Drei Generationen Eisenbahnfreunde-Management und ein Jugendwart, nämlich Hans-Jörg Horn, Dirk Schneider (aktueller Vorsitzender), „Gründervater“ Uwe Genz und sein Nachfolger Friedhelm Rakowsky. Sie zeigen den Hochglanz­kalender 2026, ein Lokmodell und das „Rangierdiplom“. Das Ganze von links. Neu gibt es den Kalender fürs nächste Jahr. Der kann ab dem Tag der offenen Tür am Sonntag erstanden werden. Foto: Gärtner

Lage-Kachtenhausen. »Tag der offenen Tür« am kommenden Sonntag, 20. September, von 11 bis 16 Uhr im Bahnhof Ehlenbruch: Die Eisenbahnfreunde Lippe zeigen Modellbahnanlagen verschiedener Nenngrößen, laden zum fachlichen Austausch ein, starten mit dem Verkauf ihres neuen Hochglanz-Kalenders und verwöhnen die Besucher gastronomisch mit Kaffee und Kuchen nach der Mantaplatte. Noch ein Highlight: »Kurts Combo« bringt Uwe Genz und der Jugendgruppe ein Ständchen. Denn »Gründervater« Uwe Genz ist 90 geworden, und die Jugendgruppe 50. Doppelter Grund zum Feiern.


Drei Generationen Vereinsgeschichte, ein hyperaktiver Jugendwart und jede Menge Leidenschaft für kleine Loks: Die Eisenbahnfreunde Lippe sind längst mehr als eine Gruppe von Menschen, die gerne Züge im Kreis fahren lässt. Im Verein treffen Eisenbahn- geschichte, Technik, Modellbau und Nachwuchsarbeit aufeinander. Über Kalender, Rangierdiplome, Modellbahnbasare und die Faszination für die kleine große Welt sprechen Vereinsvorsitzender Dirk Schneider, Gründervater Uwe Genz, sein Nachfolger Friedhelm Rakowsky und stellvertretender Jugendwart Hans-Jörg Horn mit der Lippischen Wochenzeitung.

LWZ:  Herr Schneider, warum kann man sich eigentlich stundenlang mit einer Eisenbahn beschäftigen, die kaum größer ist als ein Schuhkarton?

Dirk Schneider: Weil eine Modellbahn viel mehr ist als eine Lok auf Schienen. Man baut eine komplette Welt. Da gibt es Bahnhöfe, Landschaften, Häuser, Straßen, Brücken, Signale und natürlich die Züge. Und alles muss funktionieren. Das ist Technik, Kreativität und ein bisschen Spieltrieb – egal, wie alt man ist.
Uwe Genz: Und man kann dabei sehr schön abschalten. Wenn man an einer Anlage arbeitet, interessiert einen für eine Weile nicht, was draußen gerade passiert. Man konzentriert sich auf die kleine Welt vor sich.
Friedhelm Rakowsky: Wobei „klein“ relativ ist. In manchen Anlagen steckt so viel Arbeit, dass man vermutlich schneller ein Einfamilienhaus baut.

LWZ: Herr Genz, Sie gehören zu den Gründervätern der Eisenbahnfreunde Lippe. Was hat Sie damals angetrieben?

Uwe Genz: Die Begeisterung für die Eisenbahn natürlich. Der Verein besteht seit 1974. Damals war die Modellbahn noch viel stärker ein klassisches Hobby. Aber die Faszination ist geblieben. Wir wollten gemeinsam bauen, uns austauschen und natürlich auch anderen zeigen, was man mit einer Modellbahn alles machen kann.

LWZ: Herr Rakowsky, Sie haben später den Vorsitz übernommen. Was hat sich seit den Anfangsjahren verändert?

