Bei bestem Wetter und guter Gemeinschaft läuft auch dreckige und staubige Arbeit. Foto: AFM Oerlinghausen

Oerlinghausen. Vergangenheit ist nicht unveränderlich. Zumindest das Bild, das sich Menschen von ihr machen, hängt immer auch von der jeweiligen Zeit, ihren Erkenntnissen und Weltanschauungen ab.


Wie unterschiedlich solche Vorstellungen ausfallen können, will das Archäologische Freilichtmuseum Oerlinghausen künftig mit einem ungewöhnlichen Neubau zeigen: dem „Haus mit den zwei Gesichtern“.

Die Arbeiten dafür haben bereits begonnen. Seit einer Woche wird eines der Germanenhäuser aus dem Jahr 1961 abgetragen. Das bisherige Backhaus muss weichen, damit an gleicher Stelle ein neues „Germanenhaus“ entstehen kann.

Das Besondere daran steckt bereits im Namen: Das Gebäude wird in zwei Hälften geteilt. Beide gehen vom selben archäologischen Befund aus, werden den Besuchern jedoch vollkommen unterschiedliche Bilder der Vergangenheit präsentieren.

Eine Hälfte rekonstruiert die ideologisch geprägte Inszenierung des Jahres 1936 mit der damaligen Architektur und Einrichtung. Ihr gegenüber steht in der zweiten Hälfte eine Rekonstruktion auf Grundlage des heutigen archäologischen Forschungsstandes. Eine gläserne Trennwand zwischen beiden Bereichen ermöglicht den unmittelbaren Vergleich.

Auf diese Weise soll sichtbar werden, welchen Einfluss zeitgenössische Vorstellungen und Weltanschauungen darauf hatten und haben, wie Vergangenheit rekonstruiert und präsentiert wird. Mit dem Projekt knüpft das Freilichtmuseum zugleich an die aktuelle Weiterentwicklung seiner Präsentation an.

Neubau soll zur Saison 2028 öffnen

Bis Besucher das „Haus mit den zwei Gesichtern“ selbst erkunden können, sind allerdings noch einige Bauabschnitte zu bewältigen. Noch in diesem Jahr soll das ehemalige Backhaus vollständig abgerissen und das Grundstück für den Neubau einschließlich seiner Erschließung vorbereitet werden.

Im ersten Quartal des kommenden Jahres ist die Errichtung des Rohbaus samt Dachkonstruktion vorgesehen. Im Frühjahr folgen die Lehmbauarbeiten. Für das vierte Quartal 2027 ist schließlich der Innenausbau geplant. Zur Saison 2028 soll das neue Gebäude den Besuchern zur Verfügung stehen.

Wer noch einen Blick auf das bisherige Backhaus und dessen Abtragung werfen möchte, hat dazu Gelegenheit: Das Archäologische Freilichtmuseum ist noch bis Ende Oktober geöffnet. Bis dahin können Besucher den fachgerechten Abbau des Gebäudes miterleben.

Dabei ist nicht allein das Museumsteam im Einsatz. Für den fachgerechten Rückbau werden viele helfende Hände benötigt. Wesentliche Unterstützung erhält das Museum dabei von der hoch engagierten Ehrenamtsgruppe der Anlage.

Finanziell ermöglicht wird das Bauprojekt durch mehrere Förderer. Unterstützt und gefördert wird es vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Digitalisierung des Landes Nordrhein-Westfalen, von der NRW-Stiftung, der Stiftung Standortsicherung Lippe und dem Landesverband Lippe.