt ein Praxisbeispiel des Reporters: Der Umzug der Schwiegermutter in ein Altenheim sollte online als neue Adresse gemeldet werden. Das Vorhaben scheiterte jedoch daran, dass die Online-Ausweisfunktion ihres Personalausweises nie aktiviert worden war.
Am Ende führte deshalb kein Weg an der klassischen Lösung vorbei: Über das Online-Portal wurde ein Termin bei der Bürgerberatung vereinbart, um die Angelegenheit persönlich zu erledigen.
Zwischen App-Dschungel und digitaler Zukunft
„Na also, es geht doch“, möchte man erfreut ausrufen. Grundsätzlich ist Lippe demnach auf einem guten digitalen Weg, der aber auch noch lange nicht zu Ende ist.
Die Kehrseite der Digitalisierung könnte allerdings ein weiter wachsender App-Dschungel sein. Die bereits erwähnte „i-Kfz“-App macht den Anfang, der digitale Führerschein soll Ende 2026 oder Anfang 2027 folgen. Ob er in bestehende Lösungen integriert wird oder eine weitere App erfordert, bleibt abzuwarten.
Sicher ist dagegen: Für den digitalen Personalausweis wird es eine eigene App geben. Die digitale Brieftasche wird damit zwar voller, die Smartphone-Startseite allerdings ebenfalls.
Ein Lichtblick am Horizont könnte die europaweite „EUDI-Wallet“ werden. Mit dieser App sollen die innenliegenden Dokumente europaweit akzeptiert werden und auch Zahlungen mit Bankverbindungen möglich sein. So lauten die Vorgaben, deren Umsetzung für 2027 vorgesehen ist.
Links zur digitalen Welt in Lippe
Kreis Lippe
Augustdorf
https://www.augustdorf.de/Serviceportal/
Bad Salzuflen
https://www.stadt-bad-salzuflen.de/serviceportal
Blomberg
Detmold:
Lage
https://serviceportal.lage.de/
Lemgo
https://serviceportal.lemgo.de/home
Leopoldshöhe
https://serviceportal.leopoldshoehe.de/
Oerlinghausen
https://www.oerlinghausen.de/de/index.php
Schieder-Schwalenberg
https://www.schieder-schwalenberg.de/B%C3%BCrger-und-Service/Service/
So lässt sich der digitale Fahrzeugschein einrichten:
- App herunterladen: Die kostenlose i-Kfz-App des Kraftfahrt-Bundesamtes installieren (verfügbar für i-Kfz im App Store und für i-Kfz im Google Play Store).
- Authentifizierung: Die App öffnen, „Dokument hinzufügen“ auswählen und sich einmalig über den Online-Personalausweis (oder eID) und die dazugehörige PIN identifizieren.
- Fahrzeugschein abrufen: Autokennzeichen eingeben. Die App lädt den Fahrzeugschein anschließend direkt aus dem zentralen Register auf das Handy.
- Ein Assistent führt durch den Vorgang und bietet die Auswahl an: mit QR-Code (auf dem Fahrzeugschein)
Wichtige Details im Überblick
- Offizielle Gültigkeit: Der digitale Fahrzeugschein ist bei Polizeikontrollen in Deutschland offiziell anerkannt.
- Praktische Zusatzfunktion: Das Dokument kann über die App temporär an andere Personen weitergegeben werden (z. B. wenn sich Freunde oder Verwandte das Auto leihen).
- Ausland: Außerhalb Deutschlands ist die digitale Version nicht gültig. Im Ausland muss weiterhin das physische Dokument im Papierformat mitgeführt werden.
Fahrzeugschein teilen ist möglich: Es wird ein QR-Code erstellt, der dann einfach (siehe oben) eingescannt oder mit einem Link (zum Beispiel per E-Mail/WhatsApp) zugestellt werden kann.