Friedhelm Rakowsky: Die Technik natürlich. Früher war vieles analog, heute kann man digital steuern, automatisieren und ganze Fahrabläufe programmieren. Aber eines ist gleich geblieben: Man muss sich mit der Sache beschäftigen. Einfach einen Knopf drücken und fertig: So funktioniert eine gute Modellbahn nicht.
Dirk Schneider: Aber die Gemeinschaft ist trotz aller Veränderung geblieben. Das ist vielleicht sogar das Wichtigste.

LWZ: Sie veranstalten regelmäßig Modellbahnbasare und Ausstellungen. Was macht diese Veranstaltungen so erfolgreich?

Dirk Schneider: Die Mischung. Die Besucher kommen nicht nur, um etwas zu kaufen. Sie wollen Anlagen anschauen, sich informieren, fachsimpeln und Leute treffen, die genauso verrückt nach der Eisenbahn sind wie sie selbst.
Hans-Jörg Horn: Und die Kinder haben ihre eigenen Interessen. Die wollen nicht unbedingt drei Stunden über eine historische Lok diskutieren. Die wollen etwas machen. Deshalb versuchen wir, die Jugend möglichst aktiv einzubeziehen.

LWZ: Dazu gehört das „Eisenbahnrangierdiplom“. Was muss man dafür können?

Hans-Jörg Horn: Vor allem denken! Die Aufgabe sieht zunächst ganz einfach aus: Eine Last muss mit der Lok von A nach B gebracht werden, eine andere von B nach A. Dann kommt aber der Haken: Die Lok passt durch einen Tunnel, die Waggons nicht. Also muss man rangieren, kuppeln, die richtige Reihenfolge finden und ein bisschen tüfteln.

LWZ: Und wenn das nicht klappt?

Hans-Jörg Horn: Dann gibt es das Diplom auch nicht. Und ich kann Ihnen sagen: Die Kinder nehmen das ziemlich ernst. Da wird nicht einfach nur gespielt. Da wird richtig konzentriert gearbeitet.
Dirk Schneider: Manche Erwachsene fühlen sich auch heraus­gefordert. Die stehen daneben und überlegen, wie sie das Problem selbst lösen würden.

LWZ: Was ist das Ziel Ihrer Jugendarbeit? Nur Nachwuchs für den Verein zu gewinnen?

Hans-Jörg Horn: Natürlich freuen wir uns über jedes neue Mitglied. Aber es geht um mehr. Beim Modellbau lernen die Jugendlichen räumliches Denken, Technik, Feinmotorik und Teamarbeit. Und sie merken: Wenn mehrere Leute an einer Anlage arbeiten, muss man sich absprechen. Das ist für uns sehr wertvoll.

LWZ: Herr Schneider, Sie präsentieren auch regelmäßig einen Kalender. Was steckt dahinter?

Dirk Schneider: Unsere Kalender zeigen historische und aktuelle Eisenbahnmotive aus Lippe. Inzwischen erscheint er zum vierten Mal. Da sind ganz unterschiedliche Fahrzeuge dabei – vom Akkutriebwagen aus den 1960er-Jahren bis zum ICE. Auch Bahnhöfe und Landschaften spielen eine Rolle.

LWZ: Also nicht nur etwas für eingefleischte Eisenbahnfans?

Dirk Schneider: Nein. Wir versuchen, Eisenbahngeschichte zu zeigen. Viele Motive sind heute gar nicht mehr möglich, weil sich die Landschaft oder die Bahnhöfe verändert haben. Manche Bilder sind deshalb kleine historische Dokumente.
Uwe Genz: Und schöne Bilder sind es sowieso.
Friedhelm Rakowsky: Bei manchen muss man schon aufpassen, dass man nicht anfängt, die eigene Wohnung entsprechend umzubauen.

LWZ: Was macht ein gutes Eisenbahnfoto aus?

Dirk Schneider: Das Motiv und der richtige Moment. Ein Zug allein ist noch kein gutes Bild. Interessant wird es durch die Umgebung, das Licht und die Geschichte, die dahintersteckt.

