
Detmold. Rund 3.600 Werke in acht Jahrzehnten, von Kirchenmusik und Sonaten über Suiten und Konzerte bis hin zu Opern: Georg Philipp Telemann war nicht nur einer der produktivsten Komponisten seiner Epoche. Seine Musik beeindruckt bis heute durch außergewöhnliche Qualität, Erfindungsreichtum und eine bemerkenswerte Ausdrucksfülle. Unter dem Titel „Telemania“ widmet sich das junge Originalklangensemble Boulevard Baroque am Freitag, 9. Oktober, in der Detmolder Martin-Luther-Kirche diesem musikalischen Kosmos.
Unter der Künstlerischen Leitung von Karla Enríquez lässt das Ensemble einen Teil von Telemanns Schaffen im Originalklang lebendig werden. Für das Konzert hat Boulevard Baroque erneut einen renommierten Gast gewinnen können: Alfredo Bernardini, einer der profiliertesten Barockoboisten der internationalen Alte-Musik-Szene, musiziert bereits zum wiederholten Mal gemeinsam mit dem für seine frische Interpretationskunst bekannten Ensemble.
Oboe im Mittelpunkt
„Telemania“ richtet den Blick insbesondere auf Telemanns Ouvertüren-Suiten und seine Musik für Oboe. Gerade seine Oboenkonzerte zeigen exemplarisch, was den Komponisten musikalisch bewegte: Telemann lotete die Möglichkeiten des Instruments aus und suchte nach dessen Ausdruckskraft. Hinter diesen Werken wird eine Künstlerpersönlichkeit hörbar, die wissen wollte, was musikalisch möglich ist und welche Ausdrucksmöglichkeiten Musik entfalten kann.
Telemann muss nahezu pausenlos komponiert haben. Rund 3.600 Werke aller denkbaren Gattungen entstanden im Verlauf von acht Jahrzehnten. Mit großer musikalischer Begabung ausgestattet, stieg er zu einem der berühmtesten Komponisten Europas auf. Sein Lebensweg führte ihn über Leipzig, wo er zwischenzeitlich auch Jura studierte, und Frankfurt am Main schließlich nach Hamburg. Dort wurde Telemann zu einer der prägenden musikalischen Persönlichkeiten seiner Zeit.
Meister der Barockoboe
Mit Alfredo Bernardini steht in Detmold ein Musiker an der Seite von Boulevard Baroque, der sich seit Jahrzehnten intensiv mit historischer Aufführungspraxis beschäftigt. Der gebürtige Italiener zog 1981 nach Holland, um sich dort der Barockoboe zu widmen.
Heute zählt Bernardini zu den renommiertesten Barockoboisten und konzertiert als Solist und Dirigent weltweit mit Spitzenensembles wie Hespèrion XXI und dem Freiburger Barockorchester. Darüber hinaus ist er als Dozent tätig und prägt damit seit Jahrzehnten die Auseinandersetzung mit historischer Aufführungspraxis.
An rund 50 CD-Einspielungen war Bernardini beteiligt. Einige davon wurden mit bedeutenden Preisen ausgezeichnet, darunter dem Cannes Classical Award.
Alte Musik mit frischem Blick
Boulevard Baroque hat sich unter der Künstlerischen Leitung der gebürtigen Mexikanerin Karla Enríquez als junges Ensemble zu einem der neuen kreativen Glanzlichter der internationalen Szene historischer Aufführungspraxis entwickelt.
Das Ensemble steht für eine eigene Vision Alter Musik, die diese als frische, inspirierende und zeitlose Kunst versteht. Boulevard Baroque entwickelt dafür interdisziplinäre Konzertformate, verbindet historische Aufführungspraxis mit großer Spielfreude und möchte auf diese Weise jedes Konzert zu einem besonderen Erlebnis für das Publikum werden lassen.
Das Konzert „Telemania“ beginnt am Freitag, 9. Oktober, um 19 Uhr in der Martin-Luther-Kirche an der Schülerstraße in Detmold. Der Eintritt ist frei, nach dem Konzert werden Spenden erbeten. Weitere Informationen gibt es unter boulevardbaroque.com.





