
Kreis Lippe. Zwei bislang ungeklärte Sexualstraftaten aus Bad Salzuflen und Barntrup standen am 19. August im Mittelpunkt der ZDF-Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“.
Mit der bundesweiten Fahndung hoffen die Ermittlungsbehörden, einen bislang unbekannten Täter zu identifizieren, der nach bisherigen Erkenntnissen für eine Vergewaltigung im Jahr 2024 sowie eine versuchte Vergewaltigung im Jahr 2006 verantwortlich sein könnte.
Im Zentrum der Ermittlungen steht zunächst eine Tat vom 8. November 2024. Gegen 20 Uhr wurde eine junge Frau auf der Uferstraße in Bad Salzuflen von einem unbekannten Mann angegriffen und vergewaltigt. Trotz umfangreicher Ermittlungen der Kriminalpolizei und einer öffentlichen Fahndung blieb die Identität des Täters bislang ungeklärt.
Ein entscheidender Fortschritt ergab sich jedoch durch die Auswertung einer DNA-Spur. Diese führte zu einem Treffer in einem lange ungeklärten Fall aus dem Jahr 2006. Nach Angaben der Ermittler belegen die genetischen Spuren, dass derselbe unbekannte Mann bereits in der Nacht zum 13. Juli 2006 in Barntrup in Erscheinung getreten sein soll.
Damals soll er gegen 1.40 Uhr versucht haben, eine Jugendliche auf offener Straße zu vergewaltigen. Dem Opfer gelang die Flucht. Nach der Tat entdeckte die Jugendliche zwischen ihren persönlichen Gegenständen eine Sonnenbrille, die nach Einschätzung der Ermittler vermutlich dem Täter gehörte. Ein damaliger Zeugenaufruf mit der Frage nach dem Besitzer der Brille blieb ohne Erfolg.
Im Fahndungsportal der Polizei Nordrhein-Westfalen sind weiterhin ein Foto der aufgefundenen Sonnenbrille sowie ein Phantombild des gesuchten Mannes veröffentlicht. Im Zusammenhang mit der Tat von 2024 wird der Verdächtige als etwa 35 bis 40 Jahre alt und rund 1,70 Meter groß beschrieben. Er soll kurze dunkle Haare und einen Dreitagebart getragen haben. Zum Tatzeitpunkt sei er dunkel gekleidet gewesen und habe schwarze Wollhandschuhe getragen.
Um die Aufklärung der Fälle voranzutreiben, stellte die Polizei Lippe die beiden Delikte am 19. August in der ZDF-Sendung vor. Für die Ermittlungsbehörden waren Kriminalkommissarin Anna Sofie Knabe sowie Staatsanwältin Jacqueline Kleine-Flaßbeck von der Staatsanwaltschaft Detmold live im Studio von Moderator Rudi Cerne zu Gast und erläuterten die Hintergründe der Taten.
Die Resonanz auf die Fernsehausstrahlung fiel erheblich aus. Nach Angaben der Polizei gingen bereits während und unmittelbar nach der Sendung rund 50 Hinweise ein. Darunter befinden sich sowohl allgemeine Beobachtungen als auch konkrete Namensnennungen möglicher Personen.
Zur Qualität und zum Inhalt der eingegangenen Hinweise machen die Ermittler derzeit keine näheren Angaben. Aus ermittlungstaktischen Gründen werde auf weitere Details verzichtet. Erste Hinweise seien bereits überprüft und ausgeschlossen worden.
Gleichzeitig betont die Polizei, dass konkrete Namensnennungen allein noch keinen Tatverdacht begründen. Bei Phantombildern bestehe grundsätzlich ein erheblicher Interpretationsspielraum. Niemand werde allein aufgrund einer Meldung oder eines Hinweises zum Tatverdächtigen.
Zur Unterstützung der Ermittlungen hat die Staatsanwaltschaft Detmold eine Belohnung von 5.000 Euro ausgesetzt. Diese wird für Hinweise gezahlt, die zur Aufklärung der Taten sowie insbesondere zur Ermittlung und Ergreifung des Täters beitragen. Über die Zuerkennung und gegebenenfalls Verteilung der Belohnung wird unter Ausschluss des Rechtsweges entschieden.
Die Ermittlungen dauern an. Hinweise nimmt das Kriminalkommissariat 1 der Polizei Lippe unter der Telefonnummer 05231/6090 entgegen. Zeugen können sich zudem an jede andere Polizeidienststelle wenden.