LWZ: Wie wichtig ist die Eisenbahngeschichte für Ihren Verein?

Uwe Genz: Sehr wichtig. Wer sich mit Eisenbahn beschäftigt, beschäftigt sich automatisch mit Geschichte. Bahnhöfe, Strecken und Fahrzeuge erzählen viel über die Entwicklung einer Region.
Dirk Schneider: Deshalb wollen wir auch historische Fahrzeuge und Situationen dokumentieren. Manche Dinge verschwinden irgendwann – und dann ist ein Foto plötzlich viel mehr als nur ein Foto.

LWZ: Bei Ihren Veranstaltungen gibt es neben Zügen und Modellanlagen auch Kaffee, Kuchen und Würstchen. Gehört das inzwischen zum Eisenbahn-Hobby dazu?

Hans-Jörg Horn (lacht): Unbedingt.  Eine Ausstellung macht hungrig . . .
Dirk Schneider: . . . wir haben eine bewährte Service-Crew. Die Besucher sollen sich bei uns wohlfühlen. Eine familiäre Atmosphäre gehört einfach dazu.

LWZ: Gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen echten Eisenbahnfans und Modellbahnfans?

Friedhelm Rakowsky: Eigentlich nicht. Der eine interessiert sich mehr für die große Bahn, der andere für die kleine. Aber irgendwann treffen sich die Interessen . . .
Uwe Genz: . . . und bei uns sowieso . . .
Dirk Schneider: . . .  wer einmal richtig mit dem Modellbahnvirus infiziert ist, ist meistens nicht mehr zu retten.

LWZ: Was fasziniert Sie persönlich nach all den Jahren noch immer an der Modell-Eisenbahn?

Uwe Genz: Die Technik.
Friedhelm Rakowsky: Die Geschichte.
Hans-Jörg Horn: Die Technik-begeisterten Jugendlichen.
Dirk Schneider: Die Kombination aus allem. Technik, Geschichte, Kreativität und Gemeinschaft. Und natürlich der Moment, wenn nach stundenlanger Arbeit die Lok losfährt und alles so funktioniert, wie man es geplant hat.

LWZ: Was würden Sie jemandem sagen, der noch nie mit Modellbahnbau zu tun hatte?

Dirk Schneider: Einfach mal vorbeikommen. Anschauen, Fragen stellen und sich überraschen lassen.
Hans-Jörg Horn: Kinder dürfen bei uns auch ausprobieren. Dafür gibt es schließlich unsere Jugendangebote.
Uwe Genz: Aber wer behauptet, Modellbahn sei nur etwas für Kinder, hat vermutlich noch nie eine richtig gute Anlage gesehen.
Friedhelm Rakowsky: Oder noch nie versucht, eine Lok durch einen Tunnel zu rangieren.

LWZ: Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Eisenbahnfreunde Lippe?

Dirk Schneider: Dass die Begeisterung weitergegeben wird. Wir möchten junge Leute für das Hobby gewinnen und gleichzeitig die Geschichte der Eisenbahn bewahren . . .
Hans-Jörg Horn: . . . und dass die Jugendgruppe weiter wächst.
Uwe Genz: Dass der Verein noch viele Jahre besteht . . .
Friedhelm Rakowsky: . . .  und dass weiterhin Züge fahren . . .
Dirk Schneider:  . . . genau. Am besten pünktlich.

LWZ: Ein letzter Satz zum Modellbahn-Hobby?

Dirk Schneider: Wer einmal eine Lok liebt, ist für das Auto als einziges Verkehrsmittel  verloren.
Uwe Genz: Und wer einmal eine Modellbahn gebaut hat, weiß: Eine kleine Welt kann erstaunlich groß werden.
Hans-Jörg Horn: Und manchmal braucht man dafür nur ein paar Schienen, eine Lok und etwas Fantasie . . .
Friedhelm Rakowsky: . . . wobei „ein paar Schienen“ bei uns durchaus ein dehnbarer Begriff ist.