Dieter Hagedorn, Vorsitzender des WLV-Kreisverbandes Lippe, zieht eine durchwachsene Bilanz der diesjährigen Erntesaison in Lippe. Foto: WLV

Kreis Lippe. Die Erntesaison 2026 geht im Kreis Lippe in die letzten Züge. Während Gerste, Weizen, Roggen und Triticale bereits seit einigen Wochen abgeerntet sind, laufen derzeit noch die Kartoffel-, Mais- und Zuckerrübenernte. Die Bilanz fällt allerdings durchwachsen aus: Über die gesamte Saison hinweg haben sich die Folgen des trockenen und heißen Sommers bemerkbar gemacht.


„Durch die langen Trocken- und Hitzephasen diesen Sommer haben wir im Kreis Lippe im Schnitt etwa 20 Prozent Ertragsausfälle“, sagt Dieter Hagedorn, Vorsitzender des WLV-Kreisverbandes Lippe. Vor allem die zahlreichen heißen Tage hätten den Pflanzen zugesetzt.

„Jeder Tag mit mehr als 27 Grad kostet uns Erträge und davon hatten wir in diesem Jahr deutlich mehr als in den meisten anderen Jahren. Die fehlenden Niederschlagsmengen verstärken diesen Umstand noch.“

Trotz der Einbußen blickt Hagedorn auch auf Regionen, die von den Witterungsbedingungen noch stärker betroffen sind. „Wir sind trotzdem dankbar, denn im Vergleich zu vielen anderen Regionen, zum Beispiel in Süddeutschland oder im europäischen Ausland, stehen wir noch gut da.“

Steigende Kosten belasten Betriebe

Doch nicht allein die Ertragsausfälle bereiten den lippischen Landwirten Sorgen. Gleichzeitig belasten stark gestiegene Energiepreise die Betriebe. Das betrifft nicht nur den Diesel, sondern auch weitere Betriebsmittel. Handelsdünger und Transportaufschläge kosten die Landwirte nach Angaben des WLV immer mehr Geld.

Demgegenüber steht laut Verband ein unerklärlich schlechtes Preisniveau bei den agrarischen Produkten, vom Korn bis zum Schlachtschwein. Eine Ausnahme bildet Raps. Dessen Preis orientiert sich aufgrund der Verwendung als Biodiesel am Kraftstoffmarkt.

Für Hagedorn liegt darin ein grundsätzliches Problem für die wirtschaftliche Zukunft der heimischen Landwirtschaft. Dabei fordert er keine staatlichen Finanzhilfen, sondern auskömmliche Preise für die erzeugten Produkte.

„Wenn wir in unserer regionalen Landwirtschaft weiterhin eine Lebensmittelsicherheit garantieren sollen, brauchen wir keine Finanzspritzen oder anderweitigen Stützen, sondern Preise oberhalb der Herstellungskosten“, sagt der Kreisvorsitzende. „Nur so können wir langfristig wirtschaften und unsere Betriebe vor Ort erhalten.“

„Agrarprodukte kein Spekulationsobjekt“

Hagedorn fordert zugleich mehr Verlässlichkeit bei der Preisbildung: „Agrarprodukte sollten kein Spekulationsobjekt sein, sondern eine verlässliche Lebensgrundlage bieten, sowohl für den Erzeuger als auch den Verbraucher.“

Aus Sicht des WLV ist der Anteil der Landwirte an der Wertschöpfung mittlerweile zu gering. „In der Wertschöpfungskette sind wir Landwirte nur noch mit 20 Prozent beteiligt, das heißt, bei einem Verbraucher-Kilopreis für Schweinefleisch von 7 Euro bekommen wir 1,40 Euro“, erklärt Hagedorn. „Das ist zu wenig und aus unserer Sicht nicht gerechtfertigt.“

Ungeachtet der schwierigen wirtschaftlichen Rahmenbedingungen betont der Kreisvorsitzende den Anspruch der heimischen Landwirtschaft, weiterhin hochwertige Lebensmittel zu produzieren und die Kulturlandschaft zu bewirtschaften.

„Wir Landwirte arbeiten gerne in Deutschland und sind stolz auf die erreichten Qualitäten unserer Produkte“, sagt Hagedorn. „Wir werden auch weiterhin unsere Kulturlandschaft bewirtschaften und für hohe Qualität einstehen.“

Zum Ende der Erntesaison verbindet er diese Zusage jedoch mit einer nachdenklichen Frage: „Aber: Was nützt uns Erntedank, wenn die Ernte und die daraus erstellten Produkte nicht wertgeschätzt werden?“